Gebührenordnung

Tierarztkosten: Sorge um Vierbeiner

Der Gang zum Tierarzt kann inzwischen ein teures Unterfangen für die Halter werden.
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Der Gang zum Tierarzt kann inzwischen ein teures Unterfangen für die Halter werden.

Veterinäre fürchten, dass Halter jetzt zu spät oder keine ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen könnten.

Von Anja Carolina Siebel

Vielen Tierbesitzern wird das Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Eine neue Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT) trat in dieser Woche in Kraft. Die Gebührenordnung, die seit dem Jahr 1999 erstmals angepasst wurde, regelt sämtliche tierärztlichen Leistungen.

Das Ergebnis dieser Anpassung ist indes vielfach happig. Je nach tierärztlicher Leistung erhöhen sich die Gebühren für die Tierhalter um 20 bis 100 Prozent.

„Spielraum hatten wir allerdings schon vorher in der Kostenkalkulation“, erklärt es der Wermelskirchener Tierarzt Eckhard Bürgener, der seine Praxis seit vielen Jahren an der Thomas-Mann-Straße betreibt. So konnten die Veterinärmediziner auch vor der Gebührenanpassung schon das Zwei- oder Dreifaches des vorgeschriebenen einfachen Satzes für eine Behandlung verlangen. „Das geschah dann meist je nach Aufwand“, erklärt Bürgener. „Wenn ich zum Beispiel eine Katze habe, die sich sehr wehrt und die man eventuell für eine Behandlung sedieren muss, ist das natürlich kostenintensiver als bei einem ruhigeren Tier.“

Neu sei jetzt, dass wirklich jeder einzelne Posten einer Behandlung als Kostenfaktor abgerechnet werde und auch detailliert auf der Rechnung für den Tierhalter ersichtlich sei. „Das bedeutet natürlich auch mehr Aufwand für unser Personal“, sagt Bürgener.

Neu ist auch, dass der Besuch einer Notdienst-Sprechstunde erheblich teurer für Tierhalter wird: „50 Euro Pauschale zahlt der Tierhalter ohnehin“, weiß Tierärztin Uta Schmitt aus Pohlhausen. „Hinzu kommen dann verdoppelte Kosten für die Behandlung. Die Behandlungskosten vervielfachen sich außerhalb der regulären tierärztlichen Sprechstunde also sogar um über 100 Prozent.“

Die Sorge der Tierärzte: „Natürlich ist die Sorge groß, dass Tierbesitzer den Gang zum Tierarzt jetzt eher scheuen“, fasst es Uta Schmitt in Worte. „Und dann gehen sie möglicherweise zu spät oder gar nicht.“ Es gebe viele Erkrankungen, die auch beim Tier ein sofortiges Handeln nötig machen würden. „Und das wird dann möglicherweise versäumt.“

Tierpaten zahlen die Rechnungen

Bei Uta Schmitt haben sich deshalb einige Menschen zusammengefunden, die als Tierpaten einspringen. „Sie haben sich bereit erklärt, für bedürftige Patienten die Kosten zu übernehmen“, freut sich Uta Schmitt. Die Spender seien bereit, einen Teil oder sogar die volle Rechnung zu übernehmen. Zu der Tierärztin haben sie so viel Vertrauen, dass sie ihr zutrauen unterscheiden zu können zwischen jenen, die ihre Rechnung nicht bezahlen wollen und jenen, die es wirklich schwer haben.

Eckhard Bürgener empfiehlt zudem jenen Patienten, die junge, gesunde Tiere haben, eine Tierversicherung abzuschließen. „Das kann sich gerade am Anfang, bei der Anschaffung eines Tieres absolut lohnen. Man hat dann kalkulierbare Kosten und ist auf der sicheren Seite.“ Denn sonst, betont der Tiermediziner, könne eine Operation oder ein Besuch in einer Tierklinik schon mal enorme Kosten verursachen.

Dass die Gebührenordnung nach so langer Zeit einmal angepasst werden musste, darüber sind sich die Veterinäre weitgehend einig. „Allerdings hätte das in dem Umfang meiner Ansicht nach nicht jetzt passieren müssen“, unterstreicht Uta Schmitt. „Jetzt, da ohnehin vieles teurer wird und die Menschen Sorge haben, dass sie vieles nicht mehr zahlen können, da ist das schon hart.“

Im Tierheim bleiben die Türen für Tierhalter, die ihre Tiere abgeben möchten, weil sie die Kosten nicht mehr tragen können oder wollen nach wie vor verschlossen. „Wir hatten das schon mal nach den Corona-Lockdowns, als dann Leute meinten, die neu angeschafften Tiere wieder abgeben zu müssen, weil sie eben doch nicht so gut in den Alltag passten“, berichtet Tierheim-Leiter Günter Leuerer. „Wir denken, dass jeder sich selbst gut überlegen muss, ob er sich ein Tier anschafft und ob er das letztlich auch bezahlen kann.“ Das Tierheim selbst bekommt Sonderkonditionen bei den Tierärzten, damit die Kosten für die Tierschützer nicht übermäßig hoch werden. „Aber das können wir eben nur für die Tiere machen, die absolut in Not sind“, sagt Günter Leuerer.

Verordnung

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hatte vor einiger Zeit die Durchführung einer Studie beauftragt. Die ergab, dass die einfachen Gebühren der GOT nicht mehr ausreichen und nicht mehr zeitgemäß sind. Zuletzt wurde die Verordnung für Tierärzte 1999 angepasst.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Zu Lasten der Tiere

anja.siebel@rga.de

Die Sorge der Tierärzte ist wohl berechtigt. Denn eine Gebührenerhöhung um zum Teil 100 Prozent bei den Tierarztkosten ist gerade in diesen Zeiten wirklich happig. Und das wird Folgen haben. Schon jetzt konnte man häufig verfolgen, dass Tierhalter darüber klagen, nicht genug Geld für den Tierarztbesuch zur Verfügung zu haben. Wie soll das erstmal jetzt sein, da ein Besuch beim Notdienst beispielsweise um mehr als das Doppelte teurer wird.

Umso mehr ist an die Verantwortung jener zu appellieren, die planen, sich ein Haustier anzuschaffen. Wer auch nur daran zweifelt, das finanzieren zu können, der sollte es auch lassen und vielleicht besser mit dem Hund des Nachbarn Gassi gehen. Denn letztlich geht die falsche Sparsamkeit, was Tierarztbesuche angeht, zu Lasten jener, die nun gar nichts dafür kommen: der Tiere. Erst wenn absolut klar, ist, dass man sein Tier bestmöglich versorgen kann, sollte es einziehen.

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