„Suche Frieden und jage ihm nach“

Pfarrerin Sabrina Frackenpohl-Koberski schrieb die heutige Kolumne. Archivfoto: jumo
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Pfarrerin Sabrina Frackenpohl-Koberski schrieb die heutige Kolumne. Archivfoto: jumo

Eine Geistliche macht sich Gedanken

Von Pfarrerin Sabrina Frackenpohl-Koberski, Ev. Kirchengemeinde Wermelskirchen

Wer die Gedenkstätte von Verdun betritt, den trifft es wie der Schlag. Weiße Kreuze, wohin das Auge reicht. Grab reiht sich an Grab. Der Tod ist überall. Mit 14 Jahren war ich dort, in Frankreich, in Verdun. Der Schrecken dieses Ortes hat mich sofort gepackt.

15 000 weiße Kreuze. Auf wenigen Quadratmetern sind in der französischen Kleinstadt Verdun im Ersten Weltkrieg Ströme von Blut vergossen worden. Ein Schlachtfeld, ein einziges Kriegen und Töten. Heute ist Verdun mit den Gräberfeldern Symbol des Leides und der Trauer, aber auch Symbol dafür, dass Frieden und Versöhnung möglich sind.

Verdun ist nicht das einzige Schlachtfeld unserer Geschichte und Gegenwart. Krieg, Gewaltherrschaft und Terror hinterlassen auch heute noch ihre Spuren. Dass ich mit 14 Jahren über die Gedenkstätte in Verdun in Frieden wandern durfte, grenzt an ein Wunder. Ein paar Jahrzehnte früher geboren, wäre ich mittendrin gewesen im Krieg, den meine Großeltern erlebt und erlitten haben. Und ein paar Tausend Kilometer weiter weg geboren, zum Beispiel im ehemaligen Jugoslawien, wäre ich mittendrin gewesen in Krieg und Bürgerkrieg.

Dass meine Kinder in Frieden leben und aufwachsen dürfen, grenzt an ein Wunder. Wäre ich nicht zufällig deutsche Staatsbürgerin, würden meine Kinder vielleicht inmitten von Hunger, Leid, Gewalt groß.

Immer noch zu viele Kriegsschauplätze, viel zu viele Kriege. Immer noch zu viele Leichen, viel zu viele tote Männer, Frauen, Kinder.

Suche Frieden und jage ihm nach mahnt uns der 34. Psalm. Gott, die Liebe, mahnt uns, Frieden selbst mit in die Hand zu nehmen. Suche Frieden und jage ihm nach! Suche Frieden und steh ein für Gerechtigkeit, Freiheit, Würde aller Menschen. Jage dem Frieden nach, lass dich nicht einschüchtern von Hassparolen und Beschimpfungen als Gutmensch. Mache dich auf und werde zum Frieden. Bleib wach und wachsam in Kopf und Herz, wenn andere wieder Schuldige finden.

Suche Frieden – und wage ihn. Dem anderen und dem Anderssein Raum geben. Alle Menschen als Ebenbilder Gottes begreifen, ohne den Anspruch, Macht über andere auszuüben. Suche Frieden und jage ihm nach. Erinnere die Geschichte – auf dass sie sich niemals wiederhole. Suche Frieden und jage ihm nach!

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