Preyersmühle

Tempo 30 ist nicht möglich– weil hier „zu wenig passiert“

Problemstelle Gehweg: Der ist an der hochfrequentierten Straße schmal und nahezu nicht geschützt.
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Problemstelle Gehweg: Der ist an der hochfrequentierten Straße schmal und nahezu nicht geschützt.

Unfallschwerpunkt Preyersmühle: In ein paar Jahren soll gebaut werden

Von Laura Wagener

Wermelskirchen. Dass es in Preyersmühle knallt, ist keine Seltenheit. Seit Jahren ist die kurvenreiche Landstraße 409, die durch den kleinen Ortsteil führt, für Unfälle bekannt. Alleine in diesem Jahr gab es drei schwere Unfälle: Am 20. Januar verlor ein 28-jährige Remscheider im Kurvenbereich die Kontrolle über sein Fahrzeug, durchbrach ein Metallgeländer am Straßenrand und kollidierte mit der Hauswand eines Mehrfamilienhauses, bevor er mit lebensbedrohlichen Verletzungen in eine Klinik gebracht wurde.

Nur wenige Tage später geriet eine stark alkoholisierte 57-jährige Wermelskirchenerin in den Gegenverkehr und fuhr auf den Gehweg. Danach beging sie Fahrerflucht. Vor zwei Wochen, am 10. Mai, kamen ein 72-jähriger Remscheider und seine 65-jährige Beifahrerin nach rechts von der Fahrbahn ab, beschädigten eine Schutzplanke und stießen ungebremst frontal mit einer Ampel zusammen. Die Verkehrssituation in Preyersmühle ist schwierig, teils gefährlich.

Im Ort steht seit einigen Monaten ein Tempo-30-Schild. Eingehalten werde das quasi nicht, sagen die Anwohner.

Die Geschwindigkeitsbegrenzung liegt bei üblichen 50 Stundenkilometern, aufgrund des Unfalls im Januar und den damit einhergehenden Beschädigungen steht ein vorübergehendes 30er-Schild. Das Problem: Keine der beiden Geschwindigkeiten wird eingehalten. Das Überqueren der Straße ist aktuell nur schnellen Schrittes möglich, da die behelfsmäßige Baustellenampel – unter Bürgermeister Weik wurde diese 2005 aufgestellt – bei dem Unfall Anfang Mai zerstört und daraufhin abgebaut wurde. Bisher gibt es keinen Ersatz, der Fußgängern das Überqueren der Straße erleichtert.

Ich kann zahlreiche gefährliche Erlebnisse schildern.

Anwohner Michael Colomo y Diaz

Generell haben es Fußgänger in Preyersmühle nicht leicht: Statt eines ordnungsgemäßen Gehwegs ist teilweise nur ein schmaler, von Bäumen verhangener Trampelpfad vorhanden. Dort, wo Fußgänger tatsächlich über Asphalt gehen, ist der Weg schmal, teils uneben und an einigen Stellen nur durch Poller oder provisorische Absperrgitter von der Straße getrennt.

Im Januar verlor ein Autofahrer die Kontrolle, krachte gegen eine Hauswand – unter hinterließ ein Trümmerfeld.

„Ich kann zahlreiche gefährliche Erlebnisse schildern“, sagt Michael Colomo y Diaz. Seit knapp zwei Jahren lebt er gemeinsam mit Partnerin und Kind in Preyersmühle. Bei dem schweren Unfall am 20. Januar war er als Ersthelfer vor Ort – Bilder, die er nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Seitdem sei er immer nervös, wenn er Autos auf der Straße beschleunigen höre. „Jeder rast, ob alt oder jung. Busse, Lkws, Traktoren. Es gibt viele Blechunfälle, bei denen mehr hätte passieren können.“ Die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometern hielten viele nicht ein, manche registrierten die Ampel nicht.

Nach dem traumatisierenden Unfall wandte er sich mit der Unterstützung der anderen Anwohner der Preyersmühle an das Landesverkehrsministerium. Sein Vorschlag: Eine Blitzanlage und eventuell Bremsschwellen in beide Richtungen installieren, außerdem die Geschwindigkeit dauerhaft auf 30 Stundenkilometer herabsetzen.

