Pandemie

Viele Betriebe setzen Homeoffice bereits um

Arbeiten von zuhause: Vor allem Menschen mit Bürojobs setzen das bereits vielfach um. Foto: Christian Beier
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Arbeiten von zuhause: Vor allem Menschen mit Bürojobs setzen das bereits vielfach um.
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Wermelskirchener Firmen sind gut vorbereitet auf neue Corona-Beschlüsse der Regierung.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Den Beschlüssen des Corona-Gipfels zufolge soll es ab heute noch keine Pflicht zum Arbeiten zu Hause geben. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales soll indes eine Verordnung erlassen, nach der Arbeitgeber gehalten sind, Mitarbeitern das Homeoffice zu ermöglichen, wenn es ihr Job zulässt.

Die Firma Provita in Dabringhausen bietet ihren Mitarbeitern verschiedene Lösungen an. „Weil wir ein Produktionsbetrieb sind, haben wir ohnehin nur einen geringen Teil an Mitarbeitern in den Büros“, sagt Provita-Geschäftsführer Micha Hilverkus. 25 von insgesamt 120 Provita-Mitarbeitern verrichten ihre Arbeit in den Büros. Hilverkus: „Ein Teil arbeitet jetzt von zu Hause aus.“ Aber auch für die Mitarbeiter vor Ort hat die Chefetage des Medizintechnik-Unternehmens ausgefeilte Hygienelösungen entwickelt. „Wir nutzen zum Beispiel die Cafeteria oder einen Showroom und lassen Mitarbeiter dort arbeiten, um das Ganze zu entzerren“, berichtet Micha Hilverkus. Zudem nutzen zwei Teams unterschiedliche Wege zur Toilette, um sich auf den Gängen nicht zu begegnen und nicht dieselben Sanitärräume zu benutzen. „Und wir haben gerade rund 1000 FFP2-Masken bestellt, die wir kostenlos verteilen“, sagt Micha Hilverkus.

Auch bei der Firma Tente Rollen ist man bestens auf die Situation vorbereitet. „Homeoffice gab es bei uns schon lange vor Corona“, sagt Tente-Geschäftsführer Roland Dörner. Heißt: Die technischen Voraussetzungen stehen und die meisten Mitarbeiter im Büro nutzen jetzt das Homeoffice. „Nur Vereinzelte sitzen im Büro; das ist aber wegen der riesigen Fläche auch kein Problem“, sagt Dörner. Tente Rollen nutze die internationalen Verbindungen, unter anderem zu einem Werk in China, um sich über die Situation und Erfahrungen im jeweiligen Land auszutauschen. Denn auch Tente hat eine große Produktion, deren Mitarbeiter nicht im Homeoffice arbeiten können. Dörner: „Einen Ausbruch konnten wir gottlob aufgrund sehr gut funktionierender Hygienekonzepte verhindern.“

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln hatte am Dienstag vor einer Homeoffice-Pflicht eindringlich gewarnt. Zwei Drittel der Unternehmen im Bezirk der IHK Köln würden es ohnehin zumindest einem Teil ihrer Beschäftigten ermöglichen, im Homeoffice zu arbeiten, informiert die IHK. Das sei das Ergebnis einer Umfrage, an der sich 716 Unternehmen beteiligt hätten. „Viele Unternehmen haben schon früh im ersten Lockdown flächendeckend Homeoffice ermöglicht und als IHK Köln raten wir unseren Unternehmen auch seit Beginn der Krise dazu, wenn es die betrieblichen Abläufe erlauben“, sagt Frank Hemig, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Köln.

IHK: „Unternehmen wollen selbst Infektionen vermeiden“

„Die Unternehmen haben selbst das größte Interesse daran, Corona-Infektionen zu vermeiden, um ihre Mitarbeiter zu schützen und den Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten zu können.“ Trotzdem spreche sich die IHK Köln klar gegen eine Homeoffice-Pflicht aus und warne vor den Folgen. Denn es gebe Branchen und Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit schlicht kein Homeoffice für alle Beschäftigen erlaube, insbesondere im Bereich des verarbeitenden Gewerbes. „Die Arbeit an der Maschine, im Fahrzeugpark oder im Wareneingang funktioniert nicht ohne Menschen“, sagt Dr. Ulrich Soénius, Geschäftsführer Standortpolitik der IHK. Für diese Betriebe würde eine strikte Homeoffice-Pflicht faktisch ein Geschäftsverbot bedeuten. Das gleiche gelte für kleinere Betriebe unterschiedlicher Branchen, denen mitunter die Mittel fehlten, ihre Beschäftigten mit den entsprechenden Geräten und Programmen auszurüsten.

Die Verantwortlichen in Bund und Ländern sollten sich laut IHK daher auf die Einhaltung der geltenden Regelungen konzentrieren, den Impfprozess beschleunigen und den im Lockdown teilweise seit Monaten geschlossenen Betrieben Perspektiven aufzeigen.

Hintergrund

Der Bund will Unternehmen verpflichten, soweit wie möglich ein Arbeiten im Homeoffice anzubieten: „Dazu wird das Bundesministerium für Arbeit und Soziales eine Verordnung erlassen, wonach Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber überall dort, wo es möglich ist, den Beschäftigten das Arbeiten im Homeoffice ermöglichen müssen, sofern die Tätigkeiten es zulassen“, heißt es.

Standpunkt

anja.siebel@rga-online.de

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

Die Situation in den befragten Wermelskirchener Unternehmen ist vorbildlich. Es sind aber auch große Traditionsunternehmen, die die Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern ernst nehmen und die Zeichen der Zeit erkannt haben. Das ist aber keineswegs selbstverständlich. Umfragen großer Zeitungen, wie beispielsweise der Zeit, zeigen, dass es in vielen Betrieben, gerade in größeren Städten, leider auch während der Corona-Pandemie Usus ist, dass Menschen dicht gedrängt in Großraumbüros nebeneinander hocken und sich mittags in der Teeküche treffen. Womöglich, nachdem sie vorher mit der überfüllten U-Bahn zu ihrem Arbeitsplatz gefahren sind. Diese Problematik und die sicher auch daraus resultierenden immer noch zu hohen Infektionszahlen sollte auch die Industrie- und Handelskammer nicht wegdiskutieren. Oder damit abtun, dass sich die Politik besser auf anderes konzentrieren sollte. Das sollte sie auch, keine Frage. Aber Homeoffice möglich machen, wo es gerade eben geht, das sollte jetzt eben auch mal gemacht werden. Betriebe wie Provita oder Tente Rollen gehen mit gutem Beispiel voran.

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