Jugendarbeit

Jugendfreizeitpark: Streetworker freut sich, dass es rollt

Marc Spies lässt sich fast täglich im Jugendfreizeitpark blicken, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Foto: Anja Carolina Siebel
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Marc Spies lässt sich fast täglich im Jugendfreizeitpark blicken, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.

Im Jugendfreizeitpark in Zenshäuschen ist seit der Eröffnung eine Menge los.

Von Anja Carolina Siebel

Marc Spies ist glücklich. Glücklich darüber, endlich das tun zu können, wofür der Streetworker im Herbst vorigen Jahres bei der Stadt Wermelskirchen angetreten ist: aufsuchende Jugendarbeit. Und die praktiziert er seit Beginn dieser Woche schon aktiv am Jugendfreizeitpark in Zenshäuschen. „Ich habe gestern schon mit einigen Jugendlichen Basketball gespielt. Ich bin eigentlich täglich für einige Zeit hier“, erzählt Spies an diesem sonnigen Mittwochnachmittag auf der Anlage.

Einige Skater und Rollerfahrer haben sich bereits dort versammelt und üben ihren Sport aus. Sie trainieren Sprünge und Moves, im Hintergrund läuft leise Musik. Eine stolze Mutter filmt mit dem Smartphone die Fortschritte, die ihr Sohn auf dem Roller macht. „Das ist das Schöne hier, hier treffen sich Generationen“, schwärmt Marc Spies.

Er ist sicher, dass die Rollsportler gut auf die Anlage achten werden: „Die wollen auf jeden Fall, dass das hier so erhalten bleibt und nichts kaputtgeht. Und sie sind eben auch bis abends vor Ort.“ Deshalb seien er und viele andere Mitarbeiter der Jugendhilfe sowie Mitglieder der beteiligten Vereine auch klar dafür gewesen, dass der Jugendfreizeitpark in der Stadtmitte entstand. „Erstmal ist er für die Jugendlichen besser zu erreichen. Und dann ist es eben so, dass alles ein bisschen besser unter Kontrolle ist, dafür sorgen die Jugendlichen schon selbst.“

Auch das Multifunktionsfeld ist schon gut besucht

Nicht nur auf dem Roll-, sondern auch auf dem Multifunktionsfeld ist schon eine Menge los. Auf einer Seite werfen vereinzelte Jugendliche mit dem Basketball Körbe. Auf der anderen hat sich die Basketball-AG einer Verbundschule versammelt, um mitsamt ihrer Lehrerin zu trainieren. „Das ist absolut erwünscht, dass sich Gruppen hier treffen, um gemeinsam Spaß zu haben“, unterstreicht Marc Spies. Allerdings kann das Feld nicht gemietet oder reserviert werden. Das Prinzip heißt: Wer kommt, darf spielen. „Das Risiko sind wir gern eingegangen“, sagt die Lehrerin der Verbundschule. „Wir finden einfach, dass es sich hier wesentlich schöner spielt als in der Halle.“

Geplant sind für die nahe Zukunft aber auch einige Trainingsstunden auf dem Feld. Zum Beispiel mit Jonas vom Stein vom CVJM, der regelmäßig Rollhockey in Zenshäuschen anbieten möchte.

Wenn der Freizeitpark auch insgesamt schon schnieke aussieht, einiges gibt es noch zu verbessern. „Wir sind froh, dass es zumindest einen provisorischen Fangschutz für die Bälle zur Straße hin gibt“, sagt Marc Spies. „Die würden sonst ständig auf der B 51n landen. Und das wäre für Spieler wie für Autofahrer viel zu gefährlich.“

Öfter schon wurde ein Sonnenschutz vermisst, an anderen Tagen könnte ein Regendach fehlen. „Aber bei Nässe und Schnee sollte man die Anlage ohnehin nicht nutzen“, erklärt Spies. Allerdings sei von Vorteil, dass der Untergrund schnell trockne, so dass zumindest nach Regengüssen die Fläche schnell wieder befahrbar sei.

An einigen Stellen tauchten allerdings schon Risse in dem zum Teil handgeformten Beton auf. Das teilte der Technische Beigeordnete Thomas Marner bei der Eröffnung mit. „Das werden sich unsere Fachleute genau ansehen und dann gegebenenfalls reklamieren“, kündigte Marner an. Und ein Dixie-Klo soll noch aufgestellt werden. An beiden Zugängen zum Gelände hängen Schilder mit den Nutzungsregeln. Seit kurzem ist auch wieder jeden Abend ein Securitydienst vor Ort. „Die unmittelbaren Nachbarn hier sagen auch, dass es jetzt viel ruhiger ist“, betonte Bürgermeisterin Marion Lück vorige Woche.

Streetworker Marc Spies ist indes nicht nur auf dem Freizeitpark-Gelände in Zenshäuschen aktiv, sondern in der ganzen Stadt. „Ich fahre natürlich auch nach Dabringhausen und Dhünn, biