Weg zum Personenbeförderungsschein ist lang

Taxifahren wird in Wermelskirchen vermutlich teurer

Andreas Wickesberg ist Inhaber der Taxi-Zentrale Wermelskirchen. Er sucht dringend neues Personal. Unter anderem wegen des Mindestlohns rechnet er mit einer Gebührenerhöhung von 15 bis 20 Prozent.
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Andreas Wickesberg ist Inhaber der Taxi-Zentrale Wermelskirchen. Er sucht dringend neues Personal. Unter anderem wegen des Mindestlohns rechnet er mit einer Gebührenerhöhung von 15 bis 20 Prozent.
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Gestiegene Kosten und fehlendes Personal macht Unternehmer Andreas Wickesberg zu schaffen.

Von Susanne Koch

Wermelskirchen. Andreas Wickesberg sucht dringend Personal. „Aber das ist heute gar nicht so einfach“, sagt der Chef der Taxi-Zentrale Wermelskirchen. „Wenn sich jemand für die Stelle interessiert und noch keinen Personenbeförderungsschein hat, muss er erst einmal zur Stadt und sich dort anmelden und zum Gesundheitsamt des Kreises zur medizinischen Untersuchung.“ Und das dauere.

Vor Corona konnten die Interessenten direkt ins Wermelskirchener Bürgerbüro gehen und man brauchte auch keine Termine fürs Gesundheitsamt. „Da waren sie in drei Wochen mit ihrem Antrag durch“, sagt Andreas Wickesberg. „Und das lohnte sich dann für potenzielle Fahrer.“ Heute dauere es insgesamt viel länger. Ein zukünftiger Fahrer von ihm musste jetzt vom Gesundheitsamt aus noch eine Augenuntersuchung machen, dafür bekommt er in diesem Jahr keinen Termin bei einem Augenarzt mehr. Ich bezahle ihm daher einen Termin bei einem privaten Augenarzt.“

Heute brauchen potenzielle Fahrer etwa acht Wochen, bis sie den Personenbeförderungsschein haben. „Dann erst beginnen sie zu arbeiten und bekommen dann erst im vierten Monat ihr Geld“, erklärt Andreas Wickesberg. „Und das kann doch jeder nachvollziehen, dass das zu lange dauert und die Leute lieber eine andere Stelle, beispielsweise bei einer Tankstelle, annehmen.“

„Was den Termin beim Bürgerbüro in Wermelskirchen angeht, können wir ihm helfen“, sagt die städtische Pressesprecherin Kathrin Kellermann. „Zuerst einmal bekommt man, wenn man derzeit morgens früh online geht, meistens noch am gleichen Tag einen Termin. Und ab Donnerstag, 18. August, bieten wir jeden Donnerstag von 14 bis 17 Uhr eine offene Sprechstunde im Bürgerbüro an, da kann man dann ohne Termin hingehen.“ Für die Termine beim Gesundheitsamt des Kreises und bei den Augenärzten sei die Stadt nicht zuständig. „Aber wenn jemand beruflich Hilfe braucht, machen wir alles möglich“, sagt Kathrin Kellermann. „Am besten ruft man immer da an, wo man Hilfe bekommen möchte, und erklärt dort alles.“

Andreas Wickesberg hat derzeit acht Fahrzeuge auf der Straße. „Wir fahren aber meistens nur mit fünf oder sechs Autos“, sagt er. „Ich könnte die Wagen voll ausnutzen, wenn ich mehr Fahrer hätte. Denn derzeit sitze ich täglich 14 bis 16 Stunden selbst hinter dem Steuer, irgendwie muss ich den Personalmangel ja ausgleichen.“ Zwölf Fahrer hat er in seinem Unternehmen beschäftigt, fünf davon sind fest angestellt.

Zu schaffen machen dem Unternehmer auch die hohen Benzinkosten, die gestiegenen Anschaffungskosten für ein neues Taxi. „Das ist fünf bis zehn Prozent teurer geworden. Und im Oktober gibt es den Mindestlohn von 12 Euro für alle meine Angestellten.“

Andreas Wickesberg geht davon aus, dass die Taxi-Gebühren für die Kundinnen und Kunden steigen werden. „Ich rechne mit 15 bis 20 Prozent.“

Alles in allem ist die Zeit für den Taxi-Unternehmer nicht leichter geworden – und die gestiegenen Preise machen sich im Portemonnaie bemerkbar. „Ich liebe aber mein Geschäft“, sagt Andreas Wickesberg. „Ich fahre seit über 20 Jahren, selbstständig habe ich mich 2014 gemacht.“

Hintergrund

Die Erhöhung der Taxi-Gebühren geschieht auf Kreisebene. Dort werden die neuen Gebühren zwischen den Taxi-Unternehmen und dem Kreis ausgehandelt. In Köln beispielsweise werden die Gebühren ab dem 1. September erhöht. Etwa zum gleichen Zeitraum wird das auch im Rheinisch-Bergischen Kreis passieren. Ab 1. Oktober müssen die Unternehmen ihren Fahrerinnen und Fahrern einen Stundenlohn von 12 Euro zahlen. Jetzt bekommen sie 10,45 Euro.

Standpunkt von Susanne Koch: Schwierige Zeiten

susanne.koch@rga.de

Taxi-Unternehmer Andreas Wickesberg ist gleich mehrfach betroffen: Ihm fehlt Personal. Aufgrund der Corona-Zeit dauert ein Antrag heute deutlich länger als noch davor. Hinzu kommen die gestiegenen Benzinpreise, die Mehrkosten für ein neues Taxi und ab Oktober der zu zahlende Mindestlohn von 12 Euro. Ich bin sicher, dass der Unternehmer es trotzdem schaffen wird. Die Zeiten haben sich verändert, sie sind für alle Menschen schwierig geworden. Nichts ist mehr so, wie es vor Corona war. Und der unvorstellbar schreckliche Krieg in der Ukraine tut sein Übriges dazu. Er drückt die Energiepreise nach oben, Waren werden knapp. Daran kann kein Einzelner etwas ändern. Wir alle können nur hoffen, dass der Krieg bald vorbeigeht. Insgesamt werden wir uns wohl darauf einstellen müssen, dass die von heute aus gesehen bequeme Zeit nicht mehr so schnell wiederkommt. Aber alle geben sich Mühe und arbeiten daran.

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