Lollitests

Corona-Tests bei Kindern haben ihre Tücken

Mit den Lollitests sollen alle mehr als 730 000 Schülerinnen und Schüler der knapp 3800 Grund- und Förderschulen zwei Mal pro Woche in ihrer jeweiligen Lerngruppe auf das Coronavirus getestet werden. Foto: Roland Weihrauch/dpa
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Mit den Lollitests sollen alle mehr als 730 000 Schülerinnen und Schüler der knapp 3800 Grund- und Förderschulen zwei Mal pro Woche in ihrer jeweiligen Lerngruppe auf das Coronavirus getestet werden.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Zu wenig Material, viel Aufwand: Nicht alles bei Schnell- und Lollitests läuft rund, sagen die Pädagogen

Wermelskirchen. Einmal das Stäbchen in den Mund, 30 Sekunden lang lutschen wie an einem Lolli – und weg damit in die Tüte. Die sogenannten Lollitests sind für Grund- und Förderschulen seit dieser Woche im Umlauf. Das Besondere: Die Testung geschieht zunächst gruppenweise. Erst wenn eine Gruppe positiv getestet wurde, werden Einzeltests der Gruppenmitglieder vorgenommen. Ein Vorteil: Die Tests sind für Schüler leichter anzuwenden als die Antigen-Schnelltests.

Auch die Wermelskirchener Grundschulen haben am Montag mit den Lollitests in ihren Klassenzimmern begonnen. Dagmar Strehlow-Toussaint, Schulleiterin der Waldschule, erklärt das Prozedere: „Jeder der anwesenden Schüler macht einen Test. Dann werden die Stäbchen gruppenweise verpackt und ans Labor verschickt.“ Personalisiert sind die Tests bis dahin noch nicht. „Ich frage die Ergebnisse dann spät abends oder früh am nächsten Morgen online ab und schaue, ob jemand positiv ist“, erklärt die Schulleiterin. Ist das der Fall, müssen die Eltern der betroffenen Schülergruppe zuhause noch einmal den Lollitest mit ihrem Kind machen. Dieser wird dann personalisiert ans Labor gegeben, um herauszufinden, wer aus der Gruppe Corona positiv ist.

Schulleiterin sieht Vorteile der Lollitests gegenüber der Schnelltests

Strehlow-Toussaint: „Wir sind zurzeit im Wechselunterricht, so dass nicht die ganze Klasse anwesend ist. Eine Gruppe besteht in der Regel nur aus etwa zwölf Schülern.“

Die Lollitests gelten als treffsicherer als die Schnelltests, die die Schüler bei sich selbst anwenden. „Man kann sie mit einem PCR-Test vergleichen, weil sie ja auch im Labor ausgewertet werden“, sagt Strehlow-Toussaint.

Bisher haben sich die Schüler morgens in der Klasse mit einem Schnelltest selbst getestet. Im neuen Verfahren sieht Dagmar Strehlow-Toussaint einige Vorteile: „Erstmal ist es sicherer und dann haben die Schüler natürlich den Vorteil, dass sie nicht vor allen ihr Ergebnis erfahren.“ Das, betont die Schulleiterin, sei aber für ihre Schüler nie ein Problem gewesen. „Wir hatten bei den Schnelltests noch keinen positiven Fall, die Schüler haben aber verstanden, dass jemand, der positiv getestet ist, einfach nach Hause muss wie jemand, der eben Kopfschmerzen hat oder einen Schnupfen. Für die Kinder war das von Anfang an etwas Selbstverständliches.“ Eltern, die es ablehnen würden, dass ihr Kind sich testet, dürften ihr Kind auch nicht zur Schule schicken, betont die Schulleiterin.

