Bühne

Tobias Mann: „Mit Humor kommen wir durch die Krisen“

Tobias Mann tritt in der Kattwinkelschen Fabrik auf.

Von Susanne Koch

Sie wurden in Mainz geboren. Sind Sie der Stadt treu geblieben?

Tobias Mann:Ja, ich bin hier geboren, habe dort studiert, meine Familie gegründet. Hier ist meine Heimat und leben meine Freunde. Aber auch für den Tourneebetrieb ist Mainz ein guter Ausgangsort. Ich kann von hier aus schnell viele Städte erreichen.

Was mögen Sie an Mainz?

Mann:Ich mag die Lebensart sehr. Man bekommt schnell Anschluss, kommt in Kneipen schnell ins Gespräch. Die Mainzer sind sehr begeisterungsfähig. Sie können sich freuen, lustig sein, sie lassen ihren Gefühlen freien Lauf. Das mag ich sehr.

Haben Sie einen Lieblingsort in Mainz?

Mann: Ja, den Lennebergwald. Hier gehen wir spazieren, hier drehe ich meine Joggingrunden, hier haben wir unseren Sohn mit dem Kinderwagen durchgeschoben. Im Lennebergwald finde ich Ruhe. Sehe jetzt aber auch, wie sehr der Wald unter dem Klimawandel leidet, wie er immer trockener wird.

Kennen Sie schon Wermelskirchen und die Kattwinkelsche Fabrik?

Mann:Ja, ich habe schon mehrfach in der Kattwinkelschen Fabrik gespielt. Mir gefällt der Spielort sehr, besonders das Gebäude. Und ich mag die Menschen. In Wermelskirchen ist immer eine sehr gute Atmosphäre. Wenn ich auf die Bühne komme, habe ich immer sofort als Akteur ein gutes Gefühl. Ich freue mich sehr darauf, dass ich wieder auftreten kann und dass das in der Kattwinkelschen Fabrik klappt.

Wie bereiten Sie sich auf Auftritte vor?

Mann:Das Leben geht unaufhörlich weiter. So lebt auch mein Programm immer weiter fort. Es erstarrt nicht, es ist immer im Fluss und in Bewegung. Ich reagiere täglich auf gesellschaftliche und politische Ereignisse. Mein Programm klopfe ich immer darauf ab, was noch aktuell ist, was geändert werden muss. Meine Lieder sind der feste Bestandteil in meinem Programm. Sie widmen sich alle den großen Themen, die immer aktuell bleiben.

Wann fallen ihnen die Stücke ein, haben Sie feste Zeiten, in denen Sie arbeiten?

Mann:Feste Zeiten würde ich mir sehr wünschen. Ich bin aber ein News-Junkie. Ich will immer up to date sein. Und das endet quasi nie. So bin ich ständig auf Empfang. Und wenn etwas ins Programm rein muss, puzzle ich es rein. Derzeit passiert sehr viel Negatives auf der Welt. Da ist es mir ganz wichtig, meinen Humor nicht zu verlieren. Denn nur mit einer guten Portion Humor kann man das alles ertragen.

Mit welchen Themen befassen Sie sich?

Mann:Mit gesellschaftlichen Phänomenen. Und die verarbeite ich auf eine extrem subjektive Art. Ständig ist bei mir etwas in Bewegung. Das macht es aber auch für mich immer spannend und interessant. Wenn ich nur einen Text, die ganze Tournee wiedergeben würde, würde es mir langweilig. Auch wenn an einem Abend etwas passiert, eine Panne oder beispielsweise ein Zwischenruf, dann baue ich das spontan ein. Ich mag es auch, wenn ich mir das Publikum erst erarbeiten muss, das hält mich frisch, fit und alert.

Sie haben Wirtschaftswissenschaften studiert und mit dem Diplom-Kaufmann Ihre Berufskarriere gestartet, haben Sie anschließend ein Studium gemacht, das Ihnen heute weiterhilft?

Mann:Nein, aber ich habe mit 12 Jahren schon auf der Bühne gestanden, zuerst in der Mainzer Fassnacht, dann im Schultheater, in anderen Theater- und Musikgruppen. Da habe ich unendlich viel gelernt, wie man mit dem Publikum umgeht oder auch mit Lampenfieber. Schon während des Studiums war mir eigentlich klar, dass ich auf der Bühne stehen will. 2005 wurde ich dann professioneller Kabarettist. Und es hat ja geklappt.

Sie haben Ihr Programm „Mann gegen Mann“ genannt. Was verbinden Sie damit?

Mann: Während der Corona-Pandemie war ich oft alleine, habe dann in inneren Dialogen mit mir gesprochen oder auch schon mal gestritten: Mann gegen Mann. Und dann kommt auch noch das gesellschaftliche Phänomen hinzu, wie sich die Menschen heute begegnen. Oft werden sich heute nur noch Positionen entgegen geschrien. Es gibt ein Gegeneinander in der Gesellschaft. Und das versuche ich auf eine satirische und humorvolle Art und Weise auf die Bühne zu bringen.

Wo übernachten Sie auf Ihren Tourneen?

Mann:Früher sind wir von Ort zu Ort gefahren. Heute mag ich das nicht mehr so, sondern suche mir eine Stadt in der Mitte meiner Auftrittsorte, ich schaffe mir dann ein kleines Zuhause. Wir – das sind mein Techniker und Tourbegleiter, Hans-Jörg Lawall und ich. Ich mag es, wenn jemand am Pult steht, der das Programm in- und auswendig kennt.

Wie regeln Sie Ihr
Familienleben?

Mann:Wenn ich auf Tournee bin, dann sehe ich meine Frau und meinen Sohn meist ein paar Tage nicht. Aber das schöne an meinem Beruf ist, dass ich dann auch wieder Zeiten habe, wo ich zu Hause bin. Dann kann ich meiner Rolle als Vater und Ehemann gerecht werden. Das verlangt immer ein gewisses Organisationsgeschick, aber mit den Jahren haben wir das perfektioniert.

Was ist Ihnen besonders wichtig an Ihrem Beruf?

Mann:Ich möchte den Menschen – trotz der schweren Themen, mit denen wir derzeit konfrontiert sind – durch den Abend, ein wenig Leichtigkeit mitgeben. Denn nur mit Humor kommen wir gut durch die Krisen.

Auftritt

9. September, 20 Uhr, Kattwinkelsche Fabrik, Vorverkauf 18 Euro, Abendkasse 22 Euro plus eventuell Gebühren.

kattwinkelsche-fabrik.de

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