Gastronomie

Vegetarisches Café Tilley öffnet am 22. Juli

Angela Borchert mit dem Gemälde der „Tilley“. Das wird bald im Café hängen. Foto: Anja Carolina Siebel
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Angela Borchert mit dem Gemälde der „Tilley“. Das wird bald im Café hängen.
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Im alten Bierhahn kredenzt Gastronomin Angela Borchert besondere Spezialitäten.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Wer den alten Bierhahn noch kannte und jetzt ins Café Tilley kommt, wird die Räume kaum wiedererkennen. Auf 100 Quadratmetern haben Pächterin Angela Borchert und ihre Helfer ein kleines Café-Paradies geschaffen. Alles ist einen Ton heller geworden. Angela Borchert hat die schweren, dunkelbraunen Tische abgebeizt und die Deckenlampen vom Nikotin-Film befreit. Der Außenbereich ist neu gestaltet, es gibt eine große Fensterfront. Und so vieles mehr ist geschehen im alten Bierhahn.

Fast vier Monate hat Angela Borchert mit ihrer Frau Nicole und vielen Handwerkern und Freunden nun dort gewerkelt. Und am 22. Juli kann sie ihr Café Tilley endlich eröffnen. Ursprünglich sollte es eine Feier geben. Aber die findet aufgrund der Corona-Pandemie nun nicht statt.

Auch während der Umbauphase gab es viele Hürden, denn die fiel zu einem großen Teil in die Zeit des Lockdowns. „Ich stand viele Tage mit meiner Frau allein da und habe geschuftet“, erinnert sich die Unternehmerin. Hinzu kamen hin und wieder Seitenhiebe – „von Menschen, die die vegetarische und vegane Lebensweise ablehnen“, sagt Angela Borchert. Aber die harte Zeit ist nun fast vergessen. Vor allem mit Blick auf das Geschaffene ist die Betreiberin des Cafés recht stolz. „Es ist richtig schön geworden“, kann sie heute sagen.

„Das Gemälde hat mich von Anfang an fasziniert.“
Angela Borchert

52 Plätze gibt es im Innenbereich, 20 draußen. Derzeit ist der Innenraum noch auf 40 Plätze reduziert, einige Tische werden nicht besetzt, um die Abstandsregeln zu wahren. Es gibt kleine, gemütliche Lounch-Ecken, eine große Theke. Und über allem prangt das Bild der Namensgeberin. Denn als Angela Borchert den Bierhahn ganz zu Anfang als geeignete Location ausmachte, machte sie eine besondere entdeckung: „Das Gemälde mit der liegenden Frau aus dem Inventar hat mich von Anfang an fasziniert“, erzählt sie. Nach ein wenig Recherche fand sie heraus, dass die Frau auf dem Gemälde Vesta Tilley war, eine der berühmtesten Männer-Imitatorinnen, die Anfang bis Mitte der 1900er Jahre in der Music Hall auftrat. Angela Borchert war hingerissen – und der Name des Café Tilley geboren. Ihr Gemälde ist nun restauriert und verleiht dem Innenraum ein besonderes Flair.

Am 19. Juli, vor der offiziellen Eröffnung, geht der Betrieb an der Thomas-Mann-Straße schon mit einem Brunch los. Brunchs bietet Angela Borchert regelmäßig an – mit Anmeldung. Für die Gäste gibt es dann Frühstück, vegan oder vegetarisch, ein leichtes Mittagessen und später Kuchen.

Zwei große Kaffeemaschinen sorgen für Kaffeegenuss der Gäste: durch eine fließt Kuhmilch, durch die andere, extra für Veganer, Alternativen.

Zu dem besonderen kulinarischen Angebot möchte die Hausherrin immer mal wieder auch Kulturelles anbieten. Eine Schreibwerkstatt ist beispielsweise schon auf dem Terminkalender. Zudem Kräuterwanderungen. Später soll mit den gesammelten Kräutern der Saison dann ein Gericht verfeinert werden. Und: Kochkurse möchte Angela Bochert anbieten. „Wenn ich mich etwas eingearbeitet habe“, räumt sie ein. Das wird sie mit sechs Mitarbeitern tun, drei festangestellten und drei Teilzeitkräften. „Eine Warteliste mit 450-Euro-Kräften gibt es schon“, berichtet sie. „Das Interesse bei den Bewerbungsgesprächen war wirklich groß. Das hat mich gefreut.“ Nun hofft sie, dass sie auch ihre Gäste überzeugen kann.

Immer wieder gern erinnert sich Angela Borchert an den Tag vor gut einem Jahr, an dem sie in einer Reha-Klinik saß und die Entscheidung traf, nicht wieder in ihren alten Beruf zurückzukehren, sondern genau dieses Café zu eröffnen, das jetzt an der Thomas-Mann-Straße entstanden ist. „Ich bin froh, den Schritt gemacht zu haben und freue mich auf die kommende Zeit“, sagt sie. Mit Blick auf Tilley, die sie von nun an begleitet.  

Termine

Geöffnet ist das Café – erst einmal – von mittwochs bis sonntags von 9 bis 17.30 Uhr. „Ob wir irgendwann auch abends öffnen, steht noch nicht fest“, sagt Angela Borchert.

Nächste Termine für den Brunch mit Frühstück, Mittag und Kuchen sind noch am 2. und 16. August frei (jeweils von 11 bis 15 Uhr. Anmeldung ist möglich:

kontakt@café-tilley.de

Standpunkt

anja.siebel@rga-online.de

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

Angela Borchert geht in ihrer Idee, ein vegetarisch-veganes Café mit allem, was dazugehört, zu betreiben, völlig auf. Aber nicht nur das: Die Neu-Gastronomin hat sich vor der Erfüllung ihres Traumes über zwei Jahre Gedanken gemacht, wie sie das, wofür sie brennt, vernünftig und mit Augenmaß umsetzen kann. Gleichwohl stößt sie mit ihrem Konzept auch immer wieder auf Ablehnung passionierter Fleischesser, wie sie berichtet. Da stellt sich die Frage: Warum? 

Kann es nicht, gerade in Zeiten, wo Tierhaltung und Arbeitsweisen der Fleischindustrie ohnehin auf dem gesellschaftlichen Prüfstand stehen, auch für Fleisch-Fans mal interessant sein, eine Alternative auszuprobieren? Man wird ja nicht gleich zum Veganer, nur weil man mal ein Café besucht, das eben nichts Fleischhaltiges anbietet. Ausprobieren tut nicht weh und Anderem, Neuem eine Chance geben, schon gar nicht. Auch nicht in einer kleineren Stadt wie Wermelskirchen. Und wer es nicht mag, kann ja fernbleiben. Und trotzdem jenen die Chance lassen, die sich dafür entscheiden. Leben und leben lassen. Das sollte auch in der Gastronomie gelten.

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