Kultur

Vereinsmitglieder sind eine große Stütze

Warten auf die Wiederaufnahme des kulturellen Lebens (von links): Jörg vom Stein, Alfred Karnowka, Michael Dierks und Adrian Kunitz von der Kulturinitiative. Foto: Roland Keusch
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Warten auf die Wiederaufnahme des kulturellen Lebens (von links): Jörg vom Stein, Alfred Karnowka, Michael Dierks und Adrian Kunitz von der Kulturinitiative.

Haus Eifgen und AJZ Bahndamm bereiten sich auf die Zeit nach dem Lockdown vor.

Von Peter Klohs

Wermelskirchen. Die Kultur leidet besonders unter der Corona-Pandemie. Selbst bei den im Oktober noch durchgeführten Kultur-Events war es unabdingbar, auch auf dem Sitzplatz den Mund-Naseschutz zu tragen, was viele Interessierte vom Besuch einer Veranstaltung abgehalten hat. Der WGA hat zwei Kultur-Institutionen in Wermelskirchen gefragt, wie sie mit den Problemen umgehen.

„Wir sind eher traurig, dass das Haus Eifgen nicht öffnen kann“, erzählt der Vorsitzende de Vereins Kulturinitiative Wermelskichen, Michael Dierks. „Wir erkennen an, dass angesichts der aktuellen Fallzahlen etwas getan werden musste. Die Maßnahmen sind gerechtfertigt.“

Timo Meyer (l.) und Junis Peters (r.) vom AJZ-Vorstand.

Im Haus Eifgen sollte im November das 40-jährige Bestehen der Band Farfarello mit Teufelsgeiger Mani Neumann gefeiert werden, inklusive eines Konzertes der drei Musiker. „Da wäre das Haus am 13. November sicher voll gewesen“, weiß Dierks. „Was uns allerdings am meisten fehlt, sind die geschlossenen Gesellschaften, die für die Finanzierung der laufenden Kosten sorgen. Außer unseren Vereinssitzungen findet im November nichts statt. Auch das Wegfallen der Aktion ‚Kunst gegen Bares’ des Kulturausbesserungswerkes in Opladen, denen wir im Haus Eifgen Asyl gewährt haben, schmerzt. Die waren schon zweimal zu Gast und haben sich hier sehr wohl gefühlt.“

Kulturschaffende müssen ihre Kräfte bündeln

„Der Umsatz im November wird Null sein“, weiß Schatzmeister Jörg vom Stein. „Wir sind in der glücklichen Lage, über knapp 280 Mitglieder zu verfügen, die extrem engagiert sind, nicht nur, weil der Großteil von ihnen Künstler sind. Durch dieses hohe Engagement sind wir in einer einigermaßen komfortablen Situation. Das Haus gehört der Genossenschaft Kulturhaus Eifgen, und die verpachtet das an uns. In der jetzigen Krise kann man auch darüber reden, die eine oder andere Zahlung der Pacht auszusetzen.“

„Es ist schwierig, die fehlenden Sozialkontakte auszugleichen“, berichten Adrian Kunitz vom Booking-Team und Alfred Karnowka, Vorsitzender des Aufsichtsrates. „Eine Kulturinitiative vonseiten der Stadt täte not. Die neue Bürgermeisterin, Marion Lück, hat dies angekündigt. Wir warten mal ab, ob in dieser Richtung etwas passiert.“

„Was ich in Wermelskirchen vermisse“, sagt Michael Dierks, „ist das Aufeinanderzugehen der Kulturschaffenden. Wir müssten uns alle an einen runden Tisch setzen und unsere Kräfte bündeln, anstatt immer nur unser eigenes Süppchen zu kochen.“

Bis es so weit ist, arbeiten die Verantwortlichen bereits an der Zukunft des Haus Eifgen. Eigene Musiker sollen rekrutiert und durch Profimusiker geschult werden. Auch die jazzspielenden Wasserfuhr-Brüder gehören zu den Fördermitgliedern. So sollen neue Ensembles generiert werden, die auch im Haus Eifgen auftreten könnten. „Und wir brauchen dringend Mitglieder, die unter 50 Jahre alt sind.“

Auch der Vorstand des AJZ Bahndamm ist eher traurig als wütend über das Schließen des Autonomen Jugendzentrums an der Wolfhagener Straße. Timo Meyer und Junis Peters finden die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus auch angemessen.

„Der jetzige zweite Lockdown ist schon anders als der erste“, meint Meyer. „Der erste war nicht beschränkt, und wir wussten alle nicht, wie lange das alles andauert.“ Aber zumindest im kompletten November ist das Jugendzentrum geschlossen.

„Wir sind noch gut dran“, berichten die beiden jungen Männer aus dem Vorstand, „weil keiner, der hier tätig ist, davon leben muss. Wir sind alles Ehrenamtler. Die Heizungskosten und die Unterhaltung der drei Probenräume im Haus übernehmen unsere 160 Mitglieder. Die ausgefallene Vinyl-Börse wird schnellstmöglich nachgeholt. Unsere Mitglieder reagieren wohlwollend, da meckert keiner. Und wir haben große Hoffnung, dass wir ganz schnell wieder in den Betrieb einsteigen können, wie er vor Corona war.“ 

NEUER ANLAUF

AJZ Bahndamm: Im AJZ Bahndamm soll im Dezember ein Konzert des Liedermachers Götz Wiedmann stattfinden. Außerdem erwartet man Originalmitglieder der Kultband „Ton Steine Scherben“ zu einem Akustik-Konzert.

Haus Eifgen: Im Haus Eifgen stehen zwei Konzerte der weltweit einzigen weiblich besetzten Deep-Purple-Tribute-Band auf dem Programm. Außerdem sollen nach der Zwangspause die Les Searle Meisterswingers spielen.

Standpunkt

leon.hohmann@rga.de

Ein Kommentar von Leon Hohmann

Es trifft die, die eh schon immer zu den Geringverdienern gehörten. Die Auswirkungen der Corona-Krise sorgen bei den Kulturschaffenden für mehr Existenzsorgen als nur zu tiefen Falten auf der Stirn. Gerade erst haben sich einige Künstler und Veranstalter nach dem ersten Lockdown berappelt – da schickt die Bundesregierung sie in eine zweite Zwangspause. „Der Umsatz wird gleich null sein“, sagt Eifgen-Schatzmeister Jörg vom Stein und trifft damit den Kern des Corona-Problems. Konnten sich bemerkenswerte Kulturprojekte in Wermelskirchen und der Region durch treue Konzertbesucher und regelmäßige Einnahmen durch Mitgliedsbeiträge finanzieren (allen voran das Haus Eifgen), so bleiben nun auch die spärlichsten Einnahmen durch Konzerte und andere Veranstaltungen aus. 

Wir können uns glücklich schätzen, wenn alle Künstler und Veranstalter den „Lockdown light“ überleben. Fest steht schon jetzt: Sie werden nach der Corona-Pause jede Hilfe benötigen, die ihnen die Wermelskirchener anbieten können. Sonst wird es düster. Jeder einzelne Verlust ist ein Verlust für das öffentliche wie kulturelle Leben.

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