Keine Päckchenaktion

Tafel: Kundenzahl hat sich verdoppelt

Vorsitzende Brigitte Krips und ihr Team sind täglich bei der Tafel im Einsatz. Archivfoto: Jürgen Moll
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Vorsitzende Brigitte Krips und ihr Team sind täglich bei der Tafel im Einsatz. Archivfoto: Jürgen Moll

Die Essensausgabe für bedürftige Menschen hat alle Hände voll zu tun – vor allem in der Vorweihnachtszeit.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Es war für die Mitarbeiter der Wermelskirchener Tafel wie auch für die Tafel-Kunden immer eine schöne Tradition: Kurz vor Weihnachten gab es viele Päckchen, die aus Spenden von Bürgern bestanden und die die Tafel-Mitarbeiter jedes Mal liebevoll verpackt haben. Aber diese Aktion wird es wegen der anhaltenden Corona-Pandemie auch dieses Jahr wieder nicht geben können.

„Gerne hätten wir in diesem Jahr das Projekt ,Fröhliche Weihnachten für Alle’ wieder in traditioneller Weise durchgeführt“, bedauert Tafel-Vorsitzende Brigitte Krips die veränderte Situation. „Aber die aktuelle Corona-Entwicklung hat uns zu der Entscheidung veranlasst, auch 2021 auf das Entgegennehmen und die Weitergabe fertig gepackter Päckchen zu verzichten.“

Damit die Kunden sich trotzdem am Weihnachtsfest über ein besonderes Essen freuen können, bat die Tafel wie berichtet bereits ab November wieder um die Spende von Gutscheinen für den Einkauf im örtlichen Einzelhandel, wie Supermärkte, Bäckereien, Metzgereien, Drogeriemärkten oder ähnlichen Geschäften, die dann am Donnerstag kommender Woche an die Bedürftigen weitergegeben werden sollen. „Leider waren es diesmal nicht so viele Gutscheine wie voriges Jahr“, berichtet Krips. „Es gibt ja so viele andere Spendenaktionen um uns herum. Vielleicht war das ausschlaggebend.“

Wir sehen leider keine Tendenz nach unten.

Brigitte Krips, Vorsitzende der Tafel

Dabei hat die Zahl der Tafel-Kunden sich gegenüber dem vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Waren es 2020 noch rund 60 bis 70 Haushalte, die durch die Ehrenamtler versorgt wurden, sind es nun 146 Haushalte. Brigitte Krips: „Da es sich oft um Familien mit mehreren Kindern handelt, haben wir bei der Gutschein-Aktion insgesamt 557 Personen gezählt, die bei uns eingetragen sind.“ Sie freue sich über jede und jeden, der wieder einen Job bekommt und nicht mehr mit Tafel-Lebensmitteln versorgt werden müsse. „Aber leider sehen wir da keine Tendenz nach unten.“

Während zu Anfang der Pandemie die Essensausgabe noch auf dem Parkplatz vor dem Gebäude der Tafel Vorm Eickerberg stattgefunden hatte, werden die Kunden seit September von den Mitarbeitern wieder hereingebeten. Allerdings unter strengen Hygienebedingungen. „Bei uns gilt die 3G-Regel“, sagt Brigitte Krips. Zudem würde es drei verschiedene Ausgabestellen geben: eine für Gemüse und haltbare Lebensmittel, eine für Kühlware und eine dritte für Obst. „Wir haben eine Einbahnregelung eingeführt, so dass die Leute sich möglichst nicht gegenseitig begegnen, wenn sie die Ware abholen“, schildert Brigitte Krips das Prozedere. Die Ausgabe von gebrauchter Kleidung findet weiterhin im Außenbereich statt.

Der Platz für die Helfer und Kunden der Tafel ist nach wie vor begrenzt in Vorm Eickerberg. Lange hatten Krips und ihr Team darauf gehofft, schon bald umziehen zu können. „Die Stadt hatte uns ja Hoffnungen gemacht, dass wir in einigen Jahren in das ehemalige Hauptschulgebäude ziehen können“, erinnert sie an eine Diskussion, die lange schwelte. „Aber mit der unsicheren Situation des Sekundarschul-Neubaus ist dieser Umzug für uns jetzt ganz weit in den Hintergrund gerückt. Denn das Gebäude wird ja immer noch von der Schule genutzt. Und wann sich das ändert, steht in den Sternen. Wir müssen jetzt also weiterhin mit diesem Standort vorliebnehmen.“

Alle Hände voll zu tun haben die Ehrenamtler besonders jetzt in der Vorweihnachtszeit an der Ausgabestelle. „Vor allem die vielen Familien mit Kindern brauchen dringend unsere Hilfe“, unterstreicht die Tafel-Vorsitzende. Umso froher ist sie, dass sie den bedürftigen Familien mit den gespendeten Gutscheinen zu Weihnachten ein Lächeln ins Gesicht zaubern und vielleicht auch den einen oder anderen Gabentisch etwas voller und abwechslungsreicher gestalten kann.

Gutscheine

Noch bis Donnerstag kommender Woche, 16. Dezember, können Gutscheine für Bedürftige bei der Tafel abgegeben werden. Sie können von Lebensmittelgeschäften, Drogerien, Metzgereien oder Bäckereien stammen. Die Gutscheine werden dann nach Bedarf an die Bedürftigen, meist Familien mit Kindern, verteilt. Die Tafel nimmt auch gerne Geldspenden entgegen. Die Kontonummer ist einsehbar auf der Internetseite der Tafel:
wermelskirchener-tafel.de

Standpunkt: Jetzt noch Gutes tun

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Die Tafel-Mitarbeiter haben besonders in der Vorweihnachtszeit jede Menge zu tun. Und dennoch mühen sich die Ehrenamtler, den Bedürftigen zumindest zu Weihnachten etwas Besonderes zukommen zu lassen. Was bis vor zwei Jahren noch gepackte Päckchen waren, sind jetzt eben Gutscheine. Das Ziel, das dahinter steckt, ist indes dasselbe: Menschen, die sich zu Weihnachten keine großen Gabentische und schmackhaftes Essen leisten können, eine kleine Freude zu bereiten. Leider waren es dieses Jahr viel weniger Gutscheine, die die Mitarbeiter der Tafel von den Wermelskichenern entgegennehmen konnten. Die Spendenbereitschaft war einfach nicht so hoch wie in den Vorjahren. Aber bis Donnerstag, 16. Dezember, besteht ja noch die Möglichkeit, mit einem Gutschein ein Lächeln in das Gesicht vieler bedürftiger Familien zu zaubern, die an der Armutsgrenze leben müssen. Und warum sollte man nicht beim Weihnachtseinkauf in der Innenstadt auch an diese Menschen denken. Bei Brigitte Krips und ihrem Team sind Spenden, in welcher Form auch immer, jedenfalls gut und vor allem sinnvoll angelegt.

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