Interview

„Wer sich registriert, tut etwas Gutes!“

Eine Knochenmarkspende kann Leben retten, weiß Dr. Dilek Kalkan. Die Fachärztin für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie sowie Palliativmedizin klärt auf, warum Spender so wichtig sind – und wie eine Spende abläuft.
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Eine Knochenmarkspende kann Leben retten, weiß Dr. Dilek Kalkan. Die Fachärztin für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie sowie Palliativmedizin klärt auf, warum Spender so wichtig sind – und wie eine Spende abläuft.

Wermelskirchen. Dr. Dilek Kalkan, Hämatologin und Onkologin, klärt über die Knochenmarkspende auf.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Frau Dr. Kalkan, was genau versteht man unter einer Knochenmarkspende?

Dilek Kalkan:Eine Knochenmarkspende bedeutet, dass ein gesunder Spender einem erkrankten Menschen seine Stammzellen aus dem Knochenmark spendet. Dabei wurde früher in der Regel das Beckenkamm an mehreren Stellen unter Narkose punktiert und Beckenkammblut angesaugt. Heutzutage wird aber in der Regel das Knochenmark mit Medikamenten auf eine Weise stimuliert, dass ganz besonders viele Stammzellen produziert werden, die dann auch schneller in das Blut abgegeben werden. Diese zirkulierenden Stammzellen werden dem Spender ambulant entnommen – ähnlich wie bei einer Dialyse – und dem Empfänger wie bei einer Bluttransfusion gegeben. Sie wandern dann in das Knochenmark und wachsen dort ein. Diese Prozedur nennt man auch periphere Blutstammzelltransplantation (PBSZT).

Wofür wird die Knochenmarkspende gebraucht?

Kalkan:Eine Knochenmarkspende – oder Stammzelltransplantation – wird dann gebraucht, wenn das Knochenmark des Patienten abnimmt, weil genetisch veränderte Zellen im Knochenmark wuchern und daher die normale Blutbildung verdrängen. Das kann etwa bei einer akuten Knochenmarkserkrankung der Fall sein, etwa einer akuten Leukämie, oder im fortgeschrittenem Stadium einer chronischen Knochenmarkserkrankung wie der chronisch-myeloischen Leukämie. Auch eine sogenannte Aplastische Anämie kann ein Grund für die Notwendigkeit einer Stammzelltransplantation sein.

Wie verläuft eine solche Spende?

Kalkan: Bei einer PBSZT bekommt der Spender ein Medikament gespritzt, das im Knochenmark die Teilung der Stammzellen und somit die Bildung von Blutzellen fördert und beschleunigt. Dabei werden auch vermehrt Stammzellen ins Blut abgegeben. Diese werden dem Spender wie bei einer Dialyse aus einer Armvene entnommen. Das restliche Blut wird am anderen Arm wieder zurückgegeben. Dieser Prozess dauert mehrere Stunden und muss manchmal wiederholt werden, um die erforderliche Mindestmenge an Stammzellen entnehmen zu können. Der Prozess wird Stammzellapharese genannt. Bei der klassischen Knochenmarkspende wird unter Narkose aus mehreren Einstichstellen am Beckenknochen Knochenmarkblut angesaugt. Häufig reicht aber eine PBSZT aus.

Was versteht man unter der sogenannten Typisierung?

Kalkan: Das bedeutet, dass bestimmte Gewebemerkmale des Spenders und des Empfängers festgestellt und in einer Knochenmarkspenderdatei gespeichert werden. Möglichst viele Merkmale des Spenders und des Empfängers sollten übereinstimmen, damit die Transplantation erfolgreich ist. Eine Typisierung kann über einen Wangenschleimhautabstrich oder über Blutabnahme erfolgen.

Gibt es ausreichend Spender?

Kalkan: Spender werden immer wieder gesucht. Man muss sich darüber klar sein, dass man etwas sehr Gutes macht, wenn man sich registrieren lässt. Mit einer Knochenmarkspende kann man dabei helfen, Leben zu retten. Allerdings gilt dieser wichtige Punkt: Menschen dürfen sich nur typisieren lassen, wenn sie auch wirklich selbst gesund sind.

Wie werden die Spenden verwendet – auch bei Ihnen in der Praxis? 

Kalkan: Für eine Knochenmarkspende oder eine periphere Stammzellspende wird der Patient, der die Spende bekommen soll, normalerweise stationär aufgenommen. In der Regel handelt es sich beim behandelnden Krankenhaus um eine universitäre Einrichtung. Diese haben die erforderlich Infrastruktur vor Ort, man denke dabei beispielsweise an sterile Räume. Der Patient wird einen Tag vor der Stammzelltransplantation isoliert und bekommt am Folgetag die Stammzellen in Form einer Transfusion verabreicht. Diese wandern dann ins Knochenmark und wachsen dort heran. Das dauert etwa zehn bis zwölf Tage. In dieser Zeit hat der Patient in der Regel nur sehr wenige Zellen, weil zuvor die meisten seiner Zellen durch Chemotherapie abgetötet wurden, um die kranken Zellen zu eliminieren und Platz für die gesunden neuen Zellen des Spenders zu schaffen.

Kann eine Knochenmarkspende tatsächlich ein Leben retten?

Kalkan: Natürlich müssen die Patienten, die eine Knochenmarkspende erhalten haben, in die Nachsorge kommen, weil sie in der Folge verschiedene Folgeerkrankungen entwickeln können. Unter anderen ist auch das Risiko für Zweittumore erhöht, und zwar verursacht durch die Zellgifte, die sie vor der Stammzelltransplantation erhalten haben. Eine Knochenmarkspende kann aber tatsächlich Leben retten. Durch die Fortschritte in der Medizin kann sie heutzutage mit immer hören Erfolgsquoten vorgenommen werden.

Hintergrund

Die Deutsche Knochenmarkspende (DKMS) hat sich dem Kampf gegen Blutkrebs verschrieben. Die Diagnose Blutkrebs ist häufig: alle zwölf Minuten in Deutschland. Bei der DKMS kann man sich registrieren lassen, um in der Kartei geführt zu werden – ein Registrierungsset kann online bestellt werden.
www.dkms.de

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