Wiedersehen

TuRa-Kicker blicken auf ihre goldenen Zeiten zurück

Wiedersehen in Pohlhausen: Rüdiger Ruttmann, Hans Ossowski, Erich Bönisch und Eckhard Gärtner (v. l.) gehörten zu den Fußballern, die TuRa nach dem Zweiten Weltkrieg zum Erfolg führten.
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Wiedersehen in Pohlhausen: Rüdiger Ruttmann, Hans Ossowski, Erich Bönisch und Eckhard Gärtner (v. l.) gehörten zu den Fußballern, die TuRa nach dem Zweiten Weltkrieg zum Erfolg führten.

Großes Wiedersehen nach 60 Jahren – „Oldies“ erinnern sich an große Siege in Pohlhausen.

Von Theresa Demski

Wermelskirchen. „Das waren wir“, sagt Rüdiger Ruttmann und zeigt auf das alte Mannschaftsbild, das im Vereinshaus „Am Silberberg“ von TuRa Pohlhausen an der Wand hängt. Die Jungs tragen einfache Hosen, Trikots und sie blicken stolz in die Kamera. „Unsere erste Trainerin war meine Mutter“, erzählt der 82-Jährige dann und schmunzelt.

Cläre Ruttmann – ihr Name ging in die Vereinsgeschichte ein. Denn sie war es, die dem Fußball nach dem Zweiten Weltkrieg in Pohlhausen wieder eine Chance gab: Der TuRa fehlte eine Seniorenmannschaft, der Betrieb des Traditionsvereins schien keine Perspektive zu haben. Bis 1952: Damals gründete Cläre Ruttmann mit ein paar Fußballern von der Straße eine Jugendmannschaft.

Ob dann nicht ein heilloses Chaos auf dem Platz geherrscht habe bei so vielen untrainierten Jungs? „Überhaupt nicht“, sagt Rüdiger Ruttmann und wenn er erzählt, dann scheinen seine Augen ein bisschen zu leuchten. „Wir waren die Nachkriegsjugend. Und wir hatten ein unglaubliches Zusammengehörigkeitsgefühl.“

Drei Jahre später gingen die Jungs als Seniorenmannschaft auf den Platz, TuRa konnte wieder einen Spielbetrieb anmelden. Gute Trainer fanden den Weg auf den Platz nach Pohlhausen. Und 1962 feierte die Mannschaft sogar den Aufstieg in die Kreisliga A. Genau 60 Jahre später sitzen einige der Kicker von damals wieder an einem Tisch: Rüdiger Ruttmann und Erich Bönisch, Eckhard Gärtner und Hans Ossowski. Die einen sind in der Region geblieben, die anderen hat es weiter weg verschlagen. Aber zum „TuRa-Oldie“-Treffen sehen sie sich wieder – nach Jahrzehnten.

Zum ersten Mal haben der TuRa-Vorsitzende Rainer Bleek und Geschäftsführer Dirk Hohlmann zum „Oldie-Treffen“ eingeladen. Auf einer Beerdigung habe man sich getroffen und es für höchste Zeit gehalten, endlich mal wieder zusammenzukommen, erzählt Ruttmann, der inzwischen seit 70 Jahren TuRa-Mitglied ist.

Die Vereinsführung recherchierte Daten und Adressen und schickte Einladungen los. Rund 40 Fußballer sind daraufhin nach Unterpohlhausen gekommen – sie haben zwischen 1952 und 1985 auf dem Platz gestanden. Und teilweise haben sie lange Wege auf sich genommen, um sich noch mal an alter Stätte, gleich neben dem Sportplatz wieder zu sehen. „Natürlich haben die meisten von uns sich erst mal nicht erkannt“, erzählt  Eckhard Gärtner. Ein zweiter Blick, ein vorsichtiges Nachfragen: Und dann liegen sich die Vereinskameraden von damals dann doch in den Armen.

Nein, an den Tag des ersten Aufstiegs könnten sie sich nicht mehr erinnern, sagen die Männer. Auch nicht an den Tag, als sie ein paar Jahre später zum zweiten Mal aufstiegen, bevor sie fast 20 Jahre lang die Klasse hielten. „Aber ich kann mich noch erinnern, dass wir zusammen gefeiert haben“; sagt Eckhard Gärtner, „am Ende mussten sie uns aus der Kneipe werfen.“

Wunden mussten sofort ausgewaschen werden

Und noch eine andere Erinnerung an die alten Zeiten ist ganz lebendig: „Wir hatten hier nur zwei Bälle“, erzählt Erich Bönisch, „mit dem schlechten haben wir trainiert, mit dem guten durften wir nur sonntags spielen.“ Und wenn selbst dem schlechten Ball die Luft ausging, mussten die Jungs ein paar Pfennige zusammenlegen, um einen neuen zu kaufen. „Das waren ganz andere Zeiten“, sagt Bönisch. An Rasen war damals nicht zu denken, stattdessen spielten die Jungs auf Asche. „Es galt die Regel: Wenn einer eine Wunde hat, muss er sie sofort auswaschen“, erzählt Eckhard Gärtner. Um nicht auf ewig Spuren davon zu tragen. „Und wir hatten damals eine ganz schlechte Presse“, sagt Erich Bönisch, „irgendwie waren wir immer die Jungs aus Pohlhausen, die nicht gut genug waren.“ Das ließen die Fußballer aber selten auf sich sitzen – und zeigten es der Öffentlichkeit durch sportliche Leistung auf dem Platz.

Zum großen Wiedersehen lässt Dirk Hohlmann jene glanzvollen Siege lebendig werden. Er nimmt die Gäste mit in die Vereinsgeschichte, erzählt von Auf- und Abstiegen. Er berichtet den „TuRa-Oldies“ von Karnevalsfeiern und Open-Air-Konzerten, die inzwischen das gesellschaftliche Leben im Verein prägen. Hohlmann erzählt von dem großen Rasenprojekt, das die Sportler mit viel Eigenleistung stemmten und den Fußballplatz in sogenannte „Grüne Asche“ verwandelten.

Hintergrund

TuRa Pohlhausen hatte mehr als 50 Einladungen verschickt. Rund 40 ehemalige Fußballer nahmen an. Zum Wiedersehen hatte die TuRa-Vereinsführung gemeinsam mit Rüdiger Ruttmann alte Fotos und Videos aus den privaten Archiven geholt.

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