Einsatz

Unterburg: Einsatz für Retter belastend

Das Hochwasser stellte die Einsatzkräfte vor große Herausforderungen.
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Das Hochwasser stellte die Einsatzkräfte vor große Herausforderungen.

Gruppenführer der Freiwilligen Feuerwehr berichtet von seinen Eindrücken und denen seiner Kameraden.

Von Anja Carolina Siebel

Das Seniorenzentrum mit abgedecktem Loch.

Ralf Fleschenberg kann so leicht nichts erschüttern. Seit 37 Jahren ist er aktiv bei der Feuerwehr Burg, inzwischen Einheitsführer. „Ich bin die Ruhe selbst“, sagt der Solinger. Die verheerende Flut nach dem Starkregen heute vor zwei Wochen hat indes selbst dem erfahrenen Feuerwehrmann kurzzeitig die Zuversicht genommen. „So etwas habe ich in all den Jahren nicht erlebt“, berichtet Fleschenberg, immer noch sichtlich mitgenommen von den Ereignissen.

Viele Menschen haben in Unterburg ihr Zuhause verloren, auch einige seiner Feuerwehrkameraden. „Sie haben zuerst am Einsatzort geholfen und mussten dann daheim weitermachen“, berichtet der Einheitsführer.

Als die Einsatzmeldung „Hochwasser“ am Mittwochnachmittag die Freiwilligen Wehrleute der kleinen Einheit Burg erreichte, waren die Wehrleute noch recht gefasst. „Das kannten wir ja schon von Jahren zuvor, und mit mehr hatten wir auch gar nicht gerechnet. Im Laufe des Einsatzes wurde dann aber recht schnell klar: Das war nicht wie sonst, das war dramatischer.“ Wupper und Eschbach sorgten gleichermaßen für überflutete Straßen.

Gegen Abend spitzte sich die Lage vor allem für die Unterburger dramatisch zu. Im Einsatz waren inzwischen sowohl alle Kräfte der Solinger Feuerwehren, und auch aus Remscheid war bereits Verstärkung gekommen. „Vor allem die beiden Senioreneinrichtungen der Diakonie, die am tiefsten Punkt von Unterburg untergebracht sind, hatte es hart getroffen“, berichtet Fleschenberg. Als das Wasser drohte, die Gebäude dort völlig zu spülen, musste die Feuerwehr in einer dramatischen Rettungsaktion die zum Teil schwerst an Demenz erkrankten Bewohner sowie die Pflegekräfte retten. Alles andere als einfach: „Die Lage hatte sich so zugespitzt, dass wir ein Loch ins Fachwerk schneiden mussten, um die Leute liegend da rauszuholen.“ Zum Teil wurden die bettlägerigen Menschen mit Unimogs zum sicheren Rettungswagen gebracht.

„Der Zusammenhalt ist das Wichtigste.“

Ralf Fleschenberg, Gruppenführer

Und dann der Schock: „Irgendwann nachts kam die Meldung, dass aufgrund der volllaufenden Wupper eine über drei Meter hohe Flutwelle Unterburg erreichen könnte“, erinnert sich Fleschenberg. Ein Graus für die Retter, dass sie nun das tun mussten, was sie in ihrer Berufung am ärgsten trifft: „Wir wurden angewiesen, uns selbst in Sicherheit zu bringen.“

Einige der schwerkranken Menschen und zwei Pfleger mussten sie deshalb für mehrere ungewisse Stunden in der Residenz zurücklassen. „Das war vor allem für die jungen Kollegen sehr traumatisierend“, erzählt der Wehrleiter. „Unsere Aufgabe ist es doch, zu helfen. Und das konnten wir hier gerade nicht.“ Einige Stunden später die erlösende Nachricht: Die Flutwelle blieb aus, die Hilfsaktion in der Einrichtung konnte beendet und die Menschen gerettet werden.

Seine „Jungs“ musste Fleschenberg in den folgenden Stunden und Tagen immer wieder ermahnen, Pausen einzulegen. „Die waren so motiviert, die wollten einfach helfen, dem Grauen für die Menschen so schnell wie möglich ein Ende setzen“, erzählt der Chef.

Bei einem solchen Einsatz sei es auch völlig egal, ob ein Helfer nun von der Feuerwehr, vom THW oder der Polizei vor Ort sei. „Wir sind alle eins. Und in der Feuerwehr, da sind wir sowieso eine Familie.“

Die Tätigkeit, die die freiwilligen Wehrleute neben ihren regulären Jobs verrichten, sei für sie „eine Berufung. Wir sind ja auch die einzige Löscheinheit in Solingen, die immer gleichzeitig mit der Berufsfeuerwehr alarmiert wird“, erklärt Ralf Fleschenberg. „Wir haben ein großes Aufgabengebiet und machen eigentlich alles - wir retten, schützen, bergen, löschen.“

Aber an diesem Mittwoch und den darauffolgenden Tagen, da konnten sie vieles eben nicht mehr retten. „Viele Menschen haben alles verloren, das zehrt natürlich auch an uns“, sagt Fleschenberg. Umso wichtiger sei der Zusammenhalt. Bei der Feuerwehr und in Unterburg. „Der bleibt, und das ist das Wichtigste.“ | Standpunkt

Spenden

Die Freiwillige Feuerwehr Burg hat einen Förderverein, der Spenden entgegennimmt. Der Verein verfolgt das Ziel, zusätzliche Sicherheitsausbildungen, Anschaffung und Erweiterung der Ausrüstung, Kameradschaftspflege und die Arbeit der Löscheinheit zu unterstützen. Derzeit werden Spenden für die Wehrleute eingesetzt, die durch das Hochwasser Hab und Gut verloren haben. Weitere Spenden sollen der Gemeinde Unterburg zugutekommen.

www.fff-solingen-burg.de

Standpunkt: Danke von Herzen

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Der Zusammenhalt ist das Wichtigste“, sagt Ralf Fleschenberg von der Feuerwehr Solingen-Burg. Und das ist meist bei der Feuerwehr so. Die Einsatzkräfte, die nur zum Teil hauptamtlich, zu einem großen Teil auch freiwillig ihren Dienst tun, neben ihren regulären Jobs, haben es sich zur Aufgabe gemacht, dort hineinzugehen, wo andere flüchten. Um zu retten, was zu retten ist. Am Beispiel der Wehrleute aus Burg sieht man einmal mehr, dass sie das selbstlos tun, denn einige von ihnen haben bei dem verheerenden Hochwasser selbst ihr Zuhause verloren und hatten nach ihrer belastenden Arbeit kein Bett zum Schlafen, keine Dusche und keine Waschmaschine. Helfen wollten sie trotzdem unbedingt. Die Spende der Evangelischen Stadtkirchengemeinde fließt also genau an die richtige Stelle. Und kann stellvertretend als Dank an alle Retter stehen, die bei solchen Einsätzen wie vor zwei Wochen ihr Leben riskieren, um das anderer zu retten. Man kann ihnen nur von Herzen Danke sagen und hoffen, dass sie ihr unermüdliches Engagement niemals verlieren. Und dabei natürlich gesund und unverletzt bleiben.

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