Viele Buchen im Stadtwald sind schon vertrocknet

Ein abgebrochener Ast an einem Waldweg. Spaziergänger sollten mit Vorsicht die Wälder betreten. Foto: Forstamt
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Ein abgebrochener Ast an einem Waldweg. Spaziergänger sollten mit Vorsicht die Wälder betreten. Foto: Forstamt

Regionalforstamt warnt vor dem Betreten der Wälder im Bergischen

Von Udo Teifel

Auch Nichtforstleuten, die den bergischen Wald mit aufmerksamen Augen sehen, fällt auf: Der Wald verliert seine grünen Farbtöne! Und das schon seit vier Wochen, berichtet der Wermelskirchener Revierförster Stefan Springer. Nicht nur die Borkenkäfer-Schäden in den Nadelwäldern schreiten unaufhaltsam fort.

Auch zahlreiche Laubbäume zeigen schon ihr Herbstbild. Bereits in der ersten Augusthälfte sind viele Kronen von Buchen, Birken oder Ahorn braun geworden. „Diese vorzeitige Herbstfärbung ist Folge akuter Trockenschäden“, so Kay Boenig, Leiter des Regionalforstamtes Bergisches Land. Betroffene Bäume könnten keine ausreichenden Reservestoffe mehr einlagern und Knospen bilden. „Sie werden zum Teil in den nächsten Jahren nicht wieder austreiben“, so Boenig. „Leider halten vor allem unsere mittelalten und alten Buchen, die an viel Wasser gewöhnt sind, der seit drei Jahren anhaltenden Dürre im Bergischen Land nicht mehr stand.“

Im Wermelskirchener Stadtforst geht es dem Laubholz-Bestand verhältnismäßig gut, berichtet Stefan Springer. Er beobachte schon, dass Eichen und Buchen „Trockenstress“ entwickelten. Er hat Kenntnis von 15 bis 20 Bäumen, die den Sommer wohl nicht überlebten. „Hier gibt es zum Glück kein Sterben ganzer Bestände.“ Dennoch befürchtet er, dass es noch schlimmer werde. „Ich bin skeptisch, ob wirklich alle Buchen und Eichen in unseren Wäldern 2021 wieder grün ausschlagen werden.“

Laut dem Leiter des Regionalforstamtes verlaufe der Absterbe- und Zersetzungsprozess bei der Buche viel rascher als bei der Fichte, so dass schon jetzt zusätzliche Gefahren im Wald durch abbrechende Äste und auseinanderfallende Kronen spürbar sind. Dazu trägt auch die trockenheitsbedingte Versprödung und Brüchigkeit des Holzes bei. „Wir beobachten zunehmend, dass ohne äußerlichen Anlass scheinbar intakte Eichen- und Buchenäste aus den Kronen brechen.“

Rascher Klimawandel gefährdet die Waldökosysteme

Die Gewährleistung der Verkehrssicherheit der Wälder entlang der Bebauung und von Verkehrswegen wird für die Waldbesitzenden dadurch kaum mehr leistbar. „Waldbesucher sind latent gefährdet, betreten den Wald aber auf eigene Gefahr und sollten entsprechend vorsichtig sein, vor allem bei windigem Wetter. Nicht zuletzt nimmt auch die Gefährdung durch Waldbrände zu“, warnt Boenig.

Der rasche Klimawandel und die damit verbundenen Dürrejahre gefährden zunehmend die an sich anpassungsfähigen Waldökosysteme. „Die Buche als in der Region natürliche Hauptbaumart, nicht zu Unrecht als „Mutter des Waldes“ bezeichnet, wird es schwer haben, sich anzupassen“, sagt Boenig. Viele heimische, zum Teil seltene Tier-, Pilz - und Pflanzenarten sind in den Buchenwäldern zu Hause. Auch andere Waldbiotope leiden: Die für die bergischen Wälder typischen Quellen und Siefen trocknen zeitweise aus, Bruchwälder und Hangmoore sind gefährdet.

Der bergische Wald müsse sich wandeln und er werde sich wandeln, ist sich Kay Boenig sicher. Die Eichenarten und die Linden, wärmeliebende und trockenheitsunempfindlichere Baumarten, werden an Konkurrenzkraft gewinnen. Unter den beigemischten Nadelhölzern sind Lärchen, Kiefern und Tannen besser auf den Klimawandel eingestellt, als die Fichte. „Die Zukunft gehört auch eingebürgerten Baumarten, wie der Roteiche, Esskastanie, Robinie und der Douglasie sowie den bisher vorwiegend in Parks angebauten Zedern. Die neu entstehenden Wälder müssen vielfältiger und strukturreicher werden, um die zukünftigen Risiken besser abfedern zu können.“

Ihr Vorteil sei, dass sie von frühester Jugend auf an Trockenphasen gewöhnt sein werden. Dies gelte auch für die vielerorts aufgekommene Naturverjüngung. Kay Boenig: „Man darf erwarten, dass auch diese angepasster sein wird.“

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