Sport

Vereine kritisieren freie Hallennutzung

Die Hallennutzungsgebühren betrugen für die Vereine, die die Wermelskirchener Sporthallen regelmäßig nutzen, bisher 30 000 Euro. Die sollen jetzt wegfallen. Foto: Roland Keusch
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Die Hallennutzungsgebühren betrugen für die Vereine, die die Wermelskirchener Sporthallen regelmäßig nutzen, bisher 30 000 Euro. Die sollen jetzt wegfallen.
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Ausschuss beschließt Gebührenabschaffung. Es gibt Gründe, warum einige Sportler nicht einverstanden sind.

Von Anja Carolina Siebel

Es ist eine Entscheidung für den Sport in Wermelskirchen. Darüber sind sich jedenfalls jene Kommunalpolitiker einig, die im Haupt- und Finanzausschuss für die Abschaffung der Hallennutzungsgebühren für Sportvereine gestimmt haben. Auf jeden Fall müssen die Vereine ihren Obolus für das Jahr 2019 nicht mehr zahlen, möglicherweise kann aber auch schon die Gebühr von 2018 entfallen, hieß es im Ausschuss. Der Beschluss erfolgte mit drei Gegenstimmen: Grüne, Bürgerforum (BüFo) und ein fraktionsloses Mitglied sprachen sich dagegen aus.

Oliver Platt (BüFo) kann das schlüssig begründen: „Ich habe dafür zwar eine Menge Gegenwind kassiert, aber ich stehe zu meiner Meinung“, sagt er.

„Es geht mir um das Wohl der Vereine. Und zwar aller Vereine.“
Oliver Platt, Bürgerforum Wermelskirchen

Die Abschaffung der Hallennutzungsgebühren sei ein Privileg, das zwar vielen Sportvereinen, aber nicht allen Vereinen und Initiativen zugutekomme. „Die Tennisvereine zum Beispiel oder der Jugendclub, aber auch die Musikschule – alle müssen für Trainings- und Übungsflächen zahlen und bekommen keinen Zuschuss.“ Platt ist überzeugt, dass „auch viel politischer Lobbyismus“ hinter der Abschaffung der Gebühren stecke. „Es geht mir aber in erster Linie um das Wohl der Vereine. Und zwar aller Vereine“, unterstreicht Platt. Er wünscht sich vielmehr, dass Hallen saniert würden, statt Gebühren zu erlassen.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel

Bislang zahlten die Vereine, die die Sporthallen im Stadtgebiet nutzen, Hallennutzungsentgelte von 30 000 Euro. Städtische Fördermittel von einst 60 000 Mark, später rund 40 000 Euro, wurden gestrichen, als Wermelskirchens Haushalt wie der vieler Städte und Kommunen in die roten Zahlen geriet.

Sven Dicke, Vorsitzender des Judo-Clubs Wermelskirchen, macht die geplante Abschaffung der Hallengebühren sogar wütend. „Nicht, weil ich den Vereinskollegen anderer Vereine nicht gönne, dass sie das Privileg haben, nicht zahlen zu müssen. Sondern weil wir als Judoclub uns veräppelt vorkommen.“ Ein Jahr lang hatte der Judoclub seit 2016 nach einem neuen Domizil zum Trainieren gesucht – und schließlich Ende 2017 zusammen mit der Praxis Admiraal die Räume der ehemaligen Videothek an der Thomas-Mann-Straße bezogen. Mit viel Eigenleistung war das Dojo entstanden.

HINTERGRUND

GEBÜHRENERLASS Eine sofortige Abschaffung oder gar Rücknahme der Gebührenbescheide sei nicht möglich, hatte Bürgermeister Rainer Bleek bereits vor einigen Wochen zum Thema klargestellt: „Die Rechnungen für 2017 sind rausgeschickt, einige Vereine haben bereits überwiesen.“ Außerdem sei das Haushaltssicherungskonzept genehmigt.

„Wir hatten vorher sehr oft bei der Stadt wegen einer Hallennutzung angefragt“, berichtet Dicke. „Das war aber nie möglich. Wir brauchen fast täglich mehrere Stunden unseren Platz.“ Dass der nicht vorhanden sei, sei zwar einzusehen. Unterstützung für das Dojo gab es von städtischer Seite aber auch nicht. „Und das ist aus unserer Sicht einfach ungerecht“, findet Sven Dicke.

Klaus Junge hat als Vorsitzender des Stadtsportbundes indes viele Argumente, warum er die Hallennutzungsgebühren ablehnt. Er hatte im Namen des Sportbunds Ende August einen entsprechenden Antrag gestellt, der jetzt durch die entsprechenden Gremien ging: „Für mich war das eine Entscheidung, die aufgrund des Haushaltssicherungskonzepts getroffen wurde, schlicht eine Sparmaßnahme“, sagt Junge. „Dass uns einerseits die 40 000 Euro öffentlicher Zuschuss gestrichen und andererseits die 30 000 Euro Kosten auferlegt wurden, war äußerst ungerecht. Dem Breitensport fehlte jahrelang dieses Geld.“

Sven Dicke würde sich mehr Entgegenkommen von öffentlicher Seite wünschen: „Natürlich wollen wir nicht, dass alle für ihren Sport zahlen. Aber eben auch nicht selber Eigenleistung bringen, während andere das nicht müssen. Das ist ungerecht.“ 

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