Handel

Verkaufsoffener Sonntag kommt gut an

Die Wermelskirchener nahmen das Angebot des Stadtmarketingvereins WiW gut an. Foto: Doro Siewert
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Die Wermelskirchener nahmen das Angebot des Stadtmarketingvereins WiW gut an.

Vorab waren die Meinungen gespalten, in der Innenstadt war aber doch einiges los.

Von Peter Klohs

Wermelskirchen. Ein verkaufsoffener Sonntag in Corona-Zeiten muss sich anders präsentieren als in der Vergangenheit. Das zeigte sich deutlich am Nikolaussonntag in der Wermelskirchener Innenstadt. Zar hatte die Gewerkschaft Verdi zuvor gegen die Durchführung Verkaufsoffener Sonntage in dieser Zeit erfolgreich geklagt, die Wermelskirchener haen laut WiW-Vorsitzendem André Frowein aber eine rechtliche Lücke gefunden: „Die Aktionen in der Coronaschutzverordnung stehen nicht in Zusammenhang mit diesem Sonntag“, so Frowein.

Er und seine Mitstreiter hatten gleichwohl bei der Planung zu bedenken, dass man unter Corona konformen Bedingungen schon auf die eine oder andere liebgewonnene Tradition verzichten muss.

Die Gastronomie wurde dezentral verteilt. Auf der Telegrafenstraße gab es Stände mit Warmgetränken, wahlweise mit und ohne Alkohol, holländische Pommes und Ziegenkäse oder Schinken zu kaufen. Ein Verzehr direkt am Stand war den Besuchern allerdings nicht möglich. An der Telegrafenpassage konnte sich Müller’s Reibekuchen nicht über Kundenandrang beklagen. Durch die komplette Innenstadt zogen sich unterschiedliche Gastronomieangebote.

Krippen stehen in 35 Schaufenstern in der Innenstadt

Wie André Frowein berichtet, sei ihm der Weihnachtsweg immens wichtig. In 35 Schaufenstern im Stadtgebiet konnten Kinder Krippen mit einem dazugehörigen Buchstaben oder einem Gegenstand finden. Diese Rallye sollte, wenn man alle Schaufenster und Buchstaben gefunden und in der richtigen Reihenfolge zusammengesetzt hat, mit einem Lösungsspruch enden. Als Hauptgewinn winken 50 Dellmark, mit denen man in Wermelskirchener Geschäften einkaufen kann.

Da auch der Nikolaus wegen Corona zu Hause bleiben musste, hatte der WiW-Marketing-Verein die Idee, insgesamt 750 von BMW Kaltenbach gesponserte Nikolauspäckchen an 14 Geschäfte im gesamten Stadtgebiet zu verteilen, zehn von ihnen allein in der Innenstadt.

Wie Barbara Busch, Teamleiterin der Buchhandlung Marabu erzählt, war das hohe Kundenaufkommen in den ersten Stunden auch auf diese Nikolauspäckchen zurückzuführen. „Bei uns waren schon viele Kinder. Aber auch so wird der verkaufsoffene Sonntag gut angenommen. “ Die Buchhandlung Marabu will durch die Sonntagsöffnung Flagge zeigen. „Der A-La-Carte-Sonntag ist ja schon ausgefallen“, unterstreicht Barbara Busch. „Um so wichtiger ist es, dass wir diesen Sonntag haben. Wir lassen uns nicht unterkriegen.“

Nicht ganz so optimistisch sieht es Iris Lawrenz, Inhaberin von Kindermoden Rumpelstilzchen. „Das Kundenaufkommen ist nicht so dolle“, sagt sie und meint, im Vorfeld dieses Sonntags eine gespaltene Reaktion der Wermelskirchener Einwohner gespürt zu haben.

„Die einen fanden es klasse, die anderen unverantwortlich.“ Sie hofft im Laufe des Nachmittags auf ein erhöhtes Kundenaufkommen. Direkt nebenan ist die Bergische Apotheke geöffnet. Für Inhaberin Ulla Buhlmann ist das Öffnen an diesem Sonntag selbstverständlich. „Ich zeige damit meine Solidarität“, sagt sie überzeugt und führt lachend hinzu: „Außerdem muss ich noch die Nikolauspäckchen für meine Mitarbeiter packen.“

In der Stadt ist es mittlerweile etwas belebter geworden. Helmut Münscher und Wolfgang Ernhardt spielen auf Posaune und Trompete Weihnachtliches, manche Besucher sind mit adventstauglichem Outfit wie grüner Wichtelmütze unterwegs, Kinder schauen in glitzernde Schaufenster.

Familie Unterscheidt steht an der Telegrafenstraße am Getränkestand, die Erwachsenen mit Glühwein, die Kinder mit Kakao. „Es ist nicht wichtig, ob heute in der Stadt viel oder wenig los ist“, befindet Klaus Unterscheidt, „wichtig ist, das überhaupt etwas stattfindet.“ 

Hintergrund

Im gesamten Wermelskirchener Stadtgebiet inklusive Dhünn und Dabringhausen haben sich rund 40 Geschäfte am verkaufsoffenen Sonntag beteiligt. In vierzehn ausgewählten Geschäften warteten 750 Nikolauspäckchen darauf, von Kindern abgeholt zu werden. Die Besucher waren diszipliniert.

Standpunkt

anja.siebel@rga-online.de

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

Im Netz herrschte vorab viel Trubel. Im sozialen Netzwerk Facebook gab es viele Diskussionen darüber, ob so ein verkaufsoffener Sonntag in Zeiten der Corona-Pandemie denn zu verantworten sei – oder eben nicht. „Warum denn nicht, wir können uns doch nicht einsperren“, meinten die anderen. Und: „Für die Händler ist das wichtig.“ Andere waren der Ansicht, man möge sich doch gerade jetzt disziplinieren und solche Angebote, bei denen sich die Menschen knubbeln, besser auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Aber die Wermelskirchener verhielten sich diszipliniert, standen brav an den Geschäften an, wenn es mal zu voll war, und genossen vor allem das etwas andere Ambiente, immerhin an der frischen Luft. 

Was ist richtig und was ist falsch im Augenblick? Das kann wohl derzeit niemand so wirklich beantworten. Wie eigentlich immer zählt das richtige Maß. Und das haben die Veranstalter am Sonntag in Wermelskirchen durchaus akribisch versucht einzuhalten. Es ist ihnen gelungen. Zu Andrang oder Menschenmassen kam es nicht. Und die, die den Sonntag nutzten, haben ihn genossen. Das ist doch schon mal was.

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