Pandemie

Corona: Kreis verlässt sich auf Bürger

In der Quarantäne gilt weiterhin: daheim bleiben. Einkäufe müssen Angehörige oder Nachbarn übernehmen. Symbolfoto: Roland Keusch
+
In der Quarantäne gilt weiterhin: daheim bleiben. Einkäufe müssen Angehörige oder Nachbarn übernehmen.

Wer künftig wegen einer Infektion in Quarantäne muss, wird nur noch schriftlich informiert.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Die Corona-Infektionszahlen steigen stetig weiter an: Im Rheinisch-Bergischen Kreis sind allein am Mittwoch 67 weitere bestätigte Corona-Fälle bekannt geworden. 42 in Bergisch Gladbach, vier in Burscheid, drei in Kürten, fünf in Leichlingen, zwei in Odenthal, fünf in Overath, fünf in Rösrath und einer in Wermelskirchen.

18 Personen, die an Covid-19 erkrankt sind, befinden sich aktuell in einem Krankenhaus im Kreisgebiet in stationärer Behandlung, davon drei in intensivmedizinischer Betreuung und drei an einem Beatmungsplatz.

Die tagesaktuelle Sieben-Tage-Inzidenz erreicht im Kreis laut Robert Koch-Institut (RKI) nun einen Spitzenwert von 131,3.

Aber was erwartet, neben der gesundheitlichen Entwicklung, jene, die einen positiven Corona-Test in Händen halten? Zumindest kein Anruf mehr vom Gesundheitsamt Bergisch Gladbach. „Das schaffen wir zeitlich nicht mehr“, sagt Birgit Bär, Sprecherin des Corona-Krisenstabes beim Rheinisch-Bergischen Kreis, auf Nachfrage. Rund 50 Mitarbeiter seien es im Kreishaus in der Hauptstadt derzeit, die rund um Corona beschäftigt seien. „Würden wir die Kontaktnachverfolgung via Telefon wie in den vergangenen Monaten fortsetzen, bräuchten wir um die 100“, rechnet Birgit Bär vor.

Aufgrund der derzeit steigenden Infektionszahlen müsse das Gesundheitsamt seine „internen Abläufe dynamisch an das Infektionsgeschehen anpassen“, heißt es auch in einer öffentlichen Mitteilung. Das bedeutet im Klartext: Während infizierte Personen und deren Kontaktpersonen bisher in erster Linie telefonisch informiert wurden, nimmt das Gesundheitsamt ab sofort ausschließlich schriftlich Kontakt zu diesen Menschen sowie zu deren Kontaktpersonen aus demselben Haushalt auf. Das heißt, per Post.

„Wir gehen aber davon aus, dass nach fast zwei Jahren Pandemie den Bürgern klar sein muss, wie sie sich zu verhalten haben“, sagt Birgit Bär. Dem Anschreiben liege indes noch ein Informationsblatt für die Betroffenen bei. In diesem Informationsschreiben würden die Bürger und deren Haushaltsangehörige über das weitere Vorgehen und die mit einer Quarantäne einhergehenden Pflichten noch einmal aufgeklärt.

Gesundheitsamt will Ressourcen bündeln

Enge Kontaktpersonen, die nicht im selben Haushalt leben wie die infizierte Person, würden eine Ordnungsverfügung bekommen, die Erläuterungen zu Rechten und Pflichten beinhalte. Durch die geänderte Vorgehensweise könnten Personalressourcen vorübergehend für die Datenerfassung bereitgestellt und Abläufe gestrafft werden, sagt Birgit Bär. „Wir müssen unsere Ressourcen bündeln.“

„Wir überlegen auch zurzeit, nach der Vorlage der Landesregierung, kleinere zentrale Impfstellen einzuführen“, sagt Birgit Bär. Genaueres könne der Kreis dazu aber erst in naher Zukunft mitteilen.

Zunächst werde es weiterhin die Termine des Impfmobils geben (immer mittwochs von 13 bis 18 Uhr am Rathaus in Wermelskirchen). Zudem seien die Hausärzte fürs Impfen zuständig, auch für die nun anstehenden Drittimpfungen.

„Wir boostern derzeit vor allem die über 70-Jährigen“, sagt Tobias Hopff als Sprecher der Wermelskirchener Hausärzte. „Damit haben wir alle Hände voll zu tun und hoffen auf die Unterstützung aller Kollegen.“

Für Rückfragen sowie alle weiteren Fragen im Zusammenhang mit Corona steht den Bürgerinnen und Bürgern die Infektionsschutz-Hotline des Gesundheitsamts von Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr, Freitag von 8 bis 15 Uhr sowie Samstag von 10 bis 14 Uhr unter der Telefonnummer Tel. (02202) 131415 zur Verfügung. Ebenso können nach wie vor Anfragen auch per E-Mail an corona@rbk-online.de gesendet werden. Informationen finden Interessierte auch auf der Homepage des Kreises unter www.rbk-direkt.de

Senioren- und Pflegeeinrichtungen

Pflegeeinrichtungen müssen bis Ende des Jahres Drittimpfungen für alle Bewohner anbieten. Darauf weist der Kreis hin. Grundsätzlich seien die niedergelassenen Ärzte zuständig. Die koordinierende Covid-Impfeinheit des Kreises werde die Ärzte unterstützen. Die WTG-Behörde (ehemals Heimaufsicht) des Kreises begleitet die in ihrer Zuständigkeit liegenden Einrichtungen. Unter anderem fragt sie den Impfstatus in Pflegeheimen und auch in allen anderen Einrichtungen ab.

Standpunkt

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Birgit Bär, Sprecherin des Corona-Krisenstabes beim Kreis, ist zuversichtlich. Sie baut wie ihre Kollegen vom Krisenstab auf das Verantwortungsbewusstsein der Bürger. Dass sie, so sie denn eine Corona-Infektion ereilt, nicht die eigenen vier Wände verlassen, sich also selbstständig in Quarantäne begeben. So steht es auch in der Corona-Schutzverordnung des Landes geschrieben. Jene, die sich nicht an diese Vorgaben halten, würden sich also strafbar machen. Schaut man indes in die sozialen Netzwerke und lauscht aufmerksam den Diskussionen, die gerade vielerorts geführt werden, dürfte man sich da nicht so sicher sein. Und eben nicht auf das Verantwortungsbewusstsein der meisten bauen. Zu viele sträuben sich gegen die Verordnungen von Bund und Ländern, wehren sich gegen die Impfung, sind nicht einverstanden mit den Maßnahmen, die Bund und Länder in den vergangenen Monaten ergriffen haben. Ob ausgerechnet die sich dann an die Regeln halten, ohne regelmäßig kontrolliert zu werden, bleibt fraglich. Das wäre bitter. Also bleibt die Hoffnung, dass der Kreis mit seiner Einschätzung recht behält.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Immer mehr Radler nutzen die Trasse
Immer mehr Radler nutzen die Trasse
Immer mehr Radler nutzen die Trasse
Prophysio hat eröffnet
Prophysio hat eröffnet
Prophysio hat eröffnet
LVR regiert auf Artikel über Behinderte
LVR regiert auf Artikel über Behinderte
LVR regiert auf Artikel über Behinderte
Geldautomat in Wermelskirchen gesprengt - Täter erbeuten fünfstelligen Betrag
Geldautomat in Wermelskirchen gesprengt - Täter erbeuten fünfstelligen Betrag
Geldautomat in Wermelskirchen gesprengt - Täter erbeuten fünfstelligen Betrag

Kommentare