Ehrenamt

Über 80 und sie arbeiten für die Tafel

Zum 1. Mal hat die Stiftung ProAlter für Selbstbestimmung und Lebensqualität gerade den Engagement Preis 80 + an ehrenamtliche Helferinnen der Wermelskirchener Tafel verliehen (v.l.n.r.): Monika Weber ( 81 Jahre), Helga Vomm (82 Jahre), Helga Hecht-Nowotnick ( 81 Jahre), Käthe Zadow ( 82 Jahre) und Hedy Duhm ( 80 Jahre). Bürgermeisterin Marion Lück überreichte ihnen noch Schutzengel.
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Zum 1. Mal hat die Stiftung ProAlter für Selbstbestimmung und Lebensqualität gerade den Engagement Preis 80 + an ehrenamtliche Helferinnen der Wermelskirchener Tafel verliehen (v.l.n.r.): Monika Weber ( 81 Jahre), Helga Vomm (82 Jahre), Helga Hecht-Nowotnick ( 81 Jahre), Käthe Zadow ( 82 Jahre) und Hedy Duhm ( 80 Jahre). Bürgermeisterin Marion Lück überreichte ihnen noch Schutzengel.
  • Susanne Koch
    VonSusanne Koch
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Stiftung Pro Alter zeichnete zehn Gruppen in Deutschland mit dem Engagement-Preis 80 + aus.

Wermelskirchen. Über die silbernen Schutzengel-Schlüsselanhänger mit dem Wappen der Stadt Wermelskirchen, die ihnen Bürgermeisterin Marion Lück übergab, haben sich die fünf Ehrenamtlerinnen auch sehr gefreut. Sie alle sind über 80 Jahre alt und engagieren sich seit Jahren für die Tafel in Wermelskirchen. Dafür haben sie den Engagement-Preis 80 + von der Stiftung Pro Alter für Selbstbestimmung und Lebensqualität erhalten. Jede von ihnen bekam dafür eine Urkunde überreicht. Und auch Preisgeld gab es: 1000 Euro, die die Fünfergruppe unter sich aufteilt.

„Ich habe die ganze Zeit darüber nachgedacht, warum wir gemeinsam mit neun anderen aus 350 Bewerbungen bundesweit ausgesucht wurden“, sagt Helga Hecht-Novotnick. „Und ich kann es mir nur so erklären, weil hier bei der Wermelskirchener Tafel immerhin zehn Prozent des Teams über 80 Jahre sind.“

Die Arbeit zusammen mit unterschiedlichen Menschen, die Gemeinschaft, die Freude am Geben, überhaupt die ehrenamtliche Tätigkeit – das alles sind Gründe, die die ehrenamtlichen Damen im Pressegespräch aufzählen. „Ich kam von Remscheid nach Wermelskirchen“, erzählt Käthe Zadow. „Und da ich alleinstehend bin, habe ich mir eine neue ehrenamtliche Tätigkeit gesucht. Die habe sie 2016 bei der Tafel gefunden.“ In Remscheid sei sie auch schon ehrenamtlich in der Stockder Stiftung tätig gewesen. „Ich habe dort viele Jahre Waffeln gebacken.“

Monika Weber hatte durch die Zeitung erfahren, dass die Wermelskirchener Tafel ehrenamtliche Kräfte brauche. Sie ist schon seit 15 Jahren dabei. „Ich arbeite in der Lebensmittel-Ausgabe“, sagt sie. „Und ich finde es toll, hier mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun zu haben.“ Sie brauche einfach den Austausch mit den Menschen. „Mit den Jahren wurden es immer mehr Bedürftige“, sagt sie. „Aber das macht mir nichts. Toll finde ich, wie gut wir uns untereinander im Tafel-Team verstehen.“

Bevor Helga Vomm von einer Freundin motiviert wurde, sich für die Tafel einzusetzen, hatte sie noch nie etwas davon gehört. „Ich finde es ist eine sehr erfüllende Tätigkeit“, sagt sie. Arbeiten sei sie Zeit ihres Lebens gewohnt, sie hätten ein Geschäft gehabt und sie habe vier Kinder groß gezogen. Sie arbeite bei der Tafel auch in der Lebensmittel-Ausgabe. Normalerweise seien die Menschen, die zur Tafel kommen und Lebensmittel mit nach Hause nehmen, sehr freundlich. „Wenn das mal nicht der Fall ist, regeln wir das sehr schnell“, sagt sie. „Mit der Zeit kennen wir unsere Pappenheimer.“ Es sei auch klar, dass Moslems kein Schweinefleisch essen würden und andere Dinge, die sich eingespielt haben. Sie genieße auch die Gemeinschaft im Team und das gemeinsame Frühstück bevor die Arbeit beginnt.

Eine liebe Nachbarin hat auch Hedy Duhm aktiviert. „Ich habe quasi ihren Platz eingenommen“, sagt sie. „Und da ich viel Zeit habe, sortiere ich zuerst Brot, Brötchen und Gebäck, bleibe dann aber meistens länger und helfe das Gemüse weiter zu sortieren.“

Auch Verwaltungsaufgaben fallen bei der Tafel an

Helga Hecht-Nowotnick ist seit der Gründung ehrenamtliches Tafel-Mitglied. „Wir haben mit unserer Ausgabe am 7. Mai 2008 gestartet“, sagt die 81-Jährige. „Und weil ich Betriebswirtschaft studiert und später als Abteilungsleiterin am Berufskolleg tätig war, habe ich mich dazu entschieden, Verwaltungsaufgaben zu übernehmen, das heißt ich bin für die Personalplanung zuständig, für die Statistik, die Registrierung und vieles mehr.“ Sie ist sich sicher, dass die Arbeit bei der Wermelskirchener Tafel so gut laufe, weil alle im Team so gut zusammenarbeiten würden. „Es steht und fällt mit dem Team“, sagt sie.

Hintergrund

Die Tafel sucht weiterhin nach geeigneten Räumlichkeiten. Sie benötigen für die Lagerung und Ausgabe der Lebensmittel sowie die Kleiderkammer Räumlichkeiten in einer Größe von rund 400 m². Die Räumlichkeiten sollten ebenerdig bzw. behindertengerecht sein.

Tel.: (0 21 96) 8 82 45 57; info-@wermelskirchener-tafel.de).

Standpunkt von Susanne Koch: Ehrenamt hält jung

susanne.koch@rga.de

Auf dem Pressetermin konnten sich alle davon überzeugen: Das Ehrenamt hält jung. Die fünf Über-80-Jährigen sehen gut aus und sind dynamisch. Und sie verraten ein Geheimnis: Weil sie während ihrer Tätigkeit eigene Zipperlein und manchmal sogar Schmerzen vergessen, wirkt diese manchmal wie ein Jungbrunnen.

Die fünf Damen und ihr Engagement bei der Wermelskirchener Tafel sind nur ein Beispiel dafür, was Frauen und Männer selbst im hohen Alter noch leisten können. Wem die Tafelarbeit nicht liegt, der findet bestimmt in anderen Feldern eine Tätigkeit, die für ihn richtig ist. Das hört man am Ende von allen Menschen, die ihre Zeit in den Dienst der Gemeinschaft stellen, nicht nur die anderen haben etwas davon, auch sie profitieren davon.

Und eines ist ganz sicher: Unsere Gesellschaft wäre um vieles ärmer, wenn wir nicht auf so viele Ehrenamtliche bauen könnten, die das Leben vieler Menschen angenehmer machen.

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