Coronavirus

Ärzte und IHK werben für Impfungen

Hausarzt Tobias Hopff findet niederschwellige Angebote, wie hier das mobile Impfen am Remscheider Stadtpark, sinnvoll. Foto: Roland Keusch
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Hausarzt Tobias Hopff findet niederschwellige Angebote, wie hier das mobile Impfen am Remscheider Stadtpark, sinnvoll.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Steigende Corona-Fallzahlen bereiten vor allem der Wirtschaft Sorge.

Wermelskirchen. Dass er vorige Woche wieder zwei Corona positive Patienten in seiner Praxis hatte, stimmt Tobias Hopff etwas betrübt. „Das waren Jugendliche, die ja noch nicht so großflächig geimpft werden derzeit“, erinnert der Sprecher der Hausärzte an die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), Jugendliche unter 16 Jahren vorerst nur bei Vorliegen von Vorerkrankungen zu impfen. „Ich würde mir aber vor allem bei den Erwachsenen eine höhere Impfbereitschaft wünschen“, sagt er.

Er verimpfe zurzeit meist die zweite Dosis an seine Patienten. „Es kommen aber erfreulicherweise auch vermehrt Leute, die sich ganz bewusst erst jetzt zum ersten Mal impfen lassen“, berichtet der Dabringhauser Hausarzt. „Viele von ihnen hatten Bedenken wegen der neuartigen Impfstoffe und wollten erst einmal abwarten.“ Statistisch sei es leider oftmals so, dass die echten Impfskeptiker nicht zu überzeugen seien.

„Ich bin auch kein Freund von irgendwelchen Anreizen wie Geldgeschenken oder anderem, um die Leute zum Impfen zu bewegen“, sagt Hopff. „Ich bin aber ein Fan von niederschwelligen Impfangeboten, wie beispielsweise in der Fußgängerzone oder vor Diskotheken. Dort gibt es dann vielleicht doch den einen oder die andere, die sich noch zur Impfung entschließen.“

Status Quo zum Ende des Sommers ist: Die Corona-Inzidenzen steigen wieder und die Impfbereitschaft sinkt demgegenüber. Im Rheinisch-Bergischen Kreis sind bisher knapp über 50 Prozent der Bevölkerung vollständig immunisiert, im Bundesdurchschnitt sind es sogar noch etwas weniger. „Um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen, mit der das Ende der Pandemie erreicht wäre, müssten es 80 bis 90 Prozent sein“, rechnet Tobias Hopff noch einmal vor.

Die Sorge, vor allem von Unternehmern, ist deshalb, dass es im Herbst wieder zu weitreichenden Einschränkungen kommt. Die IHK Köln wirbt deshalb gerade darum, dass Firmen noch einmal verstärkt ihr Personal zum Impfen motivieren.

IHK-Präsidentin Nicole Grünewald dazu: „Wir werben bei all unseren 150 000 Mitgliedsunternehmen dafür, dass sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motivieren, sich spätestens jetzt impfen zu lassen. Der schnellste Weg aus der Pandemie führt über eine hohe Impfquote. Impfstoffe sind genug vorhanden. Wir sind hier alle gemeinsam in der Pflicht.“

Ein weiterer Lockdown sei für die seit Beginn der Pandemie besonders hart betroffenen Branchen wie Hotellerie, Gastronomie, Veranstaltungswirtschaft, stationärer Einzelhandel und viele Kleinunternehmen keine Handlungsoption mehr. Nicole Grünewald: „Hier stehen Existenzen auf dem Spiel. Weitere Monate ‘Auf-Zu’ kann sich hier niemand mehr leisten.“ Auch Schulen und Kindergärten dürften nach den Ferien nicht wieder geschlossen werden, sagt Grünwald.

IHK fordert Anpassung an die aktuelle Impflage

Darüber fordert die IHK Köln eine generelle Anpassung der Corona-Schutzverordnung an die aktuelle Impflage: „Wir begrüßen es daher sehr, dass das Land die Automatismen bei der 50er-Inzidenz (Inzidenzstufe 3) vorerst außer Kraft gesetzt hat. Allein auf die Inzidenzen zu schauen, wird der Lage nicht mehr gerecht“, so Grünewald. Viele Patienten, die jetzt an Covid-19 erkranken, sind jünger als 20 Jahre, also noch im jugendlichen Alter. „Ich impfe auch Jugendliche ab 16 Jahren bei mir in der Praxis“, sagt Tobias Hopff. „Allerdings muss ich wissen, dass sie vollständig davon überzeugt sind, sich immunisieren zu lassen – und es muss ein Elternteil bei beiden Impfungen dabei sein.“

Die Sorge vor Nebenwirkungen kann Hopff nur bedingt verstehen. „Manche haben schon eine Krankmeldung in der Hand, bevor sie überhaupt wissen, wie sie auf die Spritze reagieren. Das halte ich für übertrieben. Was Langzeitschäden angeht, können wir natürlich keine hundertprozentigen Prognosen machen, aber ich halte die Impfung für sinnvoll. Sie ist das einzige Mittel, um aus der Pandemie herauszukommen.“

Impfungen

Es besteht für Personen ab 16 Jahren täglich, auch an den Wochenenden, in der Zeit von 9 bis 12.30 Uhr die Möglichkeit, sich ohne Termin im Impfzentrum in der Rhein-Berg-Galerie Bergisch Gladbach mit einem so genannten mRNA-Impfstoff (Biontech oder Moderna) impfen zu lassen. Es können aber auch weiterhin Impftermine über die Kassenärztliche Vereinigung ( Tel. 0800 116 117 01 oder www.116117.de) terminiert werden. Zusätzlich werden Impfungen auch über die niedergelassenen Ärzte und Betriebsärzte durchgeführt.

Standpunkt: Es ist ein Team-Spiel

Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga.de

Das Impftempo ist ins Stocken geraten. Während noch vor einigen Monaten die Telefone in den Arztpraxen nicht mehr stillstanden und der E-Mail-Dienst bei den Impfzentren zum Teil zusammenbrach, weil am liebsten alle gleichzeitig endlich ihre Impfung wollten, scheinen nun andere Zeiten angebrochen. Jene, die noch keinen Stempel in ihrem Impfpass für eine Corona-Schutzimpfung haben, scheinen auch keine mehr zu wollen. Die Kampagne ist ins Stocken geraten. „Es bleibt ja jedem selbst überlassen“, ist ein häufig zu hörendes Argument. Das mag insofern stimmen, als dass die eigene Gesundheit, der eigene Körper, immer noch ein individuelles Gut ist, worüber der Einzelne in der Regel auch nur höchstselbst bestimmen dürfen sollte. Nur ist es in dieser speziellen Sache, einer weltweiten Pandemie, aber nun einmal auch so, dass es sich um ein Team-Spiel handelt. Betroffen sind letztlich alle – und nun können auch alle, die sich impfen lassen können, dazu beitragen, das Ende dieser gruseligen Zeit zu beschleunigen. Denn es kann ja nur das Ziel aller sein, wieder frei, aktiv und unbeschwert miteinander leben zu können.

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