Bilanz

Tief Bernd beschert THW harte Wochen

Mehr als ein Dutzend THWler, die am Samstagvormittag auf dem Gelände in Tente anwesend waren, Fahrzeuge reinigten und Ordnung schafften. Foto:
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Mehr als ein Dutzend THWler, die am Samstagvormittag auf dem Gelände in Tente anwesend waren, Fahrzeuge reinigten und Ordnung schafften.

Ortsverband Wermelskirchen berichtet von seinen Einsätzen nach dem Hochwasser unter anderem in der Eifel

Von Peter Klohs

Wermelskirchen. Die Mitglieder des THW-Ortsverbandes Wermelskirchen konnten sich in den vergangenen vier Wochen über mangelnde Arbeit nicht beschweren. Anstrengende Einsätze mussten bewältigt, zahlreiche Gefahrenlagen eingeschätzt, Lösungen gefunden werden. „Das Tief Bernd hat uns zum Teil richtig böse erwischt“, sagt Zugführer und Baufachberater Marcus Klaar. „Ich kann sagen, dass nur im Ortsverband seit dem 14. Juli 4750 Einsatzstunden verrichtet wurden. Zeitweise waren wir mit bis zu 25 THWlern im Einsatz.“

Die Kraft von fließendem Wasser zeigt sich in Bad Münstereifel.

Der erste Tag des Starkregens war der 14. Juli. Die Mitglieder des Technischen Hilfswerks gingen beim ersten Vollalarm durch die Kreisstelle der Feuerwehr in Bergisch Gladbach noch von einem Ereignis aus, das ein paar Stunden dauern würde. „Das ganze Ausmaß der Katastrophe wurde allen erst allmählich klar“, weiß Zugtruppführerin Daniela Spear. Der Ausbildungsbeauftragte des THW in Wermelskirchen, Andreas Arlt, fügt an, dass der erste Einsatz das Team nach Burscheid zum Gut Landscheid führte, das komplett überflutet wurde. „Wir wurden gebeten, die komplette Sandsack-Logistik aufzubauen, das heißt Füllung, Lagerung, Verteilung und Transport der Säcke inklusive des Verbaus derselben. Und wir waren mit zahlreichen Pumparbeiten beschäftigt, sprich: hauptsächlich Keller leer zu pumpen.“ Dieser Einsatz war auch der erste für die neugegründete Fachgruppe „Wasserschaden / Pumpen“, für die Sven Bleiß verantwortlich ist.

„Das sind Bilder, die brennen sich in die Seele ein.“

Marcus Klaar, Zugführer

Vom nächsten Tag an war das THW eine Woche lang in Leichlingen im Einsatz. „Das komplette Dorf war ohne Strom“, berichtet Daniela Spear. „Da lernt man schnell, wie wichtig es für die Betroffenen ist, das Handy aufladen zu können, alleine um Verbindung zur Außenwelt oder Freunden zu halten.“ Die Wupper war mit einer drei Meter hohen Welle durchs Dorf gefegt und hatte Zerstörungen an Gebäuden und Autos hinterlassen. Ein Damm drohte den Wassermassen nicht standzuhalten. Die Gefahrenlage musste von Marcus Klaar eingeschätzt werden, der die Unterstützung durch Christian Groth, Technischer Berater für Hochwasserschutz aus Gummersbach, gerne annahm. „In solchen Momenten ist es gut, wenn die Verantwortung auf mehreren Schultern ruht“, sagt der Zugführer. Dieser Einsatz endete am 21. Juli.

Überspülte Flure auf Gut Landscheid.

Am 25. Juli ging es nach Bad Münstereifel. „Der Einsatz in Leichlingen war schon anstrengend, aber Bad Münstereifel war deutlich heftiger betroffen, weil die Fließgeschwindigkeit der Flüsse und Bäche größer war. Das bedeutet größere Zerstörung.“ Das wirkliche Ausmaß der Katastrophe erkannte der Einsatztrupp eher durch Zufall. „Wir konnten ein großes Fahrzeug nicht wenden“, berichtet Marcus Klaar, „und mussten bis zur nächsten Stadt fahren, nach Schuld, das ja, obwohl nur wenige Kilometer von Bad Münstereifel entfernt, in Rheinland-Pfalz liegt. Ein Blick auf die Stadt genügte, um zu erkennen, dass dort kein Haus mehr stand. Das sind Bilder, die brennen sich in die Seele ein.“

„Das Leid für die betroffenen Menschen ist teilweise unvorstellbar“, sagt Andreas Arlt. „Wir selbst haben keine traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten, aber die Einwohner sehr wohl. Trotzdem war die Begegnung mit den Betroffenen ausschließlich positiv.“

An der Urfttalsperre war großes Gerät des THW nötig, um die Boote dort zu Wasser zu lassen.

Nach diesem Einsatz, der am 1. August endete, ging es vier Tage später an die Urfttalsperre, rund 25 Kilometer südöstlich von Aachen in der Eifel gelegen. „Das ist eine Trinkwassersperre“, weiß Klaar. „Was wir alles da rausgeholt haben, ist unvorstellbar. Das Gelände war konterminiert, durch Öl und Schlimmeres und wir haben das alles so gut es ging weggeräumt und entsorgt.“ Die Fachgruppe Notversorgung unter Christoph Engels war an diesem Einsatz stark beteiligt. Alle Einsatzkräfte kamen unverletzt zurück nach Wermelskirchen.

Hintergrund

„Nach dem Elbehochwasser 2002 und dem von 2013, bei denen wir in Magdeburg im Einsatz waren, waren die vergangenen vier Wochen schon das nächstgrößte ‚dicke Ding’ für den Wermelskirchener Ortsverband des THW“, weiß Marcus Klaar. Er berichtet davon, dass es für die Einsatzkräfte einen Nachhall gibt: „Wenn man so viel gesehen und zu verarbeiten hat, dann fragt man sich während der täglichen Arbeit schon, ob denn dieses oder jenes gerade jetzt so unglaublich wichtig ist. Der Blick auf das Wesentliche ändert sich.“

Standpunkt

markus.schumacher@rga.de

Kommentar von Markus Schumacher

Unser Autor war nach dem Termin beim Technischen Hilfswerk (THW) richtig begeistert von den Männern und Frauen des Ortsverbands Wermelskirchen. Die hatten zum Pressegespräch eingeladen, um über ihre Arbeit in den vergangenen vier Wochen zu berichten. Und die hatten es in sich: Fast ununterbrochen waren sie im Kampf gegen das Hochwasser und dessen Folgen im Einsatz. Wobei man bedenken muss: 99 Prozent der etwa 80 000 THWler bundesweit sind ehrenamtlich tätig. Los gingen die umfangreichen Hilfseinsätze in der Nachbarschaft. Der erste Einsatz führte nach Burscheid, den zweiten Schwerpunkt bildete Leichlingen. Doch auch in den noch wesentlich schwerer getroffenen Gebieten waren die Wermelskirchener Helfer zur Hilfe. Von zum Teil schrecklichen Bildern berichten sie. Doch die Leiter versichern auch, dass bei ihren Leuten davon nichts hängen bleibt. Es sind halt echte Profis, die da ehrenamtlich im Einsatz für andere sind. Die sich umso mehr freuten, dass sie in den betroffenen Gebieten fast nur auf freundliche und dankbare Anwohner gestoßen sind.

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