Nach dem Hochwasser

Burger Kirche soll Ort der Begegnung sein

Seit dem Herbst können in der kleinen Kirche wieder Gottesdienste und Veranstaltungen stattfinden. Foto: Christian Beier
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Seit dem Herbst können in der kleinen Kirche wieder Gottesdienste und Veranstaltungen stattfinden.

Mitte Februar findet in dem kleinen Gotteshaus eine besondere Veranstaltung statt.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Es war ein Bild der Zerstörung, das sich den Gemeindegliedern in Solingen-Burg nach dem Hochwasser im Juli 2021 bot. Die alten Holzbänke waren nicht wieder zu erkennen, der Boden hob sich, und der Schlamm der Wupper hatte sich bis in die letzten Ecken des Gotteshauses Bahn gebrochen. Sogar die stabilen Kirchenmauern des Gebäudes, das zu einem Teil der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Wermelskirchen gehört, waren beschädigt.

„Wir dachten zuerst, dass es das jetzt war. Dass wir die Kirche nie wieder nutzen können“, erinnert sich Almuth Conrad, Pfarrerin der Gemeinde Hünger, zu der Burg zählt. Aber das war es nicht. Gemeindeglieder, Freunde der Gemeinde und Bürger leisteten beeindruckende Arbeit, packten eifrig bei den Aufbauarbeiten mit an und spendeten, um den Erhalt der kleinen Kirche auch in Zukunft zu gewährleisten. Nur ein Beispiel: In den Sommerferien werkelte ein Bautrupp aus Halle in Westfalen mit 20 Leuten, die eine provisorische Nutzung des Kirchenraums für die Gemeindeglieder und Pfarrer ermöglichten. Ein Resultat war dabei der beheizbare Holzfußboden, der der Gemeinde die Durchführung von Veranstaltungen, etwa Konzerte im Herbst und Winter, gestattet.

„Und damit entstand die Idee, den Ort in Burg zu etwas Besonderen zu machen“, berichtet Almuth Conrad. „Wir möchten, dass unsere kleine Gemeinde auch über das Hochwasser-Ereignis hinaus nicht vergessen wird.“

Es gab bereits im Herbst Perspektivgespräche mit vielen Beteiligten, bei denen Ideen entstanden, wie man die Kirche künftig nutzen könnte. „Die Burger Kirche soll künftig ein Begegnungszentrum für alle sein“, fasst es die Pfarrerin zusammen. „Ganz gleich, welcher Konfession sie angehören oder ob sie überhaupt gläubig sind. Wir möchten Kirche öffnen, sie greifbarer machen.“

Vieles konnte bisher noch nicht stattfinden, weil die Corona-Pandemie und die damit verbundenen hohen Infektionszahlen das nicht zuließen.

Die Burger Kirche ist denkmalgeschützt, aber sie ist kein alter Hut.

Manfred Jetter, Pfarrer Gemeinde Hünger

Aber die Gemeindeglieder sind guter Hoffnung, dass sich das bald ändern wird.

Für den 13. Februar laden sie bereits zu einer besonderen Zusammenkunft ein. Dann soll das interdisziplinäre Kollektiv „Blickwinkel Art“ die Burger Kirche verwandeln. Der Solinger Musiker Christopher Collings verbindet mit dem Argentinier Juan Verdaguer die Glocken der Kirche mit diversen Blechblasinstrumenten und elektronischer Musik zu einem Surround-Sound-Erlebnis. Gemeinsam mit einer Videoprojektion können Besucher und Besucherinnen eine audiovisuelle 3-D-Performance erleben, die sie in eine andere Welt entführt.

Die Akteure der Burger Kirche wollen künftig neue Wege gehen. Und das Kunstprojekt von Christopher Collings und Juan Verdaguer soll zeigen, was sie damit meinen. Conrad: „Wir wollen offen sein für Kreativität, für Innovation, für das Besondere.“

„Die Burger Kirche ist denkmalgeschützt, aber sie ist kein alter Hut,“ meint auch Manfred Jetter, Vorsitzender des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde Wermelskirchen. „Ein Projekt wie dieses setzt Signale für eine aufgeschlossene Kirche. Und so verstehen wir auch Gemeinde.“

Es herrsche seit dem Wiederaufbau der kleinen Kirche Aufbruchsstimmung in Burg, sowohl bei den Pfarrern als auch bei den Gemeindegliedern, die bei der Ideenfindung für die Neugestaltung eifrig mitgestaltet und sich eingebracht hatten. „Jetzt hoffen wir nur, dass uns die Pandemie keinen Strich mehr durch die Rechnung macht und dass wir mit der Veranstaltungsreihe das erreichen, was wir uns vorgenommen haben: in Erinnerung zu bleiben“, sagt Pfarrerin Almuth Conrad.

Hintergrund

Zwei Veranstaltungen sind für Sonntag, 13. Februar, in der Burger Kirche geplant: eine um 17.30 Uhr und eine um 19.30 Uhr ( Einlass: 17 Uhr und 19 Uhr). Sinn ist, möglichst viel Platz und wenig Raum für Ansteckung mit dem Coronavirus zu bieten.

Karten gibt es unter www.bergisch-live.de, beim Solinger Tageblatt oder in der Buchhandlung Marabu in Wermelskirchen.

Standpunkt: Kirche hat eine Funktion

Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga.de

Vielleicht ist die kleine Burger Kirche dieser Tage ein Sinnbild für viele Gotteshäuser. Oder sollte es zumindest sein. Denn was vielen Menschen derzeit fehlt, ist Orientierung, sind Hoffnung und Trost. Kirche kann das, wenn viele es auch nicht mehr so recht wahrhaben möchten, bieten. Sie kann Schutz bieten, Hilfe in scheinbar ausweglosen Lagen, Unterstützung und Gemeinschaft für Einsame. Allerdings hat Kirche in den vergangenen Jahren auch an Vertrauen eingebüßt. Nicht zuletzt wegen aufgedeckter Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche. Aber auch ganz allgemein wegen veralteter und verstaubter Ansichten und nicht mehr zeitgemäßer Gottesdienste. Dass die Evangelische Stadtkirchengemeinde speziell im Burger Gotteshaus neue Wege gehen will, ist deshalb absolut zu begrüßen. Denn auch mit eher weltlichen Veranstaltungen wie Konzerten oder Ausstellungen kann Kirche punkten. Und möglicherweise jene wieder ein Stück näher heranholen, die sich längst abgewendet hatten. Kirche hat eine Funktion. Sie muss vielleicht nur ein wenig moderner dafür werben.

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