Angriff auf Geschäft

Weltläden: Polizei schaltet Staatsschutz ein

Weltladen am Markt wurde Opfer von VandalismusMarita Linnenberg und Ingeborg Berger betrachten den Schaden
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Weltladen am Markt wurde Opfer von VandalismusMarita Linnenberg und Ingeborg Berger betrachten den Schaden

Ermittler sehen Zusammenhang zwischen dem Vandalismus in Wermelskirchen und Lüttringhausen. Es gab auch Schmierereien.

Von Anja Carolina Siebel

Die für Remscheid zuständigen Polizeikräfte in Wuppertal sehen einen „deutlichen Zusammenhang“ zwischen den Vandalismusfällen in Wermelskirchen und Remscheid. Das teilt Polizeisprecherin Anja Meis auf Nachfrage mit. Der Staatsschutz sei nun auch bezüglich des jüngsten Angriffs auf den Weltladen eingeschaltet.

Wie berichtet, hatten vorigen Freitag Unbekannte mit einem Pflasterstein das Glas des Schaufensters am Markt zertrümmert. „Das spricht schon für ein gerüttelt’ Maß an Brutalität“, sagt Richard Barz von der Kreispolizei Bergisch Gladbach. 30 mal 30 Zentimeter groß sei das Steingebilde gewesen, das der Täter in der Nacht durch die Scheibe in den Weltladen geworfen hat. „Die Polizeidienststellen sind jetzt vernetzt“, berichtet Richard Barz. Zudem habe man wie bereits nach den insgesamt drei Vandalismus-Fällen am Weltladen in Lüttringhausen den Staatsschutz eingeschaltet. Der wird immer dann aktiv, wenn es sich aller Voraussicht nach um eine politisch motivierte Tat handelte. „Es besteht der dringende Verdacht, dass der Angriff von Rechtsradikalen kam“, berichtet Anja Meis. Die Ermittler sehen auch eine Verbindung zu Schmierereien mit rechten Parolen, die sie sowohl in Wermelskirchen als auch in Lennep entdeckten.

Nähere Erkenntnisse zu dem oder den Tätern gebe es zwar noch nicht, wohl aber Zeugenhinweise aus Remscheid.

Dass der Staatsschutz eingeschaltet werde, komme nicht oft vor, bestätigen beide Polizeidienststellen. „Allerdings finden wir in den letzten Jahren gehäuft Schmiererein an Flüchtlingsunterkünften“, sagt Anja Meis. „Das gab es früher nicht.“

Volker Beckmann vom F(l)air-Weltladen Lüttringhausen hatte noch am Freitag die Kollegen des Weltladens in Wermelskirchen besucht. Zusammen mit Aktiven der Initiative „Muteinander“ sicherten sie dem Team vom Markt Unterstützung zu, verteilten ‘Muteinander’-Kerzen, Aufkleber und Poster als erstes Zeichen der Solidarität und berichteten von den Erfahrungen in Lüttringhausen.

„Wir denken, wir sollten es erst einmal auf sich beruhen lassen.“

Christiane von Dreusche, Vorstand Weltladen

Die Initiative „Muteinander“, bestehend aus Vereinsaktiven und Anwohnern Lüttringhausens, hatte sich nach den Vorfällen in Lüttringhausen gegründet, um gegen Gewalt von Rechts mobil zu machen und ein Zeichen zu setzen. Die idee ist, ein Benefizkonzert mit der Band „Momo“ zu veranstalten.

Die Mitarbeiter des Weltladens sind zwar offen dafür. Sie möchten aber zunächst das Weihnachtsgeschäft hinter sich bringen und zudem kein zu großes Aufhebens um die Sache machen. „Wir denken, wir sollten es erst einmal auf sich beruhen lassen“, sagt Christiane von Dreusche vom Vorstand des Weltladens, in dem 13 Mitarbeiterinen ehrenamtlich helfen. „Grundsätzlich können wir über ein gemeinsames Benefizkonzert aber nachdenken; wir sind ja ohnehin vernetzt.“ Das würde aber erst Anfang des neuen Jahres etwas.

In Lüttringhausen wurde am F(l)air-Weltladen gerade einen neue Schaufensterscheibe eingesetzt. Die völlig zerstörte Scheibe in dem Ladenlokal am Markt ist indes bislang nur provisorisch geflickt. „Es ist eine Sonderanfertigung, da müssen wir warten“, sagt Christiane von Dreusche.

Ein wenig zugig ist es wegen des defekten Fensters im Laden. Ansonsten hat die Mitarbeiter aber der Alltag längst wieder. Und ein kleines bisschen Gutes hatte der Angriff auf den fairen Laden dann doch: Es gibt Aufmerksamkeit in der Bevölkerung. Von Dreusche: „Die Leute komme zu uns rein und fragen, was geschehen ist. Manchmal kaufen sie dann auch gleich etwas.“

Nach Weihnachten plant das Team, den Weltladen von innen zu renovieren. Was dann kommt, steht in den Sternen. „Wir hoffen jetzt erstmal, dass nichts mehr weiter passiert“, betont Christiane von Dreusche.  

HINWEISE

TÄTERBESCHREIBUNG Nach dem Steinwurf auf den F(l)airladen konnten Zeugen den mutmaßlichen Täter beschreiben: Der Mann soll etwa 30 bis 45 Jahre alt sein, er ist 1,80 bis 1,95 Meter groß. Der Verdächtige hat eine kräftige Statur, schulterlanges Haar. Er trug graue Jogginghose und hatte weiße Handschuhe übergezogen.

ZEUGEN Die Kreispolizei nimmt jeden Hinweis gern entgegen. Sie hofft auf Unterstützung aus der Nachbarschaft. Möglich ist das unter Tel.: (02202) 205-0.

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