Engagement

Tierheim legt bei Abgaben Veto ein

Günter Leuerer würde sich über Kooperationen mit anderen Tierheimen freuen.
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Günter Leuerer würde sich über Kooperationen mit anderen Tierheimen freuen.

Nur Fundtiere und Tiere aus dem Ausland werden am Aschenberg angenommen.

Von Anja Carolina Siebel

Sommerzeit ist oft keine gute Zeit für Tiere. Häufig hört man davon, dass Hunde oder Katzen gerade in der Ferienzeit wieder abgegeben oder ausgesetzt werden. Günter Leuerer, Leiter des für Wermelskirchen und Hückeswagen zuständigen Tierheims am Aschenberg, hat dafür nicht nur keinerlei Verständnis: „Wir nehmen solche Abgabe-Tiere bei uns nicht an“, zieht er eine klare Grenze. „Das können wir personell und finanziell überhaupt nicht leisten.“

Das Tierheim erreichen aber ständig solche Anfragen. „Gerade hat ein Mann angerufen, der berichtete, er habe sich Ende 2021 einen Labrador-Welpen angeschafft – und jetzt bemerkt, dass er eine Allergie habe. Wir bieten den Leuten dann an, eine kleine Anzeige mit Beschreibung und Foto des Tieres auf unsere Website zu setzen“, sagt Leuerer. „Der erwähnte Mann hat uns sogar die Daten zugeschickt; die meisten machen das aber gar nicht, weil ihnen selbst das zu lästig ist.“ Das Tierheim biete den Service einer solchen Anzeige kostenlos an.

Was derzeit häufig vorkomme, seien Anfragen von Menschen, die sich während der Corona-Zeit Hunde ins Haus geholt und diese bei dubiosen Züchtern aus dem Ausland gekauft hätten. Leuerer: „Dann stellt sich hinterher vielleicht raus, dass die Tiere nicht gesund sind – und die Leute wollen sie nicht mehr. Auch denen können wir nicht helfen, das würde unseren Rahmen einfach sprengen.

„Bei den Tierheimen fehlt die Bereitschaft zur Kooperation.“

Günter Leuerer, Leiter Tierheim Wermelskirchen

Leuerer findet, dass der Gesetzgeber verantwortlich sei und etwas tun müsse gegen den illegalen Welpenhandel. „Leider setzen sich aber auch die Tierschutzvereine nicht hinreichend ein. Das meiste, was da kommt, sind Lippenbekenntnisse“, ist Leuerer enttäuscht. Er denke, dass man schon regional etwas tun könne, zum Beispiel mit einer Kooperation der Tierheime. „Wir haben ja hier eine Tierheim-Dichte. Leider fehlt aber die Bereitschaft, zu koordinieren und so vielleicht Synergien nutzen zu können.“

300 000 Euro benötigt das Tierheim jährlich. Davon müssen sämtliche Kosten, inklusive der für acht Mitarbeitende, zwei Vollzeit- und sechs Teilzeitkräfte, gestemmt werden. „8000 Euro bekommen wir laut Fundtiervertrag von der Stadt Hückeswagen und 15 000 Euro von der Stadt Wermelskirchen“, rechnet der Tierheimleiter vor. Laut Vertrag muss das Tierheim aufgefundene herrenlose Tiere, meist Hunde, erst einmal aufnehmen. „Wir konnten die Verträge mit beiden Städten vor kurzem neu verhandeln und bekommen jetzt fast das Doppelte im Vergleich zu vorher“, berichtet Leuerer. „Das hilft uns natürlich.“

Hinzu kämen 21 000 Euro Mitgliederbeiträge des Tierschutzvereins und 125 000 bis 130 000 Euro an Spenden. „Und den großen Batzen müssen wir über Vermittlungsgebühren erwirtschaften“, sagt der Leiter des Tierheims.

Dass man ein Tierheim allein mit ehrenamtlichen Kräften betreiben könne, würde oft behauptet, erzählt Leuerer, sei aber „völliger Quatsch. Wir beginnen unsere Arbeit in aller Frühe, müssen die Tiere versorgen und alles saubermachen, bevor wir um 11 Uhr für Besucher öffnen. Bis dahin muss alles erledigt sein, Hintergrundarbeiten können wir noch durchführen, aber die Reinigung und Pflege muss gemacht sein, und wie sollen das Ehrenamtler schaffen?“ Viele der Tiere, die derzeit am Aschenberg leben, kommen aus einem privaten Tierheim in Bosnien-Herzegowina. „Da haben wir gute Erfahrungen gemacht“, sagt Leuerer.

    „Und weil wir vorher mit den Leuten intensiv sprechen, sie kennenlernen und abklopfen, ob sie wirklich bereit sind für ein Haustier, gibt es bei uns auch praktisch keine Rückläufer.“ Es sei wichtig, die Menschen einschätzen zu können und mit ihnen „einen Draht“ zu haben, bevor man ein Tier in ihre Obhut gebe. „Wir dürfen aber auch nicht zwanghaft an den Tieren festhalten“, räumt er ein. „Ziel soll ja sein, dass wir die Tiere rasch in ein schönes Zuhause vermitteln.

Besuchszeit

Wer ein bestimmtes Tier kennenlernen möchte, darf täglich (auch an Wochenenden und Feiertagen) ohne vorherige Terminabsprache in den Vermittlungszeiten von 11 bis 14 Uhr im Tierheim Wermelskirchen, Aschenberg 1, Tel. (0 21 96) 56 72 vorbeischauen.

Standpunkt: Gefährte fürs Leben

anja.siebel@rga.de

Für die meisten Haustierbesitzer ist die Vorstellung, ihr Tier irgendwann irgendwo wieder abzugeben, unvorstellbar. Und das ist auch gut so. Ein Haustier, jedweder Art, sollte ein Familienmitglied werden und bis zu seinem Lebensende auch dort zu Hause sein. Sicher kann es wegen schwerer Krankheit oder Tod eines Besitzers dazu kommen, dass ein Tier verwaist. Das sollte aber die absolute Ausnahme sein. Gerade während der Corona-Zeit haben sich viele Tiere ins Haus geholt, weil sie viel Zeit daheim verbracht haben.

Das ändert sich nun wieder, das Leben draußen hat begonnen, man geht wieder ins Büro. Zum Leidwesen der Tiere, die in manchen Fällen dann lästig werden. Ein Tier benötigt aber nun mal Zuwendung, Pflege, Zeit - und Geld. Es kann krank werden, mehr Pflege benötigen, es verliert Haare und die Wohnung ist nicht immer lupenrein. All das sollte man berücksichtigen. Und wer das nicht mag, kauft sich am besten ein Stofftier.

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