Hobby

Tüftler, Schrauber, Rennfahrer

In der Werkstatt bauen sie gemeinsam, bevor sie ihre ferngesteuerten Modellwagen auf die Strecke schicken: Noah und Boris Weber-Schwartz.
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In der Werkstatt bauen sie gemeinsam, bevor sie ihre ferngesteuerten Modellwagen auf die Strecke schicken: Noah und Boris Weber-Schwartz.

Boris Weber-Schwartz und sein Sohn Noah sammeln viele Titel mit selbst gebauten Modellautos.

Von Theresa Demski

Wenn das Signal durch die Halle schallt, dann ist Noah Schwartz hochkonzentriert und voll fokussiert. Er hält in der rechten Hand die Fernsteuerung und regelt damit das Gas. Mit der linken Hand steuert der Zwölfjährige. Und während manch ein erwachsener Fahrer um ihn herum die Ruhe verliert, zu fluchen beginnt, wenn sein Fahrzeug auf dem Dach landet oder es richtig eng wird auf der Strecke, bleibt Noah ganz ruhig. „Es wird ja nicht besser dadurch, dass ich mich aufrege“, sagt er und lächelt.

Also bewahrt er die Ruhe – mitten im Getümmel. Er hat sein Fahrzeug im Blick, verliert die orangenen Blitze auf dem Auto nicht aus dem Blick. „Die Kunst ist es, schnell zu sein und trotzdem in der Spur zu bleiben“, erklärt er. Und das gelingt Noah Schwartz so gut, dass er nicht erst einmal Deutscher Juniorenmeister mit seinem RC-Car wurde – was so viel bedeutet wie funkferngesteuertes Modellauto.

„Wir sind ein Team“, sagt Noah Schwartz und deutet auf seinen Vater. Er hat ihm die Begeisterung für den Modellbau vererbt und er sorgt auch in den meisten Fällen für die Technik hinter dem Erfolg. „Ich bin im Grunde sein Mechaniker“, sagt Boris Weber-Schwartz und lacht. Das Tüfteln und Schrauben liegt den beiden im Blut: Schon mit seinem Vater baute der 51-Jährige Modellflugzeuge. Und als Sohn Noah zur Welt kam, zeigte sich schnell, dass der Junge in die Fußstapfen seines Vaters treten würde.

Noah fuhr schon im Alter von 8 Jahren erste Rennen.

„Ich war zwei Jahre alt und saß auf der Bank im Sandkasten, als ich das erste Mal ein Modellauto gesteuert habe“, erzählt Noah. Da lag hinter seinem Vater schon ein ziemlich erfolgreicher Weg als Modell-Rennboot-Fahrer. Erst mit dem Umzug nach Wermelskirchen hatte Boris Weber-Schwartz seine Teilnahme dann an den Rennen aufgegeben, weil kein Wasser in erreichbarer Nähe war. Damals begann er, RC-Cars zu bauen. Und umso älter sein Sohn wurde, desto öfter machten sich die beiden auf den Weg zum Realschulparkplatz, um die Fahrzeuge auch zu bewegen. „Von Anfang an stellte sich Noah richtig gut an“, erzählt sein Vater, „ich glaube, dazu gehört auch ein bisschen Begabung.“ Also traten die beiden in den AMC Langenfeld ein und fuhren zu den ersten Wettkämpfen. Mit acht wurde Noah zum ersten Mal deutscher Juniorenmeister – Off Road, mit einem Fahrzeug im Maßstab 1:10.

Inzwischen sind Vater und Sohn während des Sommers meist jedes zweite Wochenende mit den Fahrzeugen unterwegs – bei kleineren Freundschaftsrennen und bei großen Wettkämpfen. Dann machen sie sich früh morgens mit Pavillon und Gartenmöbeln, Grill und einer großen Tasche voller Werkzeug auf den Weg und bleiben über das Wochenende an der Strecke. Noah fährt und sein Vater sorgt für erfolgreiche Boxenstopps. Und abends sitzen die beiden mit anderen Tüftlern der Szene zusammen.

„Inzwischen bauen wir auch immer mehr zusammen“, erzählt Noah. Vater und Sohn haben längst Sponsoren auf sich aufmerksam gemacht, die das kostspielige Hobby nun finanziell etwas abfedern. Die neuesten Bausätze kommen per Post. Es dauert kaum zwei Tage bis sie die unzähligen Teile zusammengebaut haben. „Wir fahren sowohl Verbrenner als auch Elektro“, erklärt Boris Weber-Schwartz. Und es gibt viele Stellschrauben, um das Auto an die Strecken anzupassen – von den Federn bis zur Bodenfreiheit, von der Gewichtsverteilung bis zu Öl und Reifen.

Im Sommer fährt Noah zur Europameisterschaft

„Schrauben und Rennen fahren: Das gehört einfach zusammen“, sind sich die beiden einig. Wenn beides gut läuft, winkt am Ende der Pokal. In diesem Jahr steht zum ersten Mal die Europameisterschaft an – nachdem sich Vater und Sohn erfolgreich für den Wettkampf in Bischofsheim beworben haben.

Was die beiden dann bei dem großen internationalen Wettkampf erwarten? „Keine Ahnung“, sagt Noah und seine Augen leuchten ein bisschen, „da sind dann ja auch die richtigen Profis. Mal gucken, was möglich ist.“ Wenn es um die deutschen Meisterschaften geht, sind seine Erwartungen aber deutlich konkreter: „Den Titel verteidigen“, sagt der Zwölfjährige. Und er würde gerne mal im A-Finale mitfahren – in der letzten Runde der Besten. Hier haben Kinder und Jugendliche eher Seltenheitswert. Aber ohnehin haben sich Noah und Boris Weber-Schwartz längst einen Namen in der Szene gemacht – als erfolgreiches Vater-Sohn-Gespann.

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