Zustellung

Von der Freiheit bei Wind und Wetter

Melanie Börsch verteilt sechs Mal in der Woche die Zeitung – und ist dann jedes Mal etwa 15 Kilometer unterwegs.
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Melanie Börsch verteilt sechs Mal in der Woche die Zeitung – und ist dann jedes Mal etwa 15 Kilometer unterwegs.

Zustellerin Melanie Börsch erzählt, was sie an ihrem Job besonders mag – Bewerber gesucht.

Von Stephan Büllesbach

Wermelskirchen. An diesem Morgen vor Weihnachten war etwas anders als sonst. Normalerweise trifft Melanie Börsch bei ihrer Arbeit nur auf wenige Menschen. Die 38-Jährige ist nachts unterwegs, wenn kaum jemand sonst arbeitet. Folglich muss sie auch selten „Guten Morgen“ oder „Gute Nacht“ sagen. Doch dieses Mal öffnete sich die Tür eines Hauses, als sie gerade den Wermelskirchener General-Anzeiger in den Briefkasten legte. Die ältere Hausbewohnerin konnte nicht schlafen und hatte Berliner Brot gebacken. „Sie hat mich hineingebeten und mir etwas davon angeboten“, erzählt Melanie Börsch im frühmorgendlichen Gespräch mit unserer Redaktion. Das Weihnachtsgebäck war nicht nur lecker, sondern auch ein kleiner Höhepunkt ihrer Arbeit.

Die beginnt für die Hückeswagenerin, wenn die meisten noch schlafen oder sich gerade erst ins Bett gelegt haben. Um 2 Uhr klingelt ihr Wecker, gut vier Stunden hat sie bis dahin geschlafen. Eine lange Anlaufzeit brauche sie nicht, versichert die Zustellerin. „Anziehen, einen Schluck trinken, und dann geht’s ab ins Auto“, verrät Melanie Börsch.

In der Regel ist sie um 2.30 Uhr an der Stelle, in der ein Fahrer die im Düsseldorfer Druckzentrum zusammengestellten Zeitungspakete mit den Lokalteilen aus Wermelskirchen und Burscheid abgelegt hat. Manchmal ist er aber auch erst um 3 Uhr dort. Wie die übrigen Zusteller auch sortiert die 38-Jährige ihre Zeitungsstapel, die neben dem WGA weitere Tages- und Wochenzeitungen sowie Magazine umfassen können.

Momentan gibt es jedoch Schwierigkeiten bei der Zustellung des WGA – die Zeitung kann nicht in allen Bezirken nachts zugestellt werden. „Grund für die angespannte, hakende Zustell-Situation ist vor allem der Personalmangel in Kombination mit der erhöhten Abwesenheit durch Krankheiten“, erläutert Kevin Lütz von RP Logistik. „Daher suchen wir dringend und flächendeckend neue Kolleginnen und Kollegen.“ Allerdings gingen in Wermelskirchen und Umland kaum Bewerbungen ein. Vielleicht könnten gerade in den ländlichen Gebieten Leser in ihrer Nachbarschaft zustellen, wirbt Lütz. Zusammen mit ihrem Mann Jörn bedient Melanie Börsch gleich drei Bezirke. Das Zustellen macht sie alles zu Fuß, so dass täglich gut 15 Kilometer zusammenkommen. Bis spätestens 6 Uhr ist in der Regel auch der letzte WGA bei den Abonnenten.

Vor 15 Jahren hat die Hückeswagenerin, die Werbung und Verkauf studiert hat, mit der nächtlichen Arbeit angefangen. „Unser Sohn war im Kindergarten, und ich wollte etwas zum Haushalt beisteuern“, erinnert sie sich. Da sie aber nicht bei einer Krankheit des Kindes die Schicht tauschen wollte, suchte sie etwas, wo sie unabhängiger war – und wurde Zustellerin. Da konnte sie arbeiten, während ihr Mann zu Hause beim Sohn blieb. Jörn Börsch fing dann vor zehn Jahren ebenfalls als Zusteller an.

„Das ist ein sicherer Job“, betont Melanie Börsch. Man müsse keine Branchenängste haben etwa wegen Kurzarbeit. „Ich bin mein eigener Herr und flexibel“, berichtet sie. „Und der Job macht mir unheimlich viel Spaß.“ Man tue etwas und sei an der frischen Luft. „Das Zeitungszustellen eignet sich für viele, die etwas verdienen möchten. Auch nebenbei“, sagt sie. Und Kevin Lütz versichert: „Unser Angebot als Minijob ist sehr gut vereinbar mit dem ersten Arbeitsverhältnis. Auch eignet sich der Job des Zustellers gut als Ergänzung und Hinzuverdienst.“ Zudem würde Menschen auch ohne Qualifizierung ein sicherer Job in Wohnortnähe geboten.

Über eine Internetseite können die Zusteller erfahren, wann der Fahrer das Druckzentrum verlassen hat und voraussichtlich in Wermelskirchen eintrifft. An Tagen mit Wetterkapriolen, wie jüngst mit dem plötzlichen Eisregen, kommt es vor, dass die Zeitungen nicht frühmorgens in den Briefkästen liegen. Dann wird später nachgeliefert. Diejenigen, die einen Hauptberuf haben, sind dann in der Regel aber nicht mehr unterwegs. „Das übernehmen Springer oder Kollegen, die Bezirke nebenbei zustellen“, erläutert Melanie Börsch.

Gegen 6 Uhr ist die Arbeit für das Ehepaar beendet. Melanie Börsch verabschiedet um 7.30 Uhr ihre „beiden Jungs“ – Ehemann Jörn und den 18-jährigen Sohn – zur Arbeit, dann legt sie sich bis 11 Uhr noch einmal hin. Die nächtliche Arbeit will sie nicht missen. „Die Temperaturen sind mir egal“, sagt die 38-Jährige, die Schnee „ganz cool“ findet, weil sie die Erste ist, die darin ihre Fußstapfen hinterlässt. Nur eines braucht sie nicht: „Regen!“ In ihren 15 Jahren als Zustellerin ist die Hückeswagener aber auch damit klargekommen.

So bewerben Sie sich

Aufgabe: Die Zusteller stellen den Abonnenten
Tageszeitungen und Presseprodukte in den Morgenstunden bis 6 Uhr zu.

Arbeitszeit: Das Zeitfenster können sie sich in der Zeit zwischen 1 und 6 Uhr frei einteilen. Zugestellt wird in der Regel von montags bis samstags, wobei individuelle Vereinbarung möglich sind.

Verdienst: Die Zusteller können je nach Arbeitsumfang zum Beispiel auf 520-Euro-Basis als Minijobber oder darüber hinaus arbeiten (Gleitzone und Normalbeschäftigung). Aktuell sind maximal fünf Stunden täglich möglich. Die Nutzung des Privatwagens und des privaten Fahrrads wird kompensiert. Mitarbeiter erhalten einen steuerfreien Nachtzuschlag und damit bis zu 15 Euro je Stunde (inklusive Nachtzuschlag).

Arbeitsmittel Materialien wie Karren, Taschen, Lampen, Jacken etc. werden gestellt.

Angebote: Es gibt eine qualifizierte Einarbeitung und die Möglichkeit, nach der Einarbeitung in größeren bzw. mehreren Gebieten zuzustellen. Auf Wunsch kann der Zusteller – wenn das möglich ist – in direkter Nähe zum Wohnort eingesetzt werden.

Bewerbungen und weitere Informationen: Weitere Auskünfte für die Interessenten gibt es auf der Internetseite https://zusteller.de/
jetzt-bewerben/ (direkter Link auf Bewerbungsmaske), unter Tel. (0170) 8791125 oder Tel. (0800) 1303132, via WhatsApp unter Tel. (0170) 8791125 sowie per

E-Mail an: jobs@zusteller.de

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