Corona-Pandemie und Benzinpreis

Taxi-Fahrer wollen Preise anheben

Die Kosten für das Heizen, das Tanken und den Strom sind in den letzten Wochen merklich gestiegen. Was alle merken, belastet Einkommensschwache besonders stark. Und auch die Wirtschaft leidet darunter.
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Die Spritpreise sind auch eine hohe Belastung für die Taxifahrer.
  • Susanne Koch
    VonSusanne Koch
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Unternehmen spüren die hohen Benzinpreise massiv. Die Bundesregierung hat jetzt eine Entlastung beschlossen.

Wermelskirchen. Der Benzinpreis soll befristet auf drei Monate um 30 Cent je Liter gesenkt werden und Diesel um 14 Cent pro Liter. Deutschland habe damit im europäischen Vergleich derzeit mit die niedrigste Energiebesteuerung. Das wurde gestern bekannt gegeben.

Die Benzinpreise sind derzeit exorbitant hoch: Über zwei Euro kosten Diesel und Benzin. Der Umstand belastet nicht nur jeden Autofahrer, sondern besonders auch Logistik- Taxi- und Busunternehmen.

Sheila Dort, Mitarbeiterin der Jet-Tankstelle in Wermelskirchen, findet den Vorstoß der Regierung gut. „Alles, was den Benzinpreis senkt, ist zu begrüßen“, sagt sie. „Ich habe schon von Unternehmen gehört, die an ihre Grenzen gekommen sind und ihre Firma schließen.“ Mitarbeiter weiterer Tankstellen konnten gestern keine Auskunft geben, weil die Inhaber nicht anwesend waren.

Unsere Auftragslage ist nicht rosig. Und wir fahren noch lange nicht das, was wir vor der Corona-Pandemie gefahren sind.

Andreas Wickesberg, Taxi-Unternehmer

„Uns muss auf jeden Fall geholfen werden“, sagt Taxi-Unternehmerin Angela Hübing. Um den Einbruch an Fahrten durch die Corona-Pandemie aufzufangen, fährt sie jetzt alleine, sechs Tage die Woche. „Es finden ja nach wie vor kaum Veranstaltungen statt. Und auch die Kneipen sind lange nicht mehr so voll wie früher, wenn sie überhaupt geöffnet haben.“ Sie hofft darauf, dass die Verhandlungen zwischen Taxi-Unternehmen und dem Kreis Erfolg haben. „Unsere Preise sind schon lange nicht erhöht worden“, sagt die Unternehmerin. „Und da sind ja inzwischen viele Faktoren dazu gekommen, die einen Preisanstieg nötig machen.“ Nicht nur der hohe Benzinpreis, auch die Einbußen, die die Unternehmen durch die Corona-Pandemie schon haben und dazu kommt noch, dass im Oktober der Mindestlohn eingeführt wird.“

Andreas Wickesberg beschreibt die Lage seines Taxi-Unternehmens als schlecht. „Das ist im Moment ein hartes Brot, mit dem wir leben müssen“, sagt er. „Unsere Auftragslage ist nicht rosig. Und wir fahren noch lange nicht das, was wir vor der Corona-Pandemie gefahren sind.“ Deshalb habe er derzeit auch die Wagen reduziert, mit denen er die Menschen zum Ziel bringt. „Morgens haben wir sieben Taxen im Einsatz und unterhalb der Woche abends nur noch zwei“, erklärt Andreas Wickesberg. Von Sonntag bis Freitag wären seine Taxis von 6 bis 23 Uhr im Einsatz. „Freitag und Samstag fahren sie aber 24 Stunden“, sagt der Unternehmer. Irgendetwas müsse geschehen. „Obwohl wir auch erst einmal investieren müssten, sollten die Taxi-Unternehmen Preise erhöhen dürfen“, sagt Andreas Wickesberg. „Wir müssten alleine rund 2000 Euro investieren, um den neuen Tarif auf die Taxameter aufspielen zu lassen und sie anschließend neu zu eichen.“

Er habe sich bisher noch von keinem Fahrer getrennt, sagt Andreas Wickesberg. „Es ist schon wichtig, gute Fahrer zu haben und wenn ich sie entlassen würde, wären sie für unsere Unternehmen weg.“

Er denkt schon mit Schrecken an den Oktober. „Dann werden die 12 Euro Mindestlohn eingeführt“, sagt er. „Und die müssen wir dann auch an unsere Fahrer weitergeben.“  Die Erhöhung der Taxipreise muss mit dem Rheinisch-Bergischen Kreis verhandelt werden. Solch eine Tarifänderung kann allerdings mehrere Monate dauern. Und eine Preisänderung, die im Taxameter geeicht wäre, könnte auch nicht mal eben ohne Aufwand wieder heruntergedreht werden, sollten die Benzinpreise wieder sinken. Schnell wäre nur ein Fahrtkostenzuschuss möglich, der nicht aufs Taxameter aufgespielt würde.

Übrigens: Der Rheinisch-Bergische Kreis gab gestern bekannt, dass derzeit im Kreis keine Verhandlungen über Tariferhöhungen für Taxi-Unternehmer stattfinden.

Benzinpreis

Der Benzinpreis setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen: Zwei Drittel werden durch Steuern und Abgaben bestimmt, das restliche Drittel geht auf den Ölpreis und die Kosten für Verarbeitung sowie die Gewinnmarge zurück. Bei den Steuern und Abgaben gibt es einen festen Abgabenanteil pro Liter. Bei Benzin: 65,45 Cent, bei Diesel: 47,04 Cent. Hinzu kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer und seit dem 1. Januar 2021 die CO2-Steuer, bei Benzin: sieben Cent, bei Diesel acht Cent.

Standpunkt

Ein Kommentar von Susanne Koch

susanne.koch@rga.de

Da hat die Bundesregierung gestern zumindest für eine kurze Zeit, eine Entlastung für alle Tankstellenkunden angekündigt. Der Benzinpreis soll um 30 Cent pro Liter gesenkt werden und der Dieselpreis um 14 Cent pro Liter. Wer eins und eins zusammenzählt, dem wird schnell klar, dass beispielsweise die Taxi-Unternehmen langfristig nur überleben können, wenn sie etwas dazuverdienen können. Durch die Corona-Pandemie haben sie bereits viel weniger Aufträge als vorher, auch bei ihnen steigen die Energiepreise, jetzt müssen sie die teuren Benzinpreise zahlen und im Oktober den Mindestlohn von 12 Euro an ihre Fahrer noch zusätzlich einkalkulieren. Zum Benzinpreis müssen einige Faktoren berechnet werden, die zu den über zwei Euro geschossenen Werten bei Diesel und Benzin geführt haben. Auf die Dauer wird auch den Taxi-Unternehmen nur helfen, ihre Fahrzeuge weg von fossilen Energieträgern hin zu regenerativen Energien umzustellen. Doch auch hier brauchen die Unternehmen staatliche Hilfe: Die Ladeinfrastruktur muss flächendeckend ausgebaut werden. Und es muss eine Förderung für E- Taxen geben.

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