Lollitests bedeuten Mehraufwand für Schulleiterin

Für sie selbst bedeutet die Einführung der Lollitests ganz klar Mehraufwand. „Ich muss spät abends oder früh am Morgen die Ergebnisse abrufen und eventuell auch in die Schule, wenn die Eltern die Zweittests vorbeibringen. Da ist es dann ganz gleich, ob das ein Feiertag oder Wochenende ist.“ Froh seien sie und ihre Kollegen indes, dass sie alle zumindest einmal geimpft seien. „Das bedeutet auch für uns eine größere Sicherheit im Umgang mit den Schülern.“

Kitas und Kinder-Tagespflegen arbeiten nach wie vor mit den Antigen-Schnelltests. Das läuft in der Regel so, dass die Eltern ihre Kinder zwei Mal in der Woche daheim testen. „Wenn sie es denn möchten und wenn denn genug Tests da sind“, räumt Barbara Frank ein. Die Leiterin des städtischen Jugendamtes hofft, dass sich „das künftig noch ein bisschen mehr entspannt“. Denn während die Kindertagesstätten seit voriger Woche direkt vom Land Nordrhein-Westfalen mit den Schnelltests beliefert werden, hat die Stadtverwaltung für die Kindertagespflegen ein Kontingent vorrätig, das sich die Verantwortlichen abholen können. „Bisher hatten wir da häufig zu wenig vorrätig“, räumt Barbara Frank ein. „Das Land begründet das damit, dass 1,8 Millionen Schnelltests wöchentlich an 1500 Lieferadressen ankommen müssten. Klar ist da verständlich, dass nicht alles von Anfang an reibungslos klappt. Wir hoffen aber, dass sich die Situation mehr und mehr verbessert, denn natürlich sind auch Betreuer und die meisten Eltern in den Tagespflegestellen daran interessiert, dass getestet wird.“

Nicht alle Eltern machen beim Testen mit

Aber nicht alle Eltern würden beim Testen mitziehen. „Das ist von Einrichtung zu Einrichtung verschieden“, berichtet Barbara Frank. „Es gibt Kindergärten, da machen alle Eltern mit. Andernorts ist das eben nicht der Fall, was bedauerlich ist. Denn die regelmäßigen Tests minimieren einfach das Risiko größerer Ausbrüche, gerade dort, wo viele Menschen regelmäßig aufeinandertreffen.“ Und: Die meisten Erzieher seien bislang erst einmal gegen Covid-19 geimpft, hätten also noch nicht den vollständigen Infektionsschutz.

Tests in Betrieben

Nach der aktuellen Sars-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung sind Betriebe dazu verpflichtet, ihren Beschäftigten mindestens zwei Corona-Tests pro Woche anzubieten. Die Bezirksregierung Köln überprüft diese geforderten Maßnahmen jetzt. Dafür werden in einer ersten Phase die Betriebe schriftlich abgefragt. Danach finden unangemeldete Kontrollen statt, bei denen die Corona-Schutzmaßnahmen überprüft werden. Der Fokus liegt bei dieser Schwerpunktaktion auf Betrieben, die vermehrt Kundenkontakte haben. tei

Standpunkt: Solidarität gehört dazu

Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga.de

Wenn ich mich gut fühle und keine Symptome habe, warum sollte ich mich dann testen lassen?“, lautet ein Argument, das viele anbringen, wenn es um die Schnelltests zur Ermittlung von Corona-Infektionen geht. So kann man das sicher sehen, wenn man daheim im Homeoffice arbeitet. Begibt man sich allerdings in Gesellschaft, sieht das schon anders aus. Einige Eltern reagieren zudem sensibel, wenn es um die Testung ihrer Kinder geht. Das ist wiederum vielleicht insofern nachvollziehbar, als dass sie ihr Kind nicht der Schmach aussetzen möchten, vor allen Mitschülern ein möglicherweise positives Testergebnis vorweisen zu müssen. Allerdings ist dieses Risiko mit den Lollitests vom Tisch. Und: In der Gemeinschaft sollte die Solidarität anderen und deren Gesundheit gegenüber keinesfalls vergessen werden. Bereitet man Kinder entsprechend vor, verstehen sie das auch und können einordnen, dass ein positives Testergebnis kein Grund ist, sich vor anderen Menschen zu schämen. Vielleicht haben das viele Kinder schon besser verinnerlicht als ihre Eltern. Es geht immerhin um die Gesundheit aller.

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