Katastrophen-Szenario

Stromausfall: Flyer erklärt, wie Wermelskirchener Bürger vorsorgen können

Kerzen sollte jeder für den Fall eines Stromausfalls im Haus bereitstehen haben. Bei einem längeren Blackout drohen allerdings noch mehr Probleme als ein dunkles Zimmer.
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Kerzen sollte jeder für den Fall eines Stromausfalls im Haus bereitstehen haben. Bei einem längeren Blackout drohen allerdings noch mehr Probleme als ein dunkles Zimmer.

Die Stadt bereitet sich auf einen möglichen Blackout vor. Ein konkretes Konzept wird am 8. Dezember vorgestellt. Auch jeder selbst kann etwas tun.

Von Sabine Naber

Wermelskirchen. Bundesweit wird derzeit diskutiert, wie groß die Gefahr eines mehrtägigen, flächendeckenden Stromausfalls ist. „Aktuell gibt es keinen Grund zur Besorgnis. Aber vorsorglich wollen wir uns auf so ein Szenario vorbereiten. Denn ob es tatsächlich dazu kommt, das können auch die Experten nicht sagen“, macht Bürgermeisterin Marion Lück deutlich.

Ziel ist es, die Sinne für solche Katastrophenfälle zu schärfen. Die Kommune könne Hilfestellungen geben, aber jeder müsse auch selbst gucken, wie er aufgestellt ist. „Mit unserem Ratgeber für die Eigenvorsorge – einem Flyer, der im Rathaus ausliegt – wollen wir den Menschen etwas an die Hand geben, denn nicht alle wissen, was an so einem Stromausfall alles dranhängt“, sagt Krisenmanager Alex Groß.

Er nennt als Beispiele, dass im Ernstfall keine Kommunikation per Handy mehr möglich ist, kein Trinkwasser mehr aus dem Hahn fließt, man sich kein Geld aus dem Automaten mehr holen kann und es auch nicht mehr möglich sein wird, Lebensmittel einzukaufen.

Im Flyer steht, wie so ein Lebensmittel- und Getränkevorrat aussehen kann, der für zehn Tage ausreicht. Der Flyer beinhaltet auch eine Checkliste, was sinnvoll zur Vorsorge getan werden kann. Auch an Futter für Haustiere, an ein batterie- oder solarbetriebenes Radio, Taschenlampen, Kerzen, Streichhölzer oder Medikamente, Schmerz- und Erkältungstabletten sollte etwa gedacht werden. „Wir wollen viele Infos anbieten. Unterteilt in unterschiedliche Themen und auf unterschiedlichen Wegen“, verspricht Marion Lück.

Eine Auffassung, die auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenschutz (BBK) teilt: „Wer vorbereitet ist, der kann sich selbst, Angehörigen und Nachbarn helfen, bis staatliche Hilfe eintritt und Schäden mit Schutzmaßnahmen reduziert“, heißt es da. Das alles seien keine speziellen Hinweise, dass man etwas sofort tun muss.

Man müsse jetzt nicht gleich loslaufen und alles umsetzen. „Aber wir haben in der letzten Zeit ja nicht nur eine Krise gehabt und wissen spätestens nach Corona und der Flutkatastrophe, dass wir uns alle besser aufstellen, wieder lernen müssen, wie man mit Katastrophen umgeht“, fasst es die Bürgermeisterin als Leiterin des „Stabes für außergewöhnliche Ereignisse“ zusammen.

Sie selbst habe sich bisher das Wasser immer aus dem Wasserhahn geholt. Aber inzwischen stehe in ihrem Keller auch eine Kiste mit Mineralwasser, gibt sie gleich ein Beispiel, wie so ein Umdenken aussehen kann.

Man wolle künftig besser für einen eventuellen Notfall gewappnet sein. Agieren, statt nur zu reagieren. Eine solche vorstellbare Lage habe es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben, man müsse wieder einüben, was zu tun ist. „Als kluge Lösung erschien es uns, mit den Gemeinden zusammenzuarbeiten und dort Notfallinformationspunkte (NIP) zu installieren. Dort können Bürgerinnen und Bürger hinfahren oder hingehen und einen Notruf absetzen. Oder auch Informationen über die aktuelle Lage bekommen. Und wir als Kommune bekommen von dort ein Bild, wo was und wie viel gebraucht wird“, erklärt der Krisenmanager.

Die Liste der NIP – dazu zählen beispielsweise das Bürgerzentrum an der Telegrafenstraße, das Gemeindehaus Eipringhausen oder auch der Treffpunkt Hoffnung an der Dabringhauser Straße – würde fortlaufend aktualisiert, ein Mitarbeitender der Verwaltung sowie Helferinnen und Helfer würden stundenweise dort parat stehen.

Für den Fall eines längerfristigen Stromausfalls werden zukünftig zusätzlich sogenannte „Leuchttürme“ eingerichtet. Hier finden Bürgerinnen und Bürger weiterführende Hilfen oder auch einen Platz, um sich aufzuhalten. „Wir sind in intensiven Gesprächen, um im Stadtgebiet passende Lokalitäten dafür aufzubauen“, versichert Groß.

Um das Konzept, das für Wermelskirchen entwickelt wurde, vorzustellen, ist am 8. Dezember, dem bundesweiten Warntag, eine Pilotveranstaltung geplant. Wo und um welche Urzeit, das will die Stadt noch rechtzeitig bekanntgeben.

Nützliche Tipps

Viele nützliche Tipps und Informationen für die Vorbereitungen auf einen möglichen Ernstfall finden sich auf der Webseite der Stadt oder auf der Webseite des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern werden auch an der Hotline des BBK unter Tel. (02 28) 9 95 50-36 70 beantwortet.

Standpunkt von Gunnar Freudenberg: Apathie hilft nicht

gunnar.freudenberg@rga.de

Landauf, landab ist es für die Krisenmanager in den Kommunen nicht einfach: Einerseits wollen sie den Menschen keine Angst machen. Andererseits gilt es, die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger auf den Notfall vorzubereiten. Auch, um sich bei einem Katastrophenfall hinterher nicht den Vorwurf gefallen lassen zu müssen, man habe im Vorfeld ja nichts getan. Das hat auch nichts mit Panikmache zu tun.

Tatsächlich müssen wir den Gedanken, von Katastrophen bedroht zu sein, zulassen – ohne zugleich in Panik oder Apathie zu verfallen. Viele ältere Menschen machen es uns vor. Nach dem verlorenen Weltkrieg gab es für sie keine Entlastungs-, sondern bestenfalls Carepakete. Schon Corona begegneten sie deshalb vielfach robuster als andere. Eine solche Haltung fällt uns Jüngeren nicht leicht. Doch sind wir dazu fähig. Wie sagte Prof. Dr. Eugen Davids, Ärztlicher Direktor der Stiftung Tannenhof, jüngst im RGA-Interview: Wir können Krise lernen!

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