Pandemie

Corona: Einrichtungen warten auf Regeln

Temperaturmessungen am Eingang sind im Haus Vogelsang Standard. Symbolfoto: Christian Beier
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Temperaturmessungen am Eingang sind im Haus Vogelsang Standard. Symbolfoto: Christian Beier

Kostenlose Schnelltests und Drittimpfungen wären für die meisten eine Lösung zur Eindämmung der Infektionen.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Die Corona-Fallzahlen steigen bundesweit derzeit wieder stark an. Besonders in den Alten- und Pflegeheimen führt das zur Sorge, dass es wieder verstärkt zu Corona-Ausbrüchen kommen könnte, bei denen die betagten Menschen besonders gefährdet wären. Die Gesundheitsminister der Länder hatten deshalb zuletzt gefordert, wieder für alle Mitarbeitenden und Besucher in den Heimen flächendeckende Corona-Schnelltests vor Betreten der Einrichtung einzuführen – auch für Geimpfte.

„Ohne Unterstützung wäre das für uns personell nicht zu stemmen“, sagt der stellvertretende Pflegedienstleiter am Haus Vogelsang, Jürgen Becker, auf Nachfrage. „Als das im vorigen Winter verpflichtend war, hatten wir ja rasch Unterstützung von Bundeswehrsoldaten. Das klappte dann – alleine hätten wir es aber nicht geschafft.“

Becker rechnet mit 70 bis 80 Testungen am Tag, wenn sowohl Mitarbeitende als auch Besucher getestet werden müssten. „Derzeit haben wir um die zehn; das sind dann die Besucher, die nicht geimpft oder genesen sind“, sagt der stellvertretende Heimleiter.

Das Gros der Mitarbeiter, auch er selbst, und auch der Bewohner sei bereits ein drittes Mal geimpft: „Unsere Zweitimpfung war ja bereits im Januar oder Februar, so dass es jetzt auch Zeit wurde.“ Dr. Hans-Christian Meyer, Impfarzt des Nordkreises, hatte im Oktober eine größere Impfaktion in Einrichtungen angeboten. Becker: „Zudem haben die Hausärzte unserer Bewohner ein Auge darauf und viele bereits ein drittes Mal geimpft.“ Besucher würden im Haus Vogelsang vor Eintritt nach Krankheitssymptomen und ihrem Impfstatus befragt. Zudem werde die Körpertemperatur gemessen.

Hoher personeller Aufwand wird erwartet

Bei der Diakoniestation geht man davon aus, dass sich bald etwas an den Verordnungen ändert: „Wir rechnen stark damit, dass vielleicht kommende Woche schon wieder flächendeckende Testungen eingeführt werden“, sagt Qualitätsmanagerin Anke Harms auf Nachfrage. Ein Großteil der Heimbewohner und Tagesgäste bei der Diakonie sei bereits ein drittes Mal geimpft, „die Drittimpfungen bei den Mitarbeitenden laufen gerade“, berichtet Harms. Und: „Natürlich würden regelmäßige Testungen aller wieder ein hohes Maß an personellem Aufwand bedeuten, aber wenn die Zahlen so stark steigen, haben wir ja keine andere Wahl.“

Im Carpe Diem in Wermelskirchen hofft man sogar auf die Einführung von flächendeckenden Corona-Schnelltests. „Damit würden wir uns angesichts der wieder steigenden Zahlen einfach besser fühlen“, sagt Einrichtungsleiterin Sabine Drechsler. Zwar seien sowohl das Pflegepersonal als auch die Bewohner fast vollständig dreimal geimpft. „Aber dennoch bleibt für uns als Einrichtung immer ein großer Unsicherheitsfaktor“, räumt Sabine Drechsler ein. Den könnte man ihrer Meinung nach ausmerzen, indem man Personal und Besucher am Eingang wieder testet. „Wir könnten das als Einrichtung auch umgehend umsetzen“, sagt die Einrichtungsleiterin. „Personelle Probleme sähe ich deshalb nicht auf uns zukommen.“

Derzeit gilt im Carpe Diem wie in diversen anderen Einrichtungen die 3G-Regel. Die Besucher werden am Eingang dementsprechend „gescreent“. „Wir wollen es unseren Bewohnern auf gar keinen Fall antun, dass sie wieder keinen Besuch empfangen können“, unterstreicht Sabine Drechsler. „Deshalb brauchen wir andere Lösungen.“

Im Carpe Diem sind einige kleine Feste geplant

Kleine Feste zusammen mit den Angehörigen seien derzeit noch für die kommende Zeit geplant. Drechsler: „Wir hoffen, dass wir die auch durchführen können. Aber wir denken, wenn Besucher kommen dürfen, warum sollten wir dann nicht auch kleinere kulturelle Veranstaltungen anbieten können? Das ist ja im Grunde nichts anderes.“

Hintergrund

Die Inzidenz ist am Montag auf den höchsten Stand seit Beginn der Pandemie gestiegen. Das Robert Koch-Institut gab den Wert mit 201,1 an. 15 513 Neuinfektionen und 33 weitere Todesfälle wurden registriert. Die Hospitalisierungsrate lag am Montag bei 3,93. Das Ampelbündnis plant, zum Winterhalbjahr wieder flächendeckend kostenfreie Tests anzubieten. Derzeit kosten die Testungen für Geimpfte wie Ungeimpfte zwischen 15 und 30 Euro, aussagekräftigere PCR-Tests schlagen sogar mit etwa 40 Euro zu Buche.

Standpunkt: Fehlende Signale

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Angesichts der wieder rasant steigenden Corona-Fallzahlen herrscht vielerorts Ratlosigkeit. Und das ist auch kein Wunder, denn von Bund und Ländern kommt derzeit nicht wirklich viel an Anleitung, wie man sich am günstigsten verhalten könnte. Das ist insofern bitter, als dass nun – wieder einmal – kostbare Zeit ins Land geht, ohne dass etwas passiert, was in die richtige Richtung gehen könnte. Zwar gibt es konstruktive Vorschläge, beispielsweise die Wiedereinführung kostenfreier Corona-Schnelltests. Umgesetzt wird das aber bisher nicht. Auch die Drittimpfungen aller Altersklassen führen die Hausarztpraxen noch nicht durch. Weil es eben noch keine öffentliche Maßgabe dazu gibt. All das ist vor allem vor dem Hintergrund zu kritisieren, als dass jedem eigentlich bereits im Sommer bewusst gewesen sein sollte, dass die Zahlen gen Herbst wieder ansteigen werden. Zum einen ist ohnehin Erkältungszeit, zum anderen lässt der Impfschutz derer, die im Frühjahr das zweite Mal geimpft wurden, inzwischen langsam nach und die Gefahr von Impfdurchbrüchen steigt damit. Leider auch diesmal wieder: fehlende Signale.

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