Engagement

Tafel braucht dringend Unterstützung

Für Brigitte Krips ist es völlig unverständlich, dass es immer noch Märkte, die ihren Lebensmittelüberschuss lieber in den Müll werfen als ihn den Tafeln zur Verfügung zu stellen.
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Für Brigitte Krips ist es völlig unverständlich, dass es immer noch Märkte, die ihren Lebensmittelüberschuss lieber in den Müll werfen als ihn den Tafeln zur Verfügung zu stellen.

Das Land hat Hilfen für die Ehrenamtler in der Energiekrise angekündigt

Von Theresa Demski

Das Sozialministerium hat ein Hilfspaket geschnürt: Insgesamt zwei Millionen Euro stellt das Land für die Arbeit der Tafeln bereit – um höhere Energiekosten stemmen und die immer knapper bemessenen Lebensmittelspenden ausgleichen zu können. Bis zu 7500 Euro können die jeweiligen Tafeln bekommen. Bei der Tafel in Wermelskirchen sorgte die Nachricht der finanziellen Unterstützung durch das Land für ein vorsichtiges Durchatmen. „Die Unterstützung ist dringend nötig“, sagt Vorsitzende Brigitte Krips. Sie finde es gut, dass sich die Landesregierung in diesen Zeiten Gedanken machen, wie die Tafeln ordentlich finanziert werden können. „Wir hoffen, dass das Geld nun auch auf unbürokratischem Wege abgerufen werden kann“, sagt Brigitte Krips.

Denn auch in Wermelskirchen steigen die Kosten für die Tafel stetig. „Die Energiepreise sind nach oben geschossen“, bestätigt Brigitte Krips. Die Tafel kaufe regelmäßig Flüssiggas für den Tank. „Bei der letzten Rechnung waren die Kosten schon doppelt so hoch“, berichtet die Tafel-Vorsitzende. Bereits im vergangenen Jahr hat der Verein ein elektronisches Messgerät im Gastank anbringen lassen, um den Stand im Blick zu haben und vernünftig einkaufen zu können. „So sind wir ein bisschen flexibler und können die Gaspreise im Blick behalten“, sagt Brigitte Krips. Ohnehin werde aktuell aber weitgehend auf die Heizung verzichtet.

Auch Benzin würde der Verein gerne einsparen. „Aber wir müssen immer längere Strecken fahren, um Lebensmittel einzusammeln, weil die Spenden vor Ort knapper werden“, erzählt Brigitte Krips. Dabei arbeite man im Verbund mit anderen Tafeln, um so Fahrtkosten zu sparen. „Aber wir sind inzwischen froh um jedes Lebensmittelangebot“, sagt sie. Supermärkte kalkulieren deutlich knapper als früher – es bleibt weniger übrig. Und es gebe leider immer noch Märkte, die ihren Lebensmittelüberschuss lieber in den Müll werfen als ihn den Tafeln zur Verfügung zu stellen. „Dafür fehlt mir inzwischen jedes Verständnis“, sagt Brigitte Krips. Anders als früher würde sie heute eine politische Verpflichtung für Märkte begrüßen, Lebensmittel zu spenden statt sie wegzuwerfen. Unterm Strich muss die Tafel immer öfter Lebensmittel zukaufen, um an Bedürftige genug weitergeben zu können – zumal der Bedarf steigt. Im September versorgte die Tafel 362 Haushalte, 140 mehr als noch im Vorjahr.

„Wir müssen aber auch sagen: Mit der Spendenbereitschaft in Wermelskirchen sind wir sehr zufrieden“, sagt Brigitte Krips. Das gelte für die vielen Bürger, die der Tafel über das Jahr hinweg kleinere und größere Zuwendungen zukommen lassen. Das gelte aber auch für die Unternehmen, die regelmäßig für größere Spenden sorgen. „Und auch über die kreativen Ideen der Märkte freuen wir uns“, sagt Brigitte Krips und erinnert an die Bon-Aktion im Rewe, bei der Kunden gebeten werden, ihre Leergutbons einzuwerfen und die Summen zu spenden. 500 bis 900 Euro kämen so jeden Monat zusammen.

„Wir wünschen uns natürlich, dass diese Spenden auch direkt den Menschen zugutekommen“, sagt Brigitte Krips. Deswegen sei es gut, wenn das Land die Infrastruktur der Tafeln finanziell fördere. So argumentiert sie auch gegenüber Kritikern. Denn vor allem die in Aussicht gestellte langfristige staatliche Förderung der Tafel wird auch kritisch gesehen: „Wenn die NRW-Landesregierung die Tafeln dauerhaft zu einem festen Bestandteil des sozialen Regelsystems machen will, stiehlt sie sich aus ihrer sozialstaatlichen Verantwortung“, hatte etwa Lena Techlade, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD beklagt. Die Verantwortung für eine soziale Absicherung der Bürger werde auf die Tafeln und das Ehrenamt abgewälzt. Brigitte Krips sieht das anders. „Der Staat sichert Menschen am Existenzminimum ab“, sagt die Tafel-Vorsitzende, „wir sind eine zusätzliche Unterstützung.“ Deswegen habe sie sich auch immer dagegen gewehrt, dass die Leistung der Tafel womöglich auf die Sozialleistung angerechnet werde.

Spenden

Lebensmittelspenden nimmt die Tafel dienstags und mittwochs von 10 bis 13 Uhr im Tafel-Pavillon neben der Feuerwache entgegen. Nach Rücksprache können Lebensmittel auch abgeholt werden. Sachspendenquittungen können nur ausgestellt werden, wenn die Originalquittungen der gespendeten Lebensmittel vorliegen.

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