Corona-Krise

Urlaubsbuchungen liegen aktuell bei null

Carsten Gatzsche wirbt trotz Corona fürs Reisen. Foto: Gatzsche
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Carsten Gatzsche wirbt trotz Corona fürs Reisen.
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Reisebüro-Inhaber versteht die Entscheidungen der Regierung nur bedingt.

Von Anja Carolina Siebel

Carsten Gatzsche macht keinen Hehl aus seinem Frust. Der Inhaber des Reisebüros „Travellounge“ an der Eich versteht die Entscheidungen, die am Mittwoch bei der Besprechung der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin gefallen sind, nur bedingt. Denn gleichwohl das Reisen mit dem neuerlichen Lockdown ab Montag nicht verboten sein wird, weiß der Touristiker: „Für uns in der Reisebranche bedeutet das eben auch neuerliche Einbußen.“

Gatzsche wird die Öffnungszeiten der „Travellounge“ aus diesem Grund ab Montag – wie bereits im März – einschränken, nur noch drei Mal in der Woche von vormittags bis mittags öffnen. Er wird deutlich, wenn er sagt: „Mit Schüren von Angst und Grauen kommt bei den meisten verständlicherweise keine Urlaubsstimmung auf. Somit liegt bei mir die aktuelle Nachfrage bei null.“ Seine Kritik geht in Richtung Bundesregierung. Er hätte sich eine andere Kommunikation von dort gewünscht, sagt er: „Zum Beispiel wäre uns in der Reisebranche geholfen, wenn nicht immer Angst vor dieser drohenden Quarantäne nach Rückkehr gemacht würde.“

„Reisen ist sicherer, als es uns von der Regierung erklärt wird.“

Carsten Gatzsche, Reisebüro Travellounge

Es sei während der Sommermonate häufig so gewesen, dass Touristen in Gebiete verreist seien, die zunächst noch kein Risikogebiet waren. „Die Ankündigung lautete aber immer: Sobald das Gebiet zum Risikogebiet erklärt wird, droht die Quarantäne. Davor hatten die meisten Angst. Vor allem Arbeitnehmer, die sich vor Konsequenzen beim Arbeitgeber sorgten.“

Aus eigener Erfahrung wisse er aber, dass „das Reisen oft sicherer sei als das Leben zuhause“. „Ich war beispielsweise vor drei Wochen noch auf einer Kreuzfahrt um Griechenland herum“, erzählt Gatzsche. Schon nach der Anreise auf Kreta seien bei allen teilnehmenden Touristen Corona-Schnelltests gemacht worden. „Erst dann durften wir in den Bus und dann aufs Schiff.“

Insgesamt habe er sich während der Reise zwei Mal einem Test unterzogen. Und: „Die Crew war natürlich auch getestet und die ganze Zeit über geschlossen auf dem Schiff. Ich habe mich selten so sicher gefühlt wie auf dieser Reise.“ Die Bereitschaft zu reisen sei vor allem bei älteren Menschen jetzt noch da. „Sie trotzen oft der Situation und sagen: Warum sollten wir das jetzt nicht tun?“ Fuerteventura sei beispielsweise gerade ein beliebtes Reiseziel, vor allem deshalb, weil die Kanaren derzeit kein ausgewiesenes Risikogebiet sind.

Aber auch, dass die Bundesregierung für die Türkei ab November eine Reisewarnung herausgeben will, versteht der Wermelskirchener nicht. „Ich weiß, dass etliche Hoteliers sich da während der vergangenen Monate mit ihren Hygienekonzepten haben Tüv-zertifizieren lassen, ganz bewusst vom unabhängigen Unternehmen aus Deutschland. Es ist nicht fair, dass gerade dort jetzt niemand mehr hinfahren will.“ Im Sommer habe er Urlaub im Allgäu gemacht. „Das war da zum Teil voller als auf der Schinkenstraße auf Mallorca“, sagt er. Und appelliert an seine potenziellen Kunden: „Sprecht doch einfach mit Menschen, die sich in den Zielgebieten auskennen und wissen, wie die Lage vor Ort ist. Es ist teilweise sicherer und entspannter als in Deutschland.“

Standpunkt: Leben mit dem Virus

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga-online.de

Mag sein, dass jetzt einige die Hände über dem Kopf zusammenschlagen werden. Oder ihn vor Unverständnis schütteln. Dennoch: Die Frage, warum das Reisen derzeit geradezu tabu ist, darf zumindest erlaubt sein. Denn wie so oft in dieser Zeit gibt es auch hier Nuancen. Natürlich ist es nicht nachvollziehbar und völlig unverhältnismäßig, jetzt in einen Partyurlaub zu starten oder sich auf Reisen mit Kreti und Pleti zu treffen. Warum aber sollte man nicht mit dem Auto oder, ja, auch mit dem Flugzeug, an einen Ort reisen, an dem kaum etwas los ist und man sich ein wenig entspannen kann? Wer sich seines eigenen und des Risikos anderer um ihn herum bewusst ist, der kann das machen. Denn verboten hat es niemand. Und da wären wir auch schon bei der Eigenverantwortung, die künftig wichtiger denn je sein wird. Denn im Dezember wird das Virus nicht verschwunden sein. Selbst wenn – wunschgemäß – die Infektionszahlen dann wieder im erträglichen Rahmen sind. Und dann? Werden wir lernen müssen, mit der Pandemie weiterzuleben. Und dieses Leben findet eben in der Regel nicht nur in den eigenen vier Wänden statt.

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