Bildung

Verwaltung stattet Schüler digital aus

Beim Homeschooling verfügen nicht alle Schüler über digitale Endgeräte. Archivfoto: Christian Beier
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Beim Homeschooling verfügen nicht alle Schüler über digitale Endgeräte.

Mit Fördergeld vom Land sollen vor allem bedürftige Familien bedacht werden.

Von Anja Carolina Siebel

Kaum zu glauben, aber auch in Wermelskirchen ist es so: Ein Teil der Schüler an Grund- und weiterführenden Schulen verfügt privat nicht über die nötige technische Ausstattung, um von daheim zu lernen.

Das soll sich jetzt ändern. Wie der Erste Beigeordnete und Schuldezernent Stefan Görnert auf Nachfrage mitteilt. Auf einen Antrag der SPD-Fraktion möchte die Verwaltung in der Sitzung des Schulausschusses am kommenden Dienstag ausführlich antworten.

Zum Hintergrund: Von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen ist die Ausstattung aller Lehrer mit sogenannten digitalen Endgeräten, also beispielsweise Tablets oder Laptops, bis zum Ende des Jahres angekündigt. Dieser Schritt sollte laut Antrag der SPD-Fraktion „die bisherige mangelhafte Ausstattung aufwerten und den digitalen Unterricht, gerade in Corona-Zeiten, voranbringen. Durch die immer noch steigenden Corona-Fallzahlen und die vermehrten Schulschließungen in Nordrhein-Westfalen würde „die Dringlichkeit der Maßnahmen“ noch einmal deutlich.

Die SPD-Fraktion will nun beispielsweise wissen, ob es schon ein Konzept zur digitalen Ausstattung der Lehrer gäbe und wie dieses aussehe. Zudem sei für die SPD-Politiker interessant, wann denn die Ausgabe der Geräte stattfinde – und: Welche weiteren Maßnahmen zur Digitalisierung an Schulen von der Verwaltung geplant seien.

Stefan Görnert betont: „Es geht zurzeit ausschließlich um die coronabedingte Anschaffungen digitaler Endgeräte.“ Insgesamt gibt es laut Görnert 150 000 Euro für Geräte für bedürftige Schüler und 132 000 Euro für Geräte von Lehrern.

Was die Schüler angehe, habe die Stadtverwaltung vor einigen Wochen eine Bedarfsumfrage gestartet. „Wir wollen wissen, welche Schüler wirklich so bedürftig sind, dass sie von Haus aus nicht in der Lage sein würden, sich mit einem solchen Gerät auszustatten“, berichtet Stefan Görnert. „Dabei haben wir darauf gesetzt, dass die Lehrer an den Schulen ihre Schüler und deren Familien gut kennen und behutsam nachfragen würden, ob es Bedarf geben würde.“

„Eine frühere Auslieferung der Geräte war leider nicht möglich.“
Stefan Görnert, Beigeordneter

380 Schüler sollen nun mit Geräten ausgestattet werden. Die Stadt übernimmt dabei einen Eigenanteil von zehn Prozent. Laut Aussage Görnerts seien es vor allem Schüler weiterführender Schulen gewesen, die Bedarf angemeldet hätten. Die Wermelskirchener Lehrer bekommen insgesamt 370 Endgeräte durch das Förderprogramm zur Verfügung gestellt. Dafür müsse die Stadtverwaltung keinen Eigenanteil beibringen.

Bei der Ausstattung der Schüler und Lehrer mit digitalen Geräten habe es eine europaweite Ausschreibung gegeben, berichtet Stefan Görnert. Deshalb würde sich die Auslieferung auch verzögern: Bis Mitte oder Ende Januar sollen laut Görnert Schüler und Lehrer ausgestattet sein. „Wir hätten uns das natürlich früher gewünscht, aber das war nicht möglich“, sagt Görnert.

Unabhängig von der medialen Ausstattung zur Coronazeit soll es wie berichtet aber ohnehin eine Reform der digitalen Prozesse an Schulen auch in Wermelskirchen geben, mit dem so genannten Medienentwicklungsplan.

Auf Grundlage des Landes-Schulgesetzes sollen demnach bis zum Jahr 2023 alle Wermelskirchener Schulen nach Standards, angepasst an individuelle Bedürfnisse, mit neuen Medien ausgestattet werden.

Das Konzept bringt einige Vorteile mit sich – sowohl für die Schulen als auch für die Verwaltung. Zum Beispiel wird die bisherige Praxis von Einzelfallentscheidungen an Schulen abgelöst. Es wird schulformspezifische Standards geben, nach denen alle ausgestattet werden. Und: Der Betrieb der Schulnetze wird gesichert sowie ein Controlling eingeführt. Die Steuerung erfolgt also von zentraler Stelle. 

Entwicklungsplan

Klassenzimmer mit virtuellen Welten, eine Kombination aus Althergebrachtem und Modernem – dank neuer Medien. Das soll schon bald auch in Wermelskirchen Alltag werden. Den neuen Medienentwicklungsplan für Schulen stellte Jürgen Thomaßen von der Kölner Firma Thomaßen Consult bereits Ende 2017 im Schulausschuss vor. In der nächsten Sitzung des Schulausschusses am kommenden Dienstag, 17 Uhr, soll es ebenfalls um die Medienentwicklung in Schulen gehen.

Standpunkt: Viel Luft nach oben

Von Anja Carolina Siebel

Digitalisierung in Schulen – Thema war das schon länger. Aber an der Umsetzung haperte es landes- und bundesweit lange. Bis Corona kam. Und dann wurde erst so richtig deutlich, wie lückenhaft die Ausstattung noch ist. Denn es gibt tatsächlich Schüler, die eben nicht so digital ausgestattet sind, dass sie auch von Zuhause aus vernünftig arbeiten können.

anja.siebel@rga-online.de

Und auch bei den Lehrern sieht die Ausstattung bisher noch mau aus. Kurz: Es wurde höchste Zeit für eine Reform. Und auch für die Debatte, ob der Präsenzunterricht, wie er vielerorts immer noch stattfindet, überhaupt so noch zeitgemäß ist. Zumindest könnte die Corona-Pandemie positiv verändern. 

Oder vielmehr beschleunigen. Denn auch danach wird gelten, den Unterricht zu modernisieren und einiges zu verändern, wenn es dann auch nicht mehr primär darum gehen wird, Unterricht von Zuhause anzubieten. Die Schulausschusssitzung am kommenden Dienstag wird möglicherweise zeigen, wie weit das Konzept des Medienentwicklungsplans gediehen ist. Das dürfte sehr spannend werden, vor allem für die Vertreter der Schulen.

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