Entlastungspaket

Ab heute fahren die Bürger für neun Euro

Ab heute gilt das Neun-Euro-Ticket. Nutzer und Nutzerinnen des ÖPNV können es bundesweit nutzen.
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Ab heute gilt das Neun-Euro-Ticket. Nutzer und Nutzerinnen des ÖPNV können es bundesweit nutzen.
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Das Neun-Euro-Ticket gilt ab jetzt von Juni bis August.

Von Susanne Koch

Wermelskirchen. Ab heute gilt das Neun-Euro-Ticket. Nutzerinnen und Nutzer können es bundesweit im Regionalverkehr nutzen. „Eigentlich ist der Verkauf bei uns ganz gut gelaufen“, sagt Asli Duran, Inhaberin der Lotto-Annahmestelle, die auch Tickets verkauft, in Wermelskirchen. „Aber ehrlich gesagt, eigentlich hätte ich größeren Andrang erwartet. Aber vielleicht kommt das ja noch.“

Laut Umsatz müssen es rund 700 Neun-Euro-Tickets sein, die bisher an der Bahnhofstraße verkauft wurden. „Etwa die Hälfte davon sind Neukunden“, sagt Asli Duran. Sie selber sei sehr gespannt, wie sich das Kundenverhalten in Zukunft verändert. „Ob dann tatsächlich mehr Kunden vom Öffentlichen Nahverkehr überzeugt werden?“

Am 20. Mai hatte der Bundesrat dem Gesetzesentwurf zugestimmt. Drei Monate lang, im Juni, im Juli und im August, können die Bundesbürger das preiswerte Ticket nun nutzen. Während die einen schon dabei sind, sich ihre Urlaubsreise mit dem Regionalverkehr zu planen und auszurechnen, wie lange sie für die benötigte Strecke brauchen, schrecken andere bei dem Gedanken zurück, dass Busse und Bahnen in den nächsten drei Monaten sehr voll sein werden.

„Auch wenn die Inzidenzwerte der Corona-Pandemie derzeit immer weiter zurückgehen, sind es immer noch genug Menschen, die täglich angesteckt werden“, sagt eine ängstliche Wermelskirchener Bürgerin. „Und wenn die Bahnen zu voll sind, steigt wieder die Möglichkeit, sich anzustecken.“

Das Neun-Euro-Ticket ist ein Experiment

Das Neun-Euro-Ticket haben die Bundesregierung, bzw. Bundestag und Bundesrat beschlossen, um die Bundesbürgerinnen und -bürger von den hohen Energiekosten zu entlasten. So gilt ab heute nicht nur für drei Monate das Neun-Euro-Ticket, sondern auch die Mineralölsteuer wird gesenkt, Benzin um 29,55 Cent und Diesel um 14,04 Cent. Doch das Bundesfinanzministerium rechnet nicht mit einer abrupten Preissenkung von Benzin und Diesel. Erst nach und nach würden die Tankstellen ab dem 1. Juni Sprit mit den reduzierten Steuersätzen einkaufen. Mit dem nachgekauften Kraftstoff komme der niedrigere Preis nach und nach auch beim Verbraucher an, hieß es weiter: „Wir haben keinen Augenblick, an dem der Preis kippt.“ „Ich wundere mich schon seit zwei Wochen wieder über die Benzinpreise“, sagt der Wermelskirchener Klaus Vogt. „Die steigen wieder, so dass am Ende für uns Autofahrer gar nicht so viel Ersparnis übrig bleiben wird.“

Ab heute werden die Bürgerinnen und Bürger die beiden Preisnachlässe genau beobachten. „Ich bin sehr gespannt“, sagt Asli Duran. „Es wird sich zeigen, ob der Preisnachlass, um die Menschen zu entlasten, am Ende auch noch einen dauerhaften Vorteil für den Öffentlichen Nahverkehr bringen wird.“ Sie beobachte das Experiment jetzt in den folgenden drei Monaten sehr genau.

Standpunkt von Susanne Koch: Chance für Zukunft

susanne.koch@rga.de

Ob jetzt tatsächlich mehr Menschen mit Bussen und Bahnen fahren? Und wenn ja, welche Erfahrungen machen sie in den kommenden drei Monaten im Öffentlichen Personennahverkehr? Werden sie anschließend wieder komplett auf ihren Pkw umsteigen oder werden sie vielleicht auch eine Urlaubsreise mit der Bahn einplanen? Das werden die nächsten drei Monate zeigen. Es gibt Gruppen und Initiativen in Deutschland, die fordern, dass eine Verkehrswende stattfinden muss, um den Klimawandel auszubremsen. Pkw-Nutzerinnen und Pkw-Nutzer sollen motiviert werden, mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV zu fahren. Doch dafür müssten auch die Voraussetzungen stimmen. Eine Fahrt mit Bussen und Bahnen dürfte nicht - wie oft noch heute - um ein vielfaches länger dauern, als die Fahrt mit dem eigenen Auto. Betrachten wir die kommenden drei Monate als Experiment, um weitere Schlüsse daraus zu ziehen.

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