Bluesrock

Ungewaschene und wütende Soundwände

Mit gleich zwei Gitarren heizte Kris Pohlman dem Musikclub im Haus Eifgen kräftig ein.
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Mit gleich zwei Gitarren heizte Kris Pohlman dem Musikclub im Haus Eifgen kräftig ein.

Blues-Gitarrist Kris Pohlman heizte am verregneten Donnerstagabend im Haus Eifgen ein.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Wermelskirchen. „I’ll give you more Blues“ – das röhrte Kris Pohlman am Donnerstagabend in das mit rund 40 Besuchern angenehm gefüllte Haus Eifgen. Nur um dann in „One Day Baby“ einzusteigen, eine krachende Breitseite wüsten Bluesrocks, wie ihn ein ungewaschener und wütender Bastard von Gary Moore und Stevie Ray Vaughan auch nicht schöner hinbekommen hätte.

Da war nicht viel mit Feingeistigkeit, Ziseliertheit oder verschnörkelten Stuck-Ornamenten – die Decke dieses Blues-Hauses wurde mit der elektrisch verstärkten Dampframme unbarmherzig bearbeitet. Und es passte auch ganz hervorragend, dass Pohlman über weite Strecken des Abends eine Gibson Les Paul-Gitarre spielte. Kaum ein anderes Instrument konnte in den richtigen Händen schöner kreischen und jaulen, als die von Musikern liebevoll „Paula“ genannte Gitarre.

I‘ll give you more Blues.

Kris Pohlman, Musiker

Gekreischt wurde zwar sonst nicht, aber dafür litt Pohlman – im wirklichen Leben übrigens als IT-Mitarbeiter tätig und in Düsseldorf beheimatet – umso brüllender. Die Stimme des bärtigen Karohemdträgers hatte durchaus das Potenzial, einen auch ohne Mikrofonverstärkung in die Flucht zu schlagen.

Und auch sonst war das, was von der kleinen Eifgen-Bühne kam, eine einzige große Soundwand. Denn der Bass von Jonas Bareiter knarzte verzerrt wie weiland der von Motörheads Lemmy Kilmister und auch das Schlagzeugspiel von Roman Dönicke war weniger filigran als vielmehr enorm wuchtig. Das ergab mit der dreckig verzerrten E-Gitarre Pohlmans eine zähflüssige Mischung, die praktisch keine Soundlöcher offen ließ.

Da klingelten die Ohren immer ein wenig, sobald ein Song zu Ende war, was aber durchaus ein gutes Gefühl hinterließ. Denn war das doch Zeugnis davon, dass die gerade gehörte Blues-Urgewalt alles andere als Einbildung war. Und – seien wir mal ehrlich – manchmal musste es eben einfach krachen. Es konnte nicht immer filigran sein, musste nicht immer den inneren Ästheten mit hochvirtuosen Akustikgitarrenspielereien beglücken. Manchmal musste es einfach die ungewaschene und wütende Soundwand sein, deren Schalldruck einem die Haare aus der Stirn wehten, während die tiefen Bassfrequenzen sich tief in den Magen gruben.

Das bot das Trio um den trotz aller musikalischer Bärbeißigkeit extrem sympathischen Sänger und Gitarristen in sehr eingängigen Songs wie dem melodischen „Fallin‘ Down“ – bei dem die „Paula“ erstmals einer ziemlich ramponiert aussehenden Fender Telecaster weichen musste.

Dabei wurde auch überdeutlich, dass auch brachiale Musik gekonnt sein wollte. Denn nicht nur war das Trio sehr gut aufeinander eingespielt – was sich vor allem bei den bisweilen ausgiebigen Improvisations-Parts zeigte. Das Verständnis funktionierte praktisch blind.

Ganzkörpermassage mit Schallwellen fürs Publikum

Und auf der anderen Seite bewahrte einen auch die stärkste Verzerrung nicht vor einer gewissen Virtuosität. Denn auch hier war das Trio mehr als gut aufgestellt. Da fiedelte sich nicht nur der bärtige Gitarrist quer und auf und ab über das Griffbrett seiner Sechssaitigen. Auch ausgiebige – und durch die Verzerrung noch einmal deutlich an Wucht gewinnende – Bass-Soli gab es zu bewundern.

Und zu beklatschen, was das Publikum dann auch im Verlauf des kurzweiligen Abends gerne und sehr ausgiebig tat. Hatte es doch sichtlich Gefallen an dieser etwas anderen Ganzkörpermassage mit Hilfe von Schallwellen gefunden. Fraglos war das Trio aus dem Großraum Düsseldorf nämlich auch einmal eine willkommene Abwechslung zur sonst eher nicht ganz so harten Beschallung im Haus Eifgen gewesen. Gern mehr davon.

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