Selbstständigkeit

Vermessungsingenieur: Beruf mit Seltenheitswert

Tobias Jurek ist am 1. Juli ins  Vermessungsbüro von Reinhard Fiebig eingestiegen – und sichert damit die Nachfolge.
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Tobias Jurek ist am 1. Juli ins Vermessungsbüro von Reinhard Fiebig eingestiegen – und sichert damit die Nachfolge.

Tobias Jurek liebt die Arbeit in der Praxis.

Von Theresa Demski

Wermelskrichen. Als Tobias Jurek damals zum ersten Mal im Büro an der Neuenhöhe aufschlug, ahnte Reinhard Fiebig schon um das Juwel, das da vor ihm stand. In all den Jahren hatte kaum mal ein Referendar für den höheren technischen Verwaltungsdienst des ­Landes Nordrhein-Westfalen bei ihm angeklopft, mit dem Wunsch, die ­Vermessungstechnik im Alltag kennenzulernen. Ganz im Gegenteil.

Reinhard Fiebig hatte beobachtet, wie um ihn herum immer mehr Büros für Vermessungstechnik schließen mussten, weil es keinen Nachfolger gab. Nur eins von fünf Büros wird fündig. Und weil er damals selber auf die 65 zuging, hatte auch er sich schon Gedanken um die Zukunft seines Büros gemacht. „Ich dachte: Ich mache so lange weiter, bis unsere langjährigen Mitarbeiter in den Ruhestand gehen“, sagt Fiebig heute. Schließlich gibt es für den Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur keine Altersgrenze bei der Ausübung seines Berufes.

„Aber im Hinterkopf hatte ich immer den Gedanken, dass ich mich um einen Nachfolger bemühen sollte“, sagt Fiebig. Die sind allerdings Mangelwage: Neun Referendare traten mit Tobias Jurek nach dem Studium in Nordrhein-Westfalen das entsprechende Referendariat an. Acht entschieden sich für die Karriere in der öffentlichen Verwaltung – nur zwei schlugen den Weg zum Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur ein. Dazu gehört die Station im Büro für Vermessungstechnik während des Referendariats. Und weil Tobias Jurek mit seiner Familie in Burscheid lebt und längst von Reinhard Fiebig und seinem Büro an der Neuenhöhe gehört hatte, bewarb er sich um ein vierwöchiges Praktikum.

Tobias Jurek ist von Vermessungstechnik fasziniert

Am Ende der vier Wochen bat Reinhard Fiebig den damals 28-Jährigen zum Gespräch – und bat ihm sein Büro an. Tobias Jurek sagte zu. „Das passte einfach vom ersten Moment an“, sagen beide unisono. Für Reinhard Fiebig hatte sich ganz unerwartet eine Perspektive für sein Büro und die Mitarbeiter aufgetan. Und auch dem jungen Familienvater aus Burscheid gefiel die Idee, eine Zeit lang mit dem erfahrenen Kollegen zusammenzuarbeiten und das Büro später zu übernehmen. Inzwischen hat Jurek auch das zweite Staatsexamen bestanden, sein praktisches Jahr bei Reinhard Fiebig absolviert und die entsprechende Zulassung zum Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur erhalten.

Für den heute 30-Jährigen ist es gleichzeitig eine große Faszination. Mathe, Physik und Erdkunde: Das habe ihn schon in der Schule interessiert. Sein Geodäsie-Studium in Bonn habe ihn in diesen Fähigkeiten noch bestärkt – erst der Bachelor, dann der Master. Er entschied sich gegen eine Karriere in der Wissenschaft und für einen Berufsweg in der Praxis: „Wir bringen Zahlen auf die Karte“, erklärt er. Wenn der Außendienst mit den Zahlen und Bildern der Vermessung vom Feld zurückkommt, dann werden daraus im Büro Pläne. „Die Grundlage, um Bauprojekte zu planen“, erklärt Jurek. „Dank GPS sind wir immer genauer geworden.“

Für zwei Jahre hat Reinhard Fiebig noch seine Unterstützung zugesagt – dann will er das Büro an Tobias Jurek übergeben und nur noch einspringen, wenn Not am Mann ist. „Eine bessere Lösung hätten wir gar nicht finden können“, sagt er nach 40 Jahren als Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur. Und Tobias Jurek nickt.

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