Ukraine-Krieg: Firmen verlieren wichtige Vertriebskanäle

Die Firma Suer Nutzfahrzeugtechnik ist Spezialist für Fahrzeugbauteile, Fahrzeugbeleuchtung und Ladungssicherungsprodukte. Foto: Nick Deutz
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Die Firma Suer Nutzfahrzeugtechnik ist Spezialist für Fahrzeugbauteile, Fahrzeugbeleuchtung und Ladungssicherungsprodukte.

Unternehmen Suer blickt sorgenvoll auf die Lage in Osteuropa

Von Nick Deutz

Der Krieg in der Ukraine stellt die Weltwirtschaft auf eine neue, harte Probe. Wegen der Pandemie sind die globalen Lieferketten ohnehin noch gestört – jetzt kam eine weitere Hiobsbotschaft hinzu: Viele Kooperationen mit russischen Unternehmen wurden und werden gestoppt oder zerschlagen sich. Auch in Wermelskirchen gibt es mehrere Firmen, die auf dem Weltmarkt eine Rolle spielen und wirtschaftliche Beziehungen nach Russland und Osteuropa besitzen.

So zum Beispiel die Firma Suer Nutzfahrzeugtechnik GmbH & Co. KG, europaweit eines der führenden Produktions- und Handelsunternehmen für Fahrzeugbauteile, Fahrzeugbeleuchtung und Ladungssicherungsprodukte.

„Die Märkte in Osteuropa sind wichtig und für uns immer noch ausbaufähig. Der russische Markt hat einen Anteil von 15 Prozent vom gesamten Export aus dem Stammsitz in Wermelskirchen. Jahrzehntelanger mühseliger Aufbau von Vertriebskanälen in Russland wird jetzt von heute auf morgen abgeschnitten sein“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter Jörg Suer.

Im Unternehmen blickt man zudem sorgenvoll auf die Auslandsniederlassungen in Polen und Litauen. Insbesondere in dem südlichsten Baltikumsstaat geht angesichts der russischen Invasion die Angst um. „Unsere Mitarbeiter in der Niederlassung Suer Baltic in Litauen sind schon seit einigen Jahren über so ein Szenario beunruhigt und deshalb sehr angespannt. Wir beliefern von dort auch nach Belarus, aber das wird jetzt sehr wahrscheinlich eingestellt“, schildert Suer.

In der Niederlassung Suer Polska, nahe dem Dorf Widziszewo, gebe es ebenfalls reichlich Verunsicherung. Allerdings würden sich die Menschen dort auf das Bündnis der Nato verlassen und auch nicht daran glauben, dass der russische Angriff weiter reichen wird, als bis an die ukrainische Grenze.

Für die gesamtwirtschaftliche Situation des Unternehmens bedeutet der Angriffskrieg von Wladimir Putin zunächst einmal vor allem die sofortige Aussetzung der deutsch-russischen Zusammenarbeit. „Die Folgen sind im ersten Schritt für unser Unternehmen nicht dramatisch, aber wir werden uns für längere Zeit von unseren russischen Freunden verabschieden müssen“, sagt Suer. Er schließe aber nicht aus, dass die freundschaftlichen Beziehungen des Wermelskirchener Unternehmen zu ihren Partnern in Russland in Zukunft noch einmal aufgenommen werden könnten. Auch einige ihrer europäischen Kunden sind davon betroffenen. Diese haben Beziehungen nach Osteuropa, da sie Montagewerke in Russland haben, um die von der Regierung gewünschte Lokalisierung und Steuererleichterung für die Endkunden zu erreichen. „Hier werden wir in naher Zukunft auch Umsatzeinbrüche erfahren. Die indirekten Folgen wie zum Beispiel Preissteigerungen und Verknappung von Aluminium und Stahl sind wahrscheinlich nicht so einfach einzuplanen“, berichtet Suer.

Unternehmer hält Sanktionen trotz allem für notwendig

Die harten Sanktionen gegen Russland empfindet er in jedem Fall als absolut notwendig. „Ich hätte – bis vor zwei Wochen – auch niemals mit so einem starken internationalen und vor allem europäischen Zusammenhalt, mit so einer Schlagkraft, gerechnet“, sagt Suer. Zu einer neuen Ära in der Europäischen Union würde es aus seiner Sicht aber sowieso nur mit einem Regierungswechsel in Russland kommen. Den größten Profit aus den scharfen Strafen des Westens würde seiner Meinung nach wiederum vor allem eine ganz andere Großmacht ziehen. „China wird sich die Sanktionen zunutze machen und sich in das gemachte Nest setzen“, glaubt Suer.

Die Firma Tente-Rollen, die ebenfalls in Wermelskirchen ansässig ist und Standorte in der ukrainischen Hauptstadt Kiew sowie in Moskau hat, wollte sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht detaillierter zu den Geschehnissen vor Ort äußern. Die aktuelle Lage sei wirtschaftlich und politisch komplex, heißt es aus dem Unternehmen. Signifikante Auswirkungen auf das Geschäft werden durch den Ukraine-Krieg jedoch nicht erwartet.

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