Von Aufatmen und Freiheit im Urlaub

Eine Geistliche macht sich Gedanken

Von Pfarrerin Sibylle Karrer, evangelische Seelsorgerin am Sana-Klinikum Remscheid

Wie immer im Urlaub schaute ich genauer hin. So auch bei diesem Wegkreuz. Irgendetwas hielt meinen Blick fest. Es war nicht der Gekreuzigte unter seinem Schutzdach, sondern der Schmetterling auf den Steinen des Sockels. Gut sichtbar, wenn auch nicht ganz groß, aber da war er. Eines der Symbole für die Auferstehung, ein besonders schönes noch dazu, direkt unter dem Gekreuzigten, dessen geschlossene Augen vermuten ließen, dass er bereits tot ist. Aber das Zeichen der Hoffnung war ganz lebendig. Der Schmetterling ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, ignorierte mich und blieb sitzen, als ich weiterwanderte. Als hätte er seinen Platz gefunden.

Ja, der gekreuzigte Christus klammerte den Tod nicht aus. Doch die kleine Veränderung des vertrauten Bildes durch den Schmetterling ist das, was mir in Erinnerung bleibt; denn Wegkreuze habe ich in diesem Urlaub viele gesehen, fotografiert nur dies eine.

Im Urlaub schaue ich oft genauer hin. Im Urlaub sehe ich nicht nur das Schwere, sondern auch die Verheißung seiner Überwindung. Den Schmetterling als Verheißung der Auferstehung.

Im Urlaub habe ich Zeit und kann mir deshalb vorstellen, dass der Alltag und der Druck, Corona und die Katastrophen nicht alles sind, weil ich den Blick vom Tod zum Leben wandern lassen kann. Weil ich erlebe, dass es Aufatmen und Freiheit gibt.

Ohne das Wegkreuz wäre der Schmetterling kein Hoffnungszeichen für mich geworden. Zugegeben, groß ist er nicht, aber das sind die Hoffnungszeichen nach meiner Erfahrung nie.

Denn sie überdecken nicht einfach das Schwere oder reden es klein. Nein, aber sie wecken in mir die Erinnerung, dass das Schwere nicht alles ist und dass wir berechtigte Hoffnung auf seine Überwindung haben dürfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Männer leben christliche Werte
Männer leben christliche Werte
Männer leben christliche Werte
Gastronomin: „Vor allem emotional ist es kaum tragbar“
Gastronomin: „Vor allem emotional ist es kaum tragbar“
Gastronomin: „Vor allem emotional ist es kaum tragbar“

Kommentare