Telegrafenpassage: Investor sucht Mieter

Die Telegrafenpassage ist noch nicht ganz gefüllt. Foto: Anja Carolina Siebel
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Die Telegrafenpassage ist noch nicht ganz gefüllt. Foto: Anja Carolina Siebel

Kürzlich ist der Lottoladen von Anastasios Pappas ausgezogen – Eine große Fläche ist nun frei

Von Anja Carolina Siebel

Anastasios Pappas macht keinen Hehl aus seiner Enttäuschung: „Ich wäre gern mit meinem Laden in der Telegrafenpassage geblieben“, sagt der gebürtige Grieche, der seit 1989 ein Tabak-, Presse-, Süßwaren- und Lottogeschäft in Wermelskirchen betreibt. Zuerst in der Marktpassage, seit 2010 in der Telegrafenpassage (Eingang Carl-Leverkus-Straße). „Man wollte uns dort nicht mehr“, sagt Pappas.

Anfang Januar ist er mit zwei Mitarbeitern in die Telegrafenstraße 25 umgezogen. In ein größeres Ladenlokal. „Wir freuen uns erstmal, dass wir trotz des Lockdowns normal geöffnet haben dürfen“, ist Pappas dankbar. „Später wollen wir dann überlegen, ob wir unser Sortiment noch erweitern.“

Investor Wolfgang Schmitz-Heinen nennt Gründe, warum er sowohl das Lottogeschäft als auch den Fotoladen nicht mehr in der Passage beheimaten konnte: „Wir mussten den Platz anders verteilen, das Ganze für die Kunden attraktiver machen. Man hat doch gesehen, dass wir jahrelang Leerstände hatten. Das soll es in Zukunft nicht mehr geben.“

„Bisher fanden Fläche und Mieter noch nicht zusammen.“

Wolfgang Schmitz-Heinen, Investor

Aus mehreren Ladenlokalen soll nun ein weiteres entstehen – auf einer insgesamt 300 Quadratmeter großen Fläche. Interessenten gab es schon viele: „Wir haben uns mit dem Vorstand der Tafel die Fläche angesehen und mit dem Kunstverein, der auch schon mal dort ausgestellt hat“, berichtet Wolfgang Schmitz-Heinen.

Auch ein Fahrradladen war schon geplant. „Bisher fanden Fläche und Mieter aber noch nicht zusammen.“ Schmitz-Heinen: „Wir wollen deshalb jetzt erst einmal die Wände entfernen und dann den Raum so zeigen, wie er abschließend auch vermietet werden soll.“ Verzögert habe sich das Ganze unter anderem, weil Mieter nicht bereit gewesen wären, auszuziehen.

Zurzeit werden die Wohnungen im zweiten und dritten Obergeschoss renoviert. „Auch das ist mit Verzögerungen verbunden“, sagt Wolfgang Schmitz-Heinen. „Wir hätten nicht damit gerechnet, dass die so baufällig sind.“ Geblieben aus der ehemaligen Telegrafenpassage sind Ernsting’s Family und Apollo Optik. Neu hinzu kamen bereits die Kita Stöppken, die wie berichtet im Obergeschoss beheimatet ist und bis Sommer noch eine Etage hinzubekommen soll, eine Hausarzt-Gemeinschaftspraxis und der Bioladen Naturata, der am 3. Dezember eröffnete.

Sebastian Zimmermann, der mit drei anderen Geschäftsführern insgesamt sechs Naturata-Läden in der Region betreibt, ist mit dem Start in Wermelskirchen zufrieden. „Wir können uns trotz des Lockdowns nicht beschweren“, sagt Zimmerman. „Wir wissen natürlich nicht, wie es wäre und werden wird, wenn wieder mehr Menschen in der Innenstadt sind, aber wir sind wirklich zufrieden.“

Die Erfahrung würde zeigen, dass zurzeit, im Lockdown, eher die Filialen in den Nebenstraßen profitieren würden. „Wir haben eine Filiale in Köln-Sülz. Da ist gerade eine Menge Betrieb.“

Acht Mitarbeiter beschäftigt Zimmermann in der Wermelskirchener Filiale von Naturata. „Die brauchen wir auch“, sagt er. Denn im Bio-Vollsortimenter geht es eben anders zu als in einem Supermarkt. „Die Leute brauchen Beratung, möchten nicht wissen, wo etwas steht, sondern zum Beispiel, welche Inhaltsstoffe es hat.“

Im Sortiment des neuen Ladens: Gemüse, Obst, Käse, Fleisch und Wurst, Wein, Kosmetika und eine eigene Bäckerei mit frischem Brot, Brötchen und Backwaren. Alles, was es im Supermarkt sonst auch gibt, nur in Bioqualität. Zimmermann hofft, dass nach dem Lockdown noch mehr Menschen den Weg zu ihm in den Laden finden werden.

Und Wolfgang Schmitz-Heinen hofft, dass es mit dem Umbau der Passage zügig weitergeht. „Im Moment läuft es noch so ein bisschen nach dem Motto ‘mühsam ernährt sich das Eichhörnchen‘. Aber wir sind guter Dinge, schnell passende Mieter zu finden.“

Passage

Erbaut wurde die Telegrafenpassage von Stephan Nöcker. 1997 wurde sie feierlich eröffnet. 2007 ging die Passage in den Besitz der Fondsgesellschaft REO Real Estate Opportunities GmbH mit Sitz in Hamburg über. Im Jahr 2017 wurde der vernachlässigte Komplex von der Witte-Group mit Wolfgang Schmitz-Heinen an der Spitze erworben.

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