Pandemie

Testzentrum schließt im September

Der städtische Beigeordnete Stefan Görnert war im März der erste Proband im Testzentrum am Rathaus. Archivfoto: Doro Siewert
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Der städtische Beigeordnete Stefan Görnert war im März der erste Proband im Testzentrum am Rathaus.
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Der Bedarf sei nicht mehr da, sagt Lebenshilfe-Geschäftsführer Axel Pulm als Betreiber

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Mit der jüngsten Entscheidung der Bundesregierung, Corona-Schnelltests ab Oktober für Ungeimpfte kostenpflichtig werden zu lassen, habe es nicht direkt zu tun. „Aber natürlich wäre es auch sehr aufwendig für uns gewesen, wenn wir uns hätten Gedanken über die Bezahlung der Tests machen müssen“, räumt Lebenshilfe-Geschäftsführer Axel Pulm ein. Fakt ist: Ab September wird das Testzentrum im Foyer des Wermelskirchener Bürgerzentrums geschlossen.

„Wir hatten von Beginn an entschieden, dass wir das Zentrum nur für ein paar Monate, also deutlich zeitlich begrenzt, betreiben“, erklärt der Lebenshilfe-Geschäftsführer. Und schon seit Juli sei ein deutlicher Rückgang der Testungen sichtbar geworden: „Während wir zu Beginn noch um die 400 Schnelltests täglich verzeichneten, sind es jetzt nur noch um die 100.“ Der Aufwand, sagt Axel Pulm, würde sich einfach nicht mehr lohnen. „Auch für unsere Mitarbeiter nicht. Wir hatten ja das Glück, dass wir auch Menschen mit Handicap für den Dienst im Schnelltestzentrum einsetzen konnten. Die brauchen natürlich aber auch eine dauerhafte Aufgabe.“

Ende März hatte die Lebenshilfe das Testzentrum im Rathaus eröffnet, bis zu 20 Menschen können seitdem im Foyer Bürgerzentrums auf ihre Testung warten. Jeder, der sich zuvor angemeldet hat, bekommt das Ergebnis sofort per E-Mail oder direkt aufs Smartphone geschickt.

Die Tests werden in extra dafür im Foyer aufgestellten Pavillons gemacht, um etwas Diskretion zu wahren. Ein Team aus Pflegekräften der Lebenshilfe nimmt die Testungen vor, andere Mitarbeiter übernehmen die Verwaltung, wozu zum Beispiel das Erfassen der persönlichen Daten der Testpersonen gehört. Zuletzt kamen laut Schilderung Pulms zum Großteil Ungeimpfte zur Testung, aber zum Teil auch Geimpfte oder Genesene, die sich so noch einmal Sicherheit verschaffen wollten.

„Es war eine aufregende Zeit und es hat Spaß gemacht, mal eine andere Aufgabe zu übernehmen und mit vielen Menschen in Kontakt zu kommen. Aber jetzt sehen wir den Bedarf einfach nicht mehr“, sagt Pulm. Er vermute auch, dass es mit der Kostenpflichtigkeit der Antigen-Schnelltests ab Oktober noch mal einen deutlichen Rückgang der Bereitschaft, sich testen zu lassen, geben werde.

Einen Rückgang an Testpersonen beobachtet auch Jeanne Altfeld, Leiterin des Schnelltest-Drive-Ins an der Albert-Einstein-Straße. Wir hatten auch mal um die 400 Tests täglich, an den Wochenenden sogar 600. Gerade pendelt es sich so bei 120 bis 130 Tests pro Tag ein“, berichtet sie auf Nachfrage. Weitermachen wolle sie mit ihrem 14 Mitarbeiter starken Team trotzdem erstmal. „Wir müssen dann nur schauen, wie das abrechnugstechnisch aussieht, wenn die Tests kostenpflichtig werden. Damit habe ich mich ehrlich gesagt noch nicht beschäftigt.“

Apothekerin will erstmal weiter testen

„Erstmal schauen“: Das will auch Ulla Buhlmann. Die Inhaberin der Bergischen Apotheke hatte ebenfalls im Frühjahr ihr eigenes kleines Testzentrum mit einigen Mitarbeitern eröffnet. „Natürlich beobachten wir auch gerade schon einen Rückgang, haben die Öffnungszeiten dahingehend angepasst. Möglich, dass wir das irgendwann neben dem Tagesgeschäft laufen lassen. Aufhören wollen wir aber erstmal noch nicht. Wegen der Kosten müssen wir abwarten. Auch, was die Preise angeht. Ich denke nicht, dass viele bereit sein werden, hohe Geldbeträge für einen Schnelltest zu zahlen.“ Auch bei der Montanus-Apotheke heißt es, dass die Testungen erst einmal weiter laufen werden.

Tobias Hopff, Sprecher der Wermelskirchener Hausärzte, hofft nicht, dass mit dem Rückgang der Testzentren wieder ein Batzen Mehrarbeit auf die Praxen zukommt. „Ich habe mich schon vor geraumer Zeit weitgehend von den Schnelltests verabschiedet. Wir konzentrieren uns auf die Impfungen und, klar, führen bei Bedarf PCR-Tests durch. Dabei sollte es meines Erachtens aber auch bleiben.“

Neue Regelung

Die bislang kostenlosen Bürgertests werden bis auf wenige Ausnahmen ab Oktober nicht mehr bezuschusst. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt. Ausnahmen sind für Personen geplant, die – etwa aus gesundheitlichen Gründen – nicht geimpft werden können oder für die keine allgemeine Impfempfehlung vorliegt (insbesondere Schwangere sowie Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren). Wer nicht geimpft oder genesen ist, braucht bei Aufenthalten in öffentlichen Innenräumen weiterhin einen negativen Test.

Standpunkt

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Dass immer mehr Testzentren schließen, bei aktuell wieder steigender Inzidenz, und zudem dem Druck auf Ungeimpfte, sich für bestimmte Aktivitäten testen lassen zu müssen, ist unerfreulich. Denn Schnelltests werden sicher auch weiterhin gebraucht. Nicht nur für Ungeimpfte, sondern auch für jene, die zwar geimpft oder genesen sind, aber etwas besonderes vorhaben oder sichergehen wollen, dass sie aktuell nicht infiziert sind. Denn mit dem Coronavirus anstecken, das ist inzwischen sicher, können sich auch Geimpfte und Genesene. Und sie können auch weiterhin andere mit dem Virus anstecken. Schwierig würde es sicher, wenn nach dem Rückzug vieler Teststationen die Arbeit an den Apotheken und Arztpraxen hängenbleibt, die immer noch bereit sind, zu testen. Klar ist auch noch nicht, wie denn die Finanzierung vonstattengehen soll. Im Augenblick bekommen die Betreiber der Teststationen die Tests vom Bund bezahlt, wobei die erste Abwicklung durch die Kassenärztliche Vereinigung übernommen wird. Es gibt also noch einiges zu klären. Und es bleibt wie immer spannend in der pandemischen Lage.

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