Ehrenamt

Waffelstand streicht nach 34 Jahren die Segel

Wehmütig beenden sie die Tradition: die Ehrenamtlichen des Waffelstands für die Kindernothilfe auf der Kirmes.
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Wehmütig beenden sie die Tradition: die Ehrenamtlichen des Waffelstands für die Kindernothilfe auf der Kirmes.

Initiative für die Kindernothilfe fehlt der Nachwuchs – Beliebtes Angebot auf dem Krammarkt endet.

Von Theresa Demski

Wermelskirchen. Sie haben die Standreservierung zurückgenommen, die Gebühr wurde bereits erstattet – und für die Waffeleisen wird innerhalb der Gemeinde ein neues Zuhause gesucht: Der Waffelstand für die Kindernothilfe auf dem Krammarkt der Kirmes ist Geschichte. Nach 34 Jahren geben die Ehrenamtlichen die liebgewonnene Initiative auf.

„Das tut weh“, sagt Ute Weber, „aber wir haben die Entscheidung im Team einhellig getroffen.“ Der Grund: Dem Leitungsteam fehlt der Nachwuchs. Letztendlich sei es die Corona-Pandemie gewesen, die der Aktion den Todesstoß versetzt habe, erzählen die Damen. Von ursprünglich 14 Ehrenamtlichen, die hinter und vor den Kulissen die Fäden zogen, blieben sieben übrig. „Vor allem aus Altersgründen“, erklärt Ute Weber.

Über viele Jahre habe man versucht, Menschen für die verantwortungsvolle Arbeit im Leitungsteam zu finden. Vergeblich. Und auch die Rumpfmannschaft, die am Ende an einem Tisch über die Zukunft des Waffelstands diskutiert habe, sei in die Jahre gekommen. „Wir schaffen das nicht mehr“, sind sie sich einig. „Wir sind uns darüber im Klaren, dass vielen Wermelskirchenern das Angebot wohl fehlen und die Lücke schmerzlich bewusst sein wird“, sagt Ute Weber. „Und auch um unsere Gemeinschaft tut es uns leid.“

Fünf Tage lang habe das Team mit rund 100 Ehrenamtlichen während der Kirmes jedes Jahr auf Hochtouren gearbeitet. „Manchmal mussten wir Doppelschichten fahren, weil Freiwillige nicht kamen“, erzählt Yvonne Groß, die sich extra für die Kirmestage beurlauben ließ.

In relativ kurzer Zeit konnt viel Geld gesammelt werden

Dazu kam die umfangreiche Vor- und Nachbereitung – vom Einkauf bis zum Quarkrühren, vom Listenschreiben bis zur Korrespondenz mit der Stadt. Hinter den Waffeln stand  ein gewachsenes System: Peter Hasse lud die Damen jedes Jahr kurz vor der Kirmes zum Erste-Hilfe-Kurs ein, um sie auf Situationen vorzubereiten, bei denen es um Leben und Tod gehen könnte. Jürgen Dicke fuhr mit dem Transporter vor und brachte so die Eisen und das nötige Material vom Lager zum Waffelstand – und zurück.

In der alten Backstube von Werner und Gretel Steinhaus wurden riesige Massen von Waffelteig hergestellt, Brot gebacken und dank Enkel Kevin Lienen der erste Spekulatius der Saison auf den Weg gebracht. Das Haus der Begegnung stellte Küche und Toilette zur Verfügung – und viele Gäste freuten sich über ein ruhiges Plätzchen im Park.

Und am Ende des langen Wochenendes lag dann viel Geld in der Kasse: 2018 bilanzierten die Ehrenamtliche, in 30 Jahren mehr als 200 000 Euro für die Kindernothilfe gesammelt zu haben. „Das hat uns immer motiviert“, sagt Ute Weber. „Wir konnten in relativ kurzer Zeit so viel Geld sammeln, dass wir gemeinsam mit der Kindernothilfe richtige Projekte verwirklichen konnten.“ Über die Projekte entschied das Team gemeinsam. Die Kindernothilfe wurde mit der Zeit zu einem engen Partner. Man besuchte sich gegenseitig. Und die große Spende, die jedes Jahr aus Wermelskirchen eintrudelte, wurde mit den Jahren bereits fröhlich erwartet. „Es tut weh“, wiederholt Ute Weber, „die Not in der Welt ist ja nicht kleiner geworden.“

Und wie geht es weiter ? „Ich stricke Socken für die Kindernothilfe und freue mich über Wollspenden und Unterstützung“, sagt Rosemarie Fischer, die zum Leitungsteam der Initiative gehört. „Und vielleicht können wir bei Gemeindefesten oder anderen Veranstaltungen gelegentlich mal wieder Waffeln backen und für die Kindernothilfe sammeln“, sagt Anja Cornehl.

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