Kleinkunst-Abo

„Take-Five“: Katt kehrt zur Normalität zurück

Mathias Tretter war immer neidisch auf Komiker in Diktaturen und kommt als „Sittenstrolch“.
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Mathias Tretter war immer neidisch auf Komiker in Diktaturen und kommt als „Sittenstrolch“.

Zuschauer werden mit dem Kleinkunst-Abo zu Mitentdeckern.

Von Markus Schumacher

„Man wird dabei zum Mitentdecker“, wirbt Achim Stollberg für das Kleinkunst-Abo „Take-Five“ der Kattwinkelschen Fabrik. Der künstlerische Leiter erinnert da zum Beispiel an Sebastian Puffpaff: Der hat heute eine eigene Fernsehshow, seine ersten Auftritte vor größerem Publikum erlebte er aber in Wermelskirchen – als Teil des Fünfer-Pakets.

Michael Feindler gilt als Feingeist des politischen Kabaretts.

In diesem Jahr gibt es für 60 Euro zu sehen: Mathias Tretter, Tschirpke & Kremer, Michael Feindler, René Sydow und Johannes Floehr. „Das ist für uns wichtige Nachwuchsarbeit“, erklärt Stollberg, „man kann ja nicht nur immer die Bundesliga spielen lassen.“ So gebe man aufstrebenden Künstlern die Chance, mal für über 100 Leuten ein abendfüllendes Programm aufzuführen. „Und die fünf können das“, ist Stollberg absolut überzeugt. Wer ein solches Abo habe, der schaue sich dann auch mal jemanden an, den er vielleicht noch nicht kennt.

„Unser Publikum hat mittlerweile ein richtig gutes Auge für solche Talente“, freut sich Stollberg. Das sei für manchen der Stammkunden auch ein echter Anreiz. Vor Corona wurden immer rund 100 „Take-Five“-Abos verkauft. Auch jetzt gebe es schon eine gute Nachfrage. Stollberg selbst gilt als Perlenfischer der Kleinkunstszene.

René Sydow sagt, sein viertes Programm soll sei heiterstes werden.

Den Auftakt macht am Freitag, 10. September, Mathias Tretter. Das neue Programm „Sittenstrolch“ von ihm müsse man gesehen haben, findet Stollberg. Tretter sagt, die Moral in Deutschland sei so gut bewacht wie nie zuvor: „Hätte das Land gleich viele Theken wie Sittenpolizisten, es wäre Tschechien.“ Aber leider: „Sie schmierten sich jetzt an Bildschirme statt Bars und berauschen sich nicht mehr an Prosecco und Prostitution, sondern einzig an sich selbst.“ Vier Fünftel aller Tweets würden aus sittlicher Überlegenheit getippt, die andere Hälfte komme mit der Moralkeule daher und das dritte Drittel schwärzt Mörder an, die während einer Pandemie ein Buch auf einer Parkbank lesen. Welch ein fantastisches Klima für Satire, meint zumindest Tretter: „Ich war immer neidisch auf Komiker in Diktaturen – wenn jeder Witz dein letzter sein kann, fühlst du dich gebraucht.“

„Was machen Putzerfische eigentlich in der freien Natur?“

Johannes Floehr

Das Duo Tschirpke & Krämer tritt am Freitag, 29. Oktober, mit „Ich’n Lied – du’n Lied – Level 2“ auf. Das sei der Wechselsang zweier wohlgestalter Männer, deren Lieder mit der Geschmeidigkeit tieffliegender Delfine den Asparagus beäugten und dennoch jeden Zankapfel schälten. Sebastian Krämer singe fast so hoch wie die Königin der Nacht, habe aber kein Messer in der Hand, weil er schließlich auch Klavier spiele. Falls dies nicht gerade Marco Tschirpke besorgt. „Wo seine samtene Bassstimme das Erz in den Endmoränen zum Vibrieren bringe, seien die Kohlmeisen nicht weit“, schreibt der Veranstalter.

Michael Feindlers Programm am Freitag, 19. November, heißt „Ihr Standort wird berechnet?“ Er gilt als Feingeist des politischen Kabaretts. Dabei handelt es sich bei seinen Darbietungen in erster Linie um Verzweiflungstaten. Worte, die auf den ersten Blick wie poetische Ergüsse wirken, sind für Feindler vor allem ein Versuch, mit Hilfe sprachlicher Verdichtungen eine auseinanderbrechende Welt zusammenzuhalten. Das klingt deprimierender, als es ist, denn Feindlers Stimme liegt angenehm im Ohr, ob er nun dichtet, singt oder politische Schärfe durchblitzen lässt. Im neuen Bühnenprogramm unternimmt Feindler den Versuch einer Standortbestimmung –nicht bloß für sich selbst.

René Sydow sucht die Bühne der Katt am 10. Dezember mit „Heimsuchung“ heim: „Ein fröhliches Feuerwerk der Boshaftigkeit gegen Politiker, Prominenz und Political Correctness.“ Doch leider stehe auch die „Heim-Suchung“ für den eigenen Opa an, und angesichts des Pflegenotstands gebe es aus privater Sicht keinen Anlass zur Heiterkeit. Wie können wir in Würde altern? Ist das noch Kabarett oder geht es schon um Leben und Tod?

Johannes Floehr ist zwei Meter groß und findet: „Ich bin genau mein Humor.“

Johannes Floehr, der am 14. Januar mit „Ich bin genau mein Humor“ auftritt, hat Achim Stollberg selbst bei einer Kulturbörse erstmals gesehen: Und gleich gedacht, den müsse er haben. „Was machen Putzerfische, die im Aquarium immer an der Scheibe herumsaugen, in der freien Natur?“, fragt Floehr. Schwimmen die ein Leben lang durch den Ozean auf der ewigen Suche nach einer Fensterscheibe? Und Einräder – warum fallen sie nicht um? Wer solche Fragen stellt, der braucht keine Antworten, sondern eine Bühne. Und auf eben diese stellt sich der Zwei-Meter-Mann Floehr mit seinen Scherzen. „Also mir gefällt das Programm richtig gut“, lässt sich der Krefelder zitieren, „aber ich habe es ja auch leicht, schließlich bin ich genau mein Humor.“ Für jede Veranstaltung gibt es Eintrittskarten auch im freien Verkauf für 15 Euro (Vorverkauf) und 18 Euro (Abendkasse). | Standpunkt

Kleinkunst-Abo Take-Five

Abo: Das Kleinkunst-Abo „Take-Five erhalten Sie ohne Vorverkaufgebühr auf der Homepage, im dortigen Büro oder in allen bekannten Vorverkaufsstellen.

www.kattwinkelsche-fabrik.de

Termine: Diese Veranstaltungen sind Teil dieses Abos: 10. September, Mathias Tretter, „Sittenstrolch“; 29. Oktober, – Tschirpke & Krämer, „Ich ‘n Lied – du ‘n Lied – Level 2“; 19. November, Michael Feindler, „Ihr Standort wird berechnet?“, 10. Dezember, René Sydow, „Heimsuchung“; 14. Januar, Johannes Floehr, „Ich bin genau mein Humor.“

Standpunkt: Starthilfe geben

Von Markus Schumacher

markus.schumacher@rga.de

Jeder hat mal klein angefangen. Das ist ja eine Binsenweisheit. Aber jeder muss auch erst mal die Möglichkeit bekommen, überhaupt anzufangen. Und hier kommt die Kattwinkelsche Fabrik ins Spiel. Deren künstlerische Leiter Achim Stollberg sorgt dafür, dass Nachwuchskünstler Auftrittsmöglichkeiten bekommen. Seit 2007 gibt es hierfür auch das Kleinkunst-Abo „Take-Five“. Jede Saison werden davon mindestens 100 Stück verkauft – und die Künstler treten dann auch meist vor über 100 Zuschauern auf. So klein ist das gar also nicht. „Wer es nicht schafft, sich von der Couch aufzuraffen, wird auch nie erleben, wie unterhaltsam, erhellend und herrlich komisch so ein Kleinkunstabend mit politischem Kabarett sein kann“, schreibt ein Kollege der Süddeutschen Zeitung. Und recht hat er. Aber wie viel besser ist es dann noch, sich später einmal im Freundeskreis damit brüsten zu können: „Also diesen Kabarettisten habe ich schon live gesehen, da kannte den noch niemand.“ Oder Witze wie diesen von Johannes Floehr zu kennen: „Mist Leute, morgen Corona-Test – und ich hab gar nicht gelernt.“

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