Hospiz

Weil Sterben etwas ganz Normales ist

Der Hospizverein beschäftigt die beiden Koordinatorinnen, Ute Lüttinger und Anke Stolz (Bildschirm).
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Der Hospizverein beschäftigt die beiden Koordinatorinnen, Ute Lüttinger und Anke Stolz (Bildschirm).
  • Susanne Koch
    VonSusanne Koch
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Hospizverein holt das Thema Tod seit fast 25 Jahren aus der Tabuzone.

Wermelskirchen. Über die sogenannte Löffelliste hat Ute Lüttinger, die Koordinatorin des Hospizvereins, mit weiteren drei ehrenamtlichen Helfern gestern das Gespräch mit den Wermelskirchenern an der Telegrafenstraße gesucht. „Wir haben sehr viele Gespräche geführt“, sagt sie. „Und wir haben noch einmal bemerkt, dass viele uns noch nicht kannten oder gar nicht wissen, dass sie den Hospizverein einfach anrufen können, wenn sie uns brauchen. Und das ist jederzeit möglich.“

„Was möchte ich gerne noch in meinem Leben sehen? Welche Reisen stehen noch an? Was ist mir wichtig im Leben? Das sind Fragen, die sich jemand stellt, der weiß, dass sein Lebensende kommen wird“, sagt Ute Lüttinger. „Wir möchten die Menschen dazu sensibilisieren, sich schon vorher bewusster mit ihrem Leben auseinanderzusetzen.“

„Denn wenn man mit Menschen, die im Sterbebett liegen, spricht, bedauern sie die Dinge am meisten, die sie nicht gemacht haben, aber eigentlich immer machen wollten“, sagt ihre Kollegin Anke Stolz. „Der Name Löffeliste bezieht sich auf den Satz, den Löffel abgeben.“

Anke Stolz und Ute Lüttinger sind fest angestellt beim Hospizverein in Wermelskirchen. Sie koordinieren die Einsätze der 31 ehrenamtlichen Sterbe- und Trauerbegleiterinnen und -begleiter. Sie führen die Erstgespräche mit den Betroffenen und ihren Angehörigen. „Und wir überlegen dann, wer am besten in diese Familie passt, natürlich abhängig von den Zeitfenstern der Ehrenamtlichen“, sagt Ute Lüttinger. „Und dann sind wir auch beim Kennenlerntreffen des Ehrenamtlichen mit der betroffenen Familie dabei.“ Die beiden Koordinatorinnen führen Beratungsgespräche, auch zur Vorsorge- und Patientenvollmacht.

Beide sind zur Hospizbewegung gekommen, weil sie in ihrem Beruf als Krankenschwester Erfahrungen gemacht hatten, wo sie schließlich grundsätzlich etwas gegen tun wollten. „Heute werden Sterbende zum Glück nicht mehr in einem Krankenhaus ins Badezimmer geschoben“, sagt Anke Stolz. „Entweder gibt es Verabschiedungszimmer oder wie hier im Wermelskirchener Krankenhaus werden Sterbende alleine in ein Einbett- oder Zweibettzimmer verlegt – mit der Möglichkeit, ein Bett für nahe Angehörige aufzustellen.“

Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und inzwischen auch Mitarbeiter des Hospizvereins woll die Menschen auf ihrem letzten Lebensweg begleiten. „Wir arbeiten eng mit dem SAPV zusammen“, sagt Ute Lüttinger. „Die lebensbedrohlich erkrankten Menschen sollen so wenig Schmerzen wie möglich haben.“ Und wichtig sei, dass sie die Zeit so genussvoll wie möglich verbringen sollen.

Nächstes Jahr wird der Wermelskirchener Hospizverein schon 25 Jahre alt. „Wir werden das ausgiebig feiern“, sagt Anke Stolz. „Es hat sich schon vieles getan, aber es gibt immer noch genug zu tun, um das Thema Sterben und Tod wieder aus der Tabuzone herauszuholen und als etwas Normales zu betrachten.“

Die Ehrenamtlichen werden alle in einem Kurs zu ihrer Tätigkeit befähigt. „Der Kurs in diesem Jahr ist bereits ausgebucht“, sagt Ute Lüttinger. „Wir werden aber im kommenden Jahr wieder einen neuen Kurs anbieten.“ Bedarf gebe es genug. Seit September gebe es auch eine Kindertrauergruppe. „Und wir bieten jeden ersten Mittwoch im Monat eine Trauergruppe für Erwachsene an“, sagt Anke Stolz. „Am 3. November feiern wir in der evangelischen Kirche Hünger um 18 Uhr einen Gedenkgottesdienst für alle Verstorbenen. Jeder ist da herzlich eingeladen.“ „Dasein und Lebensende“ heißt ein VHS-Kurs am 22. Oktober von 10.30 bis 14 Uhr. „In dem Kurs geht es um das Thema Unterstützung von Sterbenden.“

Hospizverein

Der Hospizverein Wermelskirchen hat sein Domizil an der Königstraße 102, Telefon: (0 21 96) 88 83 40, E-Mail:

kontakt@hospizverein-wk.de

Weitere Informationen, das Spendenkonto und mehr finden Interessierte auf der Homepage: www.hospizverein-
wermelskirchen.de

Standpunkt von Susanne Koch: Eine große Hilfe

susanne.koch@rga.de

Wer denkt schon gerne übers eigene Sterben oder den Tod nach: Und auch der Umgang mit nahen Angehörigen fällt uns in diesem Lebensabschnitt nicht leicht.

Die Hospizbewegung hat es sich unter anderem zum Ziel gemacht, diese letzte Phase des Lebens aus der Tabuzone herauszuholen. Nicht, dass dann das Sterben leichter wird. Aber Mensch hat gelernt, darüber zu sprechen, bewusster damit umzugehen. Und das ist auf jeden Fall eine große Hilfe für die lebensbedrohlich erkrankten Menschen, wenn sie offene Ohren finden, für das, was sie noch mit sich herumtragen und erledigen möchten oder einfach mal loswerden. Aber es ist auch eine große Hilfe für die, die Eltern, einen Partner oder einen Freund verlieren werden. Wenn sie Menschen finden, mit denen sie darüber reden können, aber auch schweigen.

Die Hospizbewegung hat sich als ein Segen für die Menschheit herausgestellt.

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