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Vereine nehmen Coronavirus sportlich

Seit Mitte März durften auch Befugte den Platz in Pohlhausen nicht mehr betreten. Archivfoto: Andreas Dach
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Seit Mitte März durften auch Befugte den Platz in Pohlhausen nicht mehr betreten.

Mit Online-Angeboten, selbstgenähten Masken und treuen Mitglieder geht es durch die Krise

Von Markus Schumacher

54 Teilnehmer machten beim ersten „Wohnzimmer-Workout“ des Turn- und Sportvereins (TuS) Wermelskirchen mit: „Das sind ja mehr, als in die Turnhalle gepasst hätten“, freut sich Vorsitzender Norbert Galonska über die Resonanz auf das Fitnessangebot.

Norbert Galonska berichtet von erfolgreichen Online-Programmen des TuS Wermelskirchen.

Er selbst war eine Stunde später bei, „Power circle“ mit 21 weiteren Teilnehmern vor dem PC am Start. „Da musste ich dann aber bald aussteigen“, gibt der Vorsitzende zu, „das war mir zu anstrengend.“

Bis zu den Sommerferien bietet der Verein online jeden Tag ein Mitmach-Programm für seine rund 720 Mitglieder plus die Teilnehmer der Gesundheits- und Reha-Kurse an. Wie man mitmachen kann, steht auf der Homepage.

www.tus-07.de

Bald könnte es auch Außen-Angebote geben

Der TuS sieht noch mehr Möglichkeiten für Sport in Coronazeiten: „Unsere Übungsleiterin Waltraud Klein verfügt über ein großes Gelände, auf dem wir Außenangebote – auch für Reha – mit Sicherheitsabstand anbieten können. Sobald die Regelungen da etwas ermöglichen, werden wir das machen“, verspricht Galonska.

„Bislang haben wir das Glück, dass niemand wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie aus dem Verein ausgetreten ist“, sagt der TuS-Vorsitzende.

Diese Freude kann auch Kirsten Buchner, die Geschäftsführerin des Sportvereins 09/35 Wermelskirchen teilen: „Unsere Mitgliederzahl ist konstant bei etwa 700.“ Dafür sei der Verein sehr dankbar. Gestartet sei jetzt auch ein eigener Youtube-Kanal des Vereins, bei dem Übungen vorgemacht werden. Buchner weiß: „Aus unserer Steppgruppe machen da schon einige mit.“

Ob sich für den SV 09/35 der Verkauf von „Geisterspieltickets“ lohne, sei doch sehr ungewiss. Buchner: „Wir haben bald wieder Vorstandssitzung, da überlegen wir noch.“

Den Dank an die treuen Mitglieder möchte Anne Überholz, 1. Vorsitzende des Wermelskirchener Turnvereins (WTV) 1860, als Erstes loswerden: „Wir stehen immer noch bei mehr als 1600 Mitgliedern.“ Auch die Übungsleiter, die derzeit keine Übungen leiten können, hielten dem Verein die Treue.

Einzelne Abteilungen würden sich über moderne Kommunikationskanäle austauschen und auch Onlinetrainings anbieten. „Doch am traurigsten ist das Ganze doch für die Älteren“, meint die WTV-Vorsitzende, „die sind zum Teil seit 40 Jahren zusammen. Und jetzt dürfen sie keinen Sport zusammen betreiben, sich nur noch anrufen. . .“

Beim Sport- und Spielverein (SSV) Dhünn rollt schon länger kein Ball mehr – dafür surrten die Nähmaschinen:

„SSV DHN“ steht auf den selbstgenähten Masken des SSV Dhünn.

„Wir Trainerfrauen haben 80 Masken mit SSV-DHN-Aufdruck genäht“, berichtet Jana Markovic. Neben ihr haben Jacqueline Böge (von der Ersten) und Svenja Weber (F-Jugend) genäht. Der Dank der Trainerfrauen geht an Jessica Felderhoff, die nicht Mitglied ist, aber trotzdem die Masken geplottert hat. Jana Markovic berichtet: „Innerhalb einer Stunde waren alle Masken gegen eine Spende verkauft.“ Nachschub gebe es aber erstmal nicht, da alle wieder arbeiten müssten.

Zur Unzeit kam die Pandemie für Turn- und Rasensport (Tura) Pohlhausen. Denn eigentlich wollte der Verein in diesem Jahr ganz groß sein 125-jähriges Bestehen feiern. Doch statt Jugendsportwoche, Tag der offenen Tür, Skatturnier oder Walking-Fußball gab es nur Absagen. „Deshalb sind wir umso dankbarer, dass unsere knapp 300 Mitglieder alle bei der Stange bleiben“, berichtet Geschäftsführer Dirk Hohlmann. Man habe zuletzt immer gut gewirtschaftet, so dass man ein Polster habe. 

Sport

Kern der Corona-Schutzverordnung ist die Kontaktreduzierung und das Verbot des Sportbetriebs und der Zusammenkünfte in öffentlichen und privaten Sporteinrichtungen. Erlaubt ist hingegen das private Sporttreiben im öffentlichen und privaten Raum unter Einhaltung der Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen.

Standpunkt: Es lebe der Sport

Von Markus Schumacher

Die Wermelskirchener bleiben ihren Sportvereinen treu. Das ist doch eine gute Nachricht in schlechten Zeiten. Und alles andere als selbstverständlich.

Aber dafür tun die hiesigen Klubs ja auch Einiges: Fast alle bieten jetzt Online-Mitmach-Programme an. Der Sport wird einfach per PC oder Smartphone in die heimische Stube verlegt. Irgendwann sollten aber auch die Sportstätten wieder öffnen dürfen. Auch auf Kunstrasen kann man ja Abstand halten und Hygiene-Standards wahren. 

Leider wird man aber auch den Eindruck nicht los, dass es vielen Leuten sogar zu gefallen scheint, dass derzeit so Vieles verboten ist. Da wird zum Beispiel so getan, als sei es ein moralisches Vergehen, wenn die Fußball-Bundesliga wieder loslegen will. Es gibt tatsächlich eine Online-Petition „Coronatests für Pflegepersonal statt Bundesligaspieler“. So ein Quatsch: Als ob Schwester Herta nicht getestet werden kann, weil Robert Lewandowski ihren Test verbraucht. Sozialneid und Missgunst scheinen wohl auch gegen das Coronavirus immun zu sein.

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