Wermelskirchen

Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung: Anne Boddenberg hilft

Einmal im Monat kommt Anne Boddenberg zur Beratung über Vorsorgevollmachten und Patienten- und Betreuungsverfügungen ins Haus der Begegnung an der Schillerstraße.
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Einmal im Monat kommt Anne Boddenberg zur Beratung über Vorsorgevollmachten und Patienten- und Betreuungsverfügungen ins Haus der Begegnung an der Schillerstraße.

Die Burscheiderin Anne Boddenberg vom Diakonischen Werk ist künftig als Beraterin in Wermelskirchen im Einsatz. Sie beobachtet die Sehnsucht nach Sicherheit und Selbstbestimmung. Sie erklärt, warum das nicht nur ein Thema für Ältere ist.

Von Theresa Demski

Wermelskirchen/Burscheid. Manchmal kommen die Menschen mit Mappen voller Papiere zu ihr. Manche Fragen auf den Bögen sind ausgefüllt, andere offen gelassen. „Und manchmal liegen diese Mappen schon seit vielen Jahren in irgendeiner Schublade“, sagt Anne Boddenberg. Denn beim Thema Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen würden viele Menschen die wichtigen Entscheidungen vor sich herschieben.

Wenn sie allerdings der 38-jährigen Burscheiderin im Haus der Begegnung in Wermelskirchen gegenübersitzen, haben sie den entscheidenden Schritt schon getan. Dann macht die Beraterin des Diakonischen Werks in Leverkusen ihnen Mut – sich den Fragen zu stellen, das Gespräch mit der Familie zu suchen oder  Freunde mit ins Boot zu holen. „Oft haben die Menschen Angst, etwas falsch zu machen. Deswegen gehen sie es erst gar nicht an“, weiß Anne Boddenberg.

Im Januar hat der Betreuungsverein des Diakonischen Werks in Leverkusen die Beratung zu Vorsorgevollmachten, Patienten- und Betreuungsverfügungen und für ehrenamtliche Betreuer in Wermelskirchen übernommen. „Die Termine sind meistens ausgebucht“, sagt Anne Boddenberg. „Die Nachfrage ist seit der Pandemie deutlich gestiegen.“

Viele Menschen seien sensibel für diese Themen, würden sich Gedanken über eine Situation machen, in der sie nicht mehr selbst entscheiden können. „Es ist die Sehnsucht nach Sicherheit“, sagt Anne Boddenberg. Und die will die Beraterin – so gut es eben geht – stillen. Sie arbeitet dabei eng mit der Alten- und Pflegeberatung zusammen und setzt auf gute Netzwerke.

Eine Patientenverfügung kann Gold wert sein

Ihre wichtigste Philosophie: „Die Entscheidung treffen immer die Menschen selbst. Ich informiere über die Möglichkeiten.“ Bisher nehmen in Wermelskirchen vor allem ältere Menschen dieses Angebot an. Die Zielgruppe müsse sich ändern, sagt Anne Boddenberg. Denn auch jüngere Menschen könnten schnell in die Situation kommen, nicht mehr selbst über Behandlungen entscheiden zu können.

Dann ist eine Patientenverfügung Gold wert. „Weil sie sicherstellt, dass der Wunsch des Patienten berücksichtigt wird“, sagte Anne Boddenberg. Es ist die Selbstbestimmung, für die die Beraterin im Einsatz ist – für Menschen jeden Alters, egal, ob sie sich mit dem Thema schon beschäftigt haben oder nicht.

Die Burscheiderin informiert dann über Unterschiede zwischen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, sie berichtet von der Aufgabe gesetzlicher Betreuer. Und vor allem verwandelt sie die Worte in Formularen und Verfügungen in lebendige Situationen. Welcher Fall könnte eintreten? Was ist dann gefragt, um abgesichert zu sein? Wie stark ist das Vertrauen in Angehörige? Welche Möglichkeiten gibt es, wenn im Notfall keine Familie einspringen kann? Jede Situation sei anders. Jeder bringe eine andere Geschichte mit.

„Bei der Erstberatung gebe ich den Menschen häufig die Papiere mit“, sagt Anne Boddenberg. Wichtig: Sie setzt auf anerkannte, seriöse und gut gegliederte Vordrucke. Bis zum zweiten Termin können sich die Bürger dann Gedanken machen, was ihnen wichtig ist. Beim zweiten Gespräch gehen Beraterin und Ratsuchende dann die Papiere gemeinsam durch.

Weil Anne Boddenberg beim Diakonischen Werk auch als gesetzliche Betreuerin im Einsatz ist, berät sie im Haus der Begegnung auch ehrenamtliche gesetzliche Betreuer. „Ich kann mit ihnen mein Wissen teilen“, erklärt sie. Allerdings sei bisher die Zahl derer, die Fragen zu Patientenverfügungen oder Vorsorgevollmachten haben, deutlich höher. Am Ende erzählen die Menschen, wie sie mit ihren Familien und Freunden über das Thema ins Gespräch gekommen sind, dass alle Fragen mit Kindern oder möglichen Betreuern geklärt wurde. Und sie berichten von diesem neuen guten Gefühl, dass sie wieder durschlafen lasse. „Und genau deswegen mache ich diesen Beruf so gerne“, sagt Anne Boddenberg.

Hintergrund

Zur Person: Anne Boddenberg ist gelernte Erzieherin. Sie studierte anschließend Soziale Arbeit. Sie ist als gesetzliche Betreuerin und Beraterin beim Diakonischen Werk in Leverkusen im Einsatz.

Beratung: Jeden dritten Montag im Monat kommt Anne Boddenberg zur kostenlosen Beratung ins Haus der Begegnung nach Wermelskirchen – von 14.30 bis 17 Uhr. Eine Anmeldung ist möglich unter Tel. (0 21 71) 7 50 41 14 oder per E-Mail an: anne.boddenberg@diakonie-leverkusen.de

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