Das Antwortschreiben des Landesverkehrsministeriums fiel jedoch ernüchternd aus: Örtlich zuständig sei die Stadt Wermelskirchen, heißt es, die nächsthöhere Fachaufsichtsbehörde sei der Rheinisch-Bergische Kreis und die obere Straßenverkehrsbehörde, die Bezirksregierung Köln. Kurz: Man sei nicht zuständig.

Fehlverhalten ohne Zusammenhang zur zulässigen Geschwindigkeit.

Das NRW-Verkehrsministerium führt die untersuchten Unfälle auf Fehler der Fahrer zurück

Auf Basis einer Verkehrskontrolle aus dem Jahr 2015 wisse man jedoch, dass rund 7,5 Prozent der Verkehrsteilnehmer in Preyersmühle schneller als 60 Stundenkilometer fahren. Zur Erinnerung: Erlaubt ist 50. Um eine dauerhafte Geschwindigkeitskontrolle zu rechtfertigen, seien zehn Prozent nötig. Auch eine Unfallhäufungsstelle liege nicht vor. In den von Michael Colomo y Diaz aufgezeigten Unfällen der jüngsten Vergangenheit sieht das Ministerium „Fehlverhalten der Fahrzeugführer, die in keinem Zusammenhang mit der Höhe der örtlich zulässigen Geschwindigkeit standen“. Neueste Voruntersuchungen aus der vergangenen Woche, an denen Kreispolizei und Kreis beteiligt waren, bestätigen dies, so die Auskunft des Tiefbauamtes der Stadt Wermelskirchen.

Gleichwohl berichtet das Landesverkehrsministerium, dass der Um- und Ausbau der Landesstraße L 409 bereits auf Rang vier des entsprechenden Programms beim Regionalrat der Bezirksregierung Köln steht. Dadurch könne in wenigen Jahren mit einer Finanzierung der Maßnahme gerechnet werden. Harald Drescher vom Tiefbauamt der Stadt Wermelskirchen bestätigt: „Der Ausbau der Gehweganlage ist schon lange geplant, seit rund 25 bis 30 Jahren.“ Aufgrund des schlechten Zustandes habe die Stadt dies beim Landesbetrieb angemeldet – so sei das Prozedere. „Mehr Einfluss haben wir nicht.“

Drescher rechnet innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre mit dem Beginn der Baumaßnahmen. Zusätzlich zur „komplett neuen Gehweganlage“ werde die Straße grundsaniert. Dass ein solches Anliegen mehrere Jahrzehnte auf der Warteliste hinge, sei normal.

Straßensanierung wird die Probleme kaum lösen

Die Probleme der Anwohner dürften mit der Straßensanierung aber längst nicht gelöst sein. Sie müssen sich aufgrund der Maßnahmen auf eine längerfristige Baustelle einstellen. Außerdem könnte der Ausbau des Rad-/Gehwegs noch zu Unmut führen. Denn die Vorgaben hierfür besagen eine Breite von 2,5 bis 3 Metern. Da die Häuser teils unmittelbar an der Straße stehen, ist das kaum möglich, ohne dass in manchen Fällen der Vorgarten der Anwohner dafür weichen muss.

Immerhin an einer Stelle kann Drescher gute Neuigkeiten mitteilen: Die zerstörte Baustellenampel wird zeitnah durch eine neue ersetzt, vermutlich bereits innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen. Eine dauerhafte Ampel ist erneut nicht geplant: „Das würde zu lange dauern.“ Auch eine fest installierte Blitzanlage sei nicht geplant, aber der Kreis prüfe gerade, ob ein regelmäßiges Blitzen in Preyersmühle möglich sei.

„Wir versuchen da mit unseren Möglichkeiten einzuwirken“, sagt Drescher. Auch verdeckte Geschwindigkeitsmessungen stünden demnächst gegebenenfalls noch einmal an. „Mehr können wir nicht tun als Stadt.“

Tempo 30

Eine dauerhafte Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer hält Harald Drescher für unwahrscheinlich, denn dafür fehle die Argumentationsgrundlage: „Es gibt dort keine Schule, keine Kita, daher wird dauerhaft 30 Stundenkilometer schwierig. Das gibt die Straßenverkehrsordnung nicht her. Dafür müssten mehr Unfälle passieren, auch wenn das verrückt klingt“, erklärt der Leiter des Tiefbauamtes.

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