Aufräumarbeiten laufen

Ehepaar kämpft in Ahrweiler gegen die Flut

Die Menschen aus Ahrweiler stehen in der Not zusammen. Nach der verheerenden Flutkatastrophe vom vergangenen Mittwoch sind die Stadt und der Landkreis schwer getroffen.
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Die Menschen aus Ahrweiler stehen in der Not zusammen. Nach der verheerenden Flutkatastrophe vom vergangenen Mittwoch sind die Stadt und der Landkreis schwer getroffen.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Carmen und Rainer Peitz-von den Eichen sind vor einem Jahr aus Wermelskirchen nach Rheinland-Pfalz gezogen.

Realisiert haben sie noch nicht, was passiert ist. „Das wird wohl auch noch dauern. Zurzeit funktionieren wir eigentlich nur“, sagt Carmen Peitz-von den Eichen. Zusammen mit ihrem Ehemann Rainer, mit dem sie bis vor einigen Jahren das Möbelhaus von den Eichen an der Oberen Remscheider Straße führte, ist die Wermelskirchenerin vor gut einem Jahr ins rheinland-pfälzische Ahrweiler gezogen, wo die beiden jetzt unmittelbar mit der Flutkatastrophe konfrontiert sind. „Unsere Ferienwohnung im Erdgeschoss ist durch das Wasser komplett zerstört worden“, erzählt Carmen Peitz. „Zum Glück sind unsere Räume im oberen Teil des Hauses unversehrt.“

Strom und Wasser gibt es aber noch nicht. Peitz: „Zum Duschen, Ausruhen und Aufladen der Smartphones sind wir jeden zweiten Tag bei Bekannten im Nachbarort.“

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Sie funktionieren. Täglich sind sie damit beschäftigt, die Gebäude, Straßen und Gärten von Schlammmassen zu befreien. „Viele Nachbarn, die wir vorher gar nicht kannten, helfen uns jetzt“, erzählt Rainer Peitz-von den Eichen. „Vielmehr: Wir helfen uns gegenseitig. Das ist schon beeindruckend, wie man zueinandersteht. Wir haben zum Beispiel einen Stromgenerator, den wir immer mal wieder verleihen. Andere haben Schubkarren oder andere Geräte, die wir für die Aufräumarbeiten gebrauchen können.“

Beide sind sich sicher: „Wir haben noch Glück gehabt“

Das Ehepaar ist sicher: „Wir haben noch Glück gehabt, uns hat es nicht so schwer getroffen.“ Denn es hätte viel schlimmer ausgehen können. Eigentlich, so erinnern sich die Peitz-von den Eichens, fing vor gut einer Woche alles recht harmlos an. „Es hat stark geregnet. Und wir wussten, dass es Hochwasser geben könnte“, berichtet Carmen Peitz. „Aber da wir am vergleichsweise kleinen Mühlenteich wohnen und nicht direkt an der Ahr, dachten wir nicht daran, dass uns das Wasser direkt treffen könnte.“

Rainer Peitz ging am Abend noch nach draußen, sah dann aber schon, dass die Fußgängerbrücke vom „kleinen“ Mühlenteich fast überspült war. „Wenn ich darüber nachdenke, war das lebensgefährlich, dort hinzugehen“, sagt er.

Denn kurze Zeit später waren die Wassermassen nicht mehr zu halten. Nicht nur der Mühlenteich trat mit Wucht über die Ufer, sondern auch die gut 200 Meter entfernte Ahr bahnte sich ihren Weg durch den Ort. Menschen, die „noch eben ihr Auto aus dem Parkhaus holen“ wollten, hatten keine Chance mehr. Rettungskräfte konnten Tage später nur noch ihre Leichen bergen.

Menschen aus Wermelskirchen helfen in Ahrweiler

„Außenstehende können sich kaum vorstellen, was hier los ist“, sagt Carmen Peitz-von den Eichen. „Es ist sehr schlimm, aber auf der anderen Seite ist es auch tröstlich, wie viel Hilfe wir bekommen.“ Finanziell benötigt das Ehepaar keine Unterstützung. „Aber natürlich werden hier im Ort immer wieder Dinge benötigt. Wie zum Beispiel Campingkocher zur Verpflegung der Helfer. Das erfahren Spendenwillige aber am besten über die koordinierenden Organisationen.“

Carmen und Rainer Peitz-von den Eichen (r.) sind vor einem Jahr nach Ahrweiler gezogen.

Jemand, der im Kreis Ahrweiler aktiv hilft, um die Menschen in ihrer Not zu entlasten, ist Timo Faßbender, Malermeister aus Wermelskirchen. „Mit einer Firma aus Köln kamen wir auf die Idee, eine Spendenaktion zu starten. Einfach, um den Betroffenen, die derzeit nichts mehr haben, zu helfen“, sagt der Unternehmer.

So machte er sich mit Mitarbeitern, Angehörigen und Freunden vorigen Samstag in den Kreis Ahrweiler und die Region um Erftstadt auf, um die ersten Lebensmittel und Sachspenden abzuliefern. Unter anderem Spielzeug, Hygieneartikel, Kleidung für Kinder und Erwachsene sowie Haushaltsartikel. „Wir wollen auch in den nächsten Wochen weitermachen“, kündigt Frowein an.

Das Ehepaar Peitz-von den Eichen hofft indes, in einigen Tagen wieder ihre Wohnung beziehen zu können. „Erst dann können wir zur Ruhe kommen“, sagen sie.

Hilfe

Wer Timo Faßbender bei seiner Hilfe für die Flutopfer in der Region Ahrweiler und Erftstadt unterstützen möchte, kann sich telefonisch bei ihm unter Tel. (0 21 96) 70 67 916 melden. „Es ist wichtig, dass wir vorher absprechen, was die Leute spenden wollen“, sagt der Unternehmer. „Denn wir brauchen zum Beispiel keine Kleidung mehr, dafür aber Pavillons, weil es am Wochenende wieder regnen soll.“

Standpunkt: Hilfe – aber koordiniert

Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga.de

Seit klar ist, dass viele Menschen durch die Flutkatastrophe vom vorigen Mittwoch und deren Folgen in große Not geraten sind, ist die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung riesig. Das rührt und ist für die Betroffenen vielfach ein großer Segen. Zwar ging es dabei nicht um Menschenleben oder Existenzen, aber was alles mit vereinten Kräften möglich ist, konnte man gerade in Dabringhausen beobachten. Binnen 24 Stunden nach der Überflutung des dortigen Freibades fanden sich dort über 400 Helfer ein, die in kürzester Zeit das Bad wieder einsatzfähig machten. Eine unvorstellbare Leistung. Ohne diese Gemeinschaft, das Anpacken vieler Unbeteiligter, wäre die Situation auch in unserer Region, in Radevormwald oder Hückeswagen, Solingen, Bergisch Gladbach oder Leverkusen, noch viel dramatischer ausgegangen als es ohnehin schon der Fall war. Und dennoch: Hilfe sollte koordiniert und strukturiert sein. Es nützt nichts, seinen Kleiderschrank auszumisten und den Inhalt irgendwo abzugeben, wo er gar nicht benötigt wird. Besser vorher nachfragen und gezielt helfen. Das ist dann auch effektiv.

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