In Hilgen geboren

Toni Klein feiert ihren 100. Geburtstag

Toni Klein feierte gestern ihren 100. Geburtstag. Foto: Susanne Koch
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Toni Klein feierte gestern ihren 100. Geburtstag.
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Die Seniorin lebt gut betreut noch in ihrer eigenen Wohnung in Tente.

Wermelskirchen. Eingebunden in ihre eigene Familie und die ihres Mannes Werner hat Toni Klein am Mittwoch ihren 100. Geburtstag erreicht. „Immer, wenn ich darüber nachdenke, komme ich zu dem Schluss, dass ich rundum glücklich bin“, sagt Toni Klein in ihrem Wohnzimmer. Sie ist umgeben von einem Teil ihrer Familie. „Ich lebe noch in meiner eigenen Wohnung, werde durch meine Nichte und eine Hilfe betreut und mir geht es einfach gut.“

Geboren wurde Toni Klein in Hilgen. „Meine Mutter starb, als ich drei Jahre alt war und mein Bruder zwei“, erzählt sie. „Meine Oma hat uns dann auf einem Bauernhof groß gezogen.“ Schon als kleines Mädchen war ihr klar, dass sie Verkäuferin werden wollte. „Ich habe meine Lehre in einem Geschäft für Kaffee und Tee in Remscheid angefangen“, erinnert sie sich. „Und dann kam der Krieg. Und es gab ab da keinen Kaffee mehr.“

Sie wechselte zum Konsum Remscheid, arbeitete später in Burscheid an der Telegrafenstraße, in Wermelskirchen und in Tente. „Zwischendurch habe ich auch einen Konsum geleitet“, sagt sie. „Nach meiner Hochzeit habe ich auch noch weiter gearbeitet, dann aber wieder als Verkäuferin.“

Wir haben ein schönes Leben gehabt.

Toni Klein, 100-Jährige

Ihren Mann Werner lernte Toni Klein kennen, als sie in Tente zwei Häuser weiter bei ihrer Tante wohnte. „Ich arbeitete im Konsum, das sich unten in seinem Elternhaus befand“, sagt Toni Klein. Geheiratet wurde 1947. „Wir haben ein schönes Leben gehabt“, sagt die 100-Jährige. „Mein Mann war Handballer und politisch aktiv in der SPD, wo er auch im Stadtrat mitwirkte.“ Die beiden hatten sogar das Glück, ihre Diamantene Hochzeit miteinander zu feiern. Sie waren mehr als 60 Jahre miteinander verheiratet.

Ihr Mann Werner arbeitete zuerst in der Flöringsche Schuhfabrik, später im Büro des Ordnungsamtes Remscheid. „Viele seiner Kollegen und auch sein Chef waren zu Gast in unserer Wohnung“, sagt die alte Dame. „Unsere Ehe ist kinderlos geblieben, da hatten wir auch viel Zeit und Platz, uns mit unseren sechs Nichten und Neffen zu beschäftigen“, sagt Toni Klein. „Sie waren fast jedes Wochenende bei uns und haben sich immer sehr wohl gefühlt.“ Eine ihrer Nichten, die gestern auch zum Geburtstag gekommen ist, nickt und sagt: „Wir wurden dort richtig verwöhnt und hatten es gut.“ Denn hinter dem Haus lagen auch noch Baumhöfe, Wiesen und Gärten. Und in dem Haus wohnten nur Familienmitglieder.

Viel gereist ist das Ehepaar Klein nicht. „Wir waren richtige Wandersleut“, erzählt die 100-Jährige. „Am liebsten im Oberbergischen. Da haben wir auch Menschen getroffen, zu denen ich bis heute Kontakt habe.“ An eine Wanderung erinnert sie sich besonders gerne. „Wir kamen an einen Hochsitz“, erinnert sich Toni Klein. „Daneben stand ein Mann mit einer Gitarre.“ Nachdem sie auf den Hochsitz geklettert war, um ihren Blick in die Ferne schweifen zu lassen, kletterte sie wieder hinunter. „Und dann hat er uns ein Wanderlied gesungen, welches weiß ich nicht mehr, es schallte aber noch lange durch den Wald“, erinnert sich Toni Klein und lächelt froh.

Toni Klein bekommt Unterstützung durch den ambulanten Pflegedienst Carpe Diem. „Und ich habe eine Haushaltshilfe“, sagt sie. Sie liest noch jeden Tag den Wermelskirchener General-Anzeiger. „Und fast immer mache ich auch das Kreuzworträtsel.“ Oben in ihrer Wohnung und unten im Treppenhaus stehen zwei Rollatoren. „Anfangs, da war ich 93 Jahre, wollte ich ja nicht so gerne damit gehen. Aber sie sind eine wirkliche Hilfe.“

Einen Blumenstrauß von Bürgermeisterin Marion Lück

Toni Klein hat zum 100. Geburtstag auch Glückwünsche von Landrat Stephan Santelmann bekommen. „Und Bürgermeisterin Marion Lück war gemeinsam mit einer Begleiterin bei mir und hat mir einen Blumenstrauß gebracht“, sagt die Seniorin. „Am Sonntag werde ich mit meiner Familie essen gehen.“

Hintergrund

Die Zahl der 100-Jährigen in Deutschland steigt unerwartet schnell an. Grund ist einer Demografie-Studie der Universität Rostock zufolge die rapide sinkende Sterblichkeit ab dem 80. Lebensjahr, die sich seit 1960 in vielen Ländern mehr als halbiert habe. Eine Erklärung sei, dass Ärzte heute insbesondere Herzkrankheiten besser behandeln könnten, hieß es. Hinzu komme das größere Wissen um die eigene Gesundheit. Die Hälfte der geborenen Kinder kann mehr als 100 Jahre alt werden.

Standpunkt: 100 Jahre und glücklich

Ein Kommentar von Susanne Koch

susanne.koch@rga.de

Toni Klein hatte gestern ihren Ehrentag: Die Seniorin feierte ihren 100. Geburtstag. Und dabei wirkte sie rundum glücklich. Bis heute lebt sie in ihrer eigenen Wohnung, betreut von einem Pflegedienst und einer Haushaltshilfe. In ihrer Nachbarschaft lebt aber immer noch der engste Kreis ihrer Familie. Und ihre Familie, ihre Nichten und Neffen und deren Kinder sind und waren ihr wichtig. Das Ehepaar Klein ist selber kinderlos geblieben. So hatten sie Zeit, sich um ihre Nichten und Neffen zu kümmern und sie zu verwöhnen. Toni Klein liebt die Natur und das Wandern. Das war gemeinsam mit ihrem Mann etwas, das sie gerne und so oft wie möglich gemacht hatte. Am liebsten im Oberbergischen. Das Geheimrezept – wie man 100 Jahre alt werden kann – konnte auch Toni Klein nicht verraten. Sie weiß es einfach nicht. Sicher werden die nahe Anbindung an ihre Familie, der Garten hinter dem Haus, ihre Bescheidenheit und die Bewegung durchs Wandern mit dazu beigetragen haben. Heute noch löst Toni Klein das eine oder andere Kreuzwort-Rätsel. Das hält sie fit im Denken. Der WGA wünscht ihr alles Gute.

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