Gastronomie

Vom Gasthaus zum Gesicht der Stadt

Das „Hotel zur Eich“ gehört zu den bekanntesten Gebäuden der Stadt und steht seit 1986 unter Denkmalschutz.
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Das „Hotel zur Eich“ gehört zu den bekanntesten Gebäuden der Stadt und steht seit 1986 unter Denkmalschutz.

Hotel zur Eich: Mehr als 200 Jahre altes Fachwerkhaus steht unter Denkmalschutz.

Von Theresa Demski

Wermelskirchen. Als erstes kamen die Fuhrleute. Auf dem Weg nach Köln suchten sie ein Nachtlager an der alten Fernstraße. Sie stellten ihre Pferde in den Stallungen unter, die angeschirrten Frachtwagen standen in langen Reihen von der Eich bis zum Schwanen. Fuhrknechte hielten Wache, während sich die Händler in der Gaststube eine Auszeit gönnten. Waffen waren verboten. Der Wirt trug die Verantwortung für seine Gäste – und sorgte für Ruhe, Ordnung bei Gesang, Tanz und Würfelspiel und die Einhaltung der Ruhezeiten. Am nächsten Morgen reisten die Fuhrleute weiter, am Abend kamen die nächsten Gäste.

Seit dem 4. November 1831 ist das Haus in Familienbesitz

„Wir können nicht genau sagen, wie alt dieses Haus ist“, sagt Gerd Jörgens und schaut sich in dem alten Schankraum im heutigen Hotel zur Eich um. Der Denkmalschutz geht laut Denkmalkataster vom späten 18. Jahrhundert aus. Was Gerd Jörgens und Tochter Tina allerdings ganz genau nachverfolgen können, ist die Geschichte ihrer Familie mit dem Haus: Am 4. November 1831 bot Landwirt Peter Friedrich Jörgens aus Süppelbach bei einer Versteigerung 3500 Taler für das Gasthaus an der Eich – und bekam den Zuschlag. Gastwirtin Christina Fuhrmann hatte den Betrieb nach dem Tod ihres Mannes verkaufen müssen. Peter Friedrich Jörgens baute um, vergrößerte, schaffte mehr Platz für Reisende und größere Schlafräume. Neun Jahre nach dem Kauf starb er mit 45 Jahren – und seine Witwe Caroline Dorothea Jörgens übernahm.

Dem Gasthof an der Eich standen stürmische Zeiten bevor – in denen nicht selten die Witwen den Betrieb sicherten, bevor ihre Söhne übernehmen konnten. Erst wurde die Eich ein Ort des Festes und der Vereine: 1860 gründete sich hier der WTV, sechs Jahre später feierte die ganze Stadt im Gastraum den Sieg Preußens über Österreich. Dann stellten die Weltkriege den Hotelbetrieb auf den Kopf: Im November 1949 feiert Familie Jörgens die Wiedereröffnung.

Großer Saal ist einem Parkplatz gewichen

Von Denkmalschutz war damals noch keine Rede“, sagt Gerd Jörgens. Seine Eltern, Franz und Erna Jörgens bauten aus und an, veränderten und gestalteten neu. Die Küche wurde erweitert, der große Saal musste Parkplätzen weichen, das Haupthaus bekam einen zweiten Giebel. Und als Gerd Jörgens 1980 übernahm, baute er ebenfalls aus und schaffte mehr Platz für Hotelgäste und Kegelbahn.

Der Schankraum hat sich seit Ende des 18. Jahrhunderts kaum verändert.

Ein Ort allerdings blieb in all der Zeit fast unberührt: der Gastraum, in dem schon Ende des 18. Jahrhunderts die Fuhrmänner Bier getrunken und Karten gespielt hatten. Franz Ludwig Jörgens hatte hier Anfang des 20. Jahrhundert die Wandvertäfelung anbringen lassen.

„Wir wissen bis heute nicht, was das für ein Material ist“, sagt Gerd Jörgens und klopft vorsichtig auf die Vertäfelung. „Aber wir wissen: Im Brauhaus ein paar Meter weiter gibt es genau die gleiche Vertäfelung.“

Erst 1986, als die gesetzliche Grundlage geschaffen worden war, setzte die Stadt das Gebäude unter Denkmalschutz. „Damals haben wir uns nicht so viele Gedanken darüber gemacht“, sagt Gerd Jörgens heute. Mit der Zeit erkannte die Familie die Herausforderung. Als in der Bergischen Stube die Heizkörper ausgetauscht wurden und die alten Exemplare auf dem Bordstein zum Abholen standen, da rief die Stadt an: Man dürfe den Raum nicht einfach so verändern. Und als Familie Jörgens die Fenster austauschte, stand auch plötzlich der Denkmalschutz vor der Tür.

Ein Familienbetrieb seit 1831: Tina und Gerd Jörgens führen das Hotel zur Eich.

„Inzwischen wissen wir es besser“, sagt Tina Jörgens und lacht. Die Beziehungen zur Unteren Denkmalbehörde bei der Stadt seien gut – dort gebe es auch Unterstützung, wenn für Umbauten oder Sanierungen Anträge gestellt werden müssten.  Gerd Jörgens und Tochter Tina, die seine Nachfolge angetreten hat, wissen um die Verantwortung für das markante Gebäude.

Für den Restaurantbetrieb fehlt seit vier Jahren das Personal

„Es ist uns dann auch sehr schwer gefallen, den Restaurantbetrieb zu schließen“, sagt Tina Jörgens –  „schließlich war das Restaurant so etwas wie die gute Stube der Stadt.“ Im Februar 2018 beschloss sie, das Restaurant aufzugeben und nur den Hotelbetrieb weiterzuführen. Noch bevor die Pandemie die Situation in der Gastronomie weiter verschärfte, kämpfte Tina Jörgens mit Personalmangel.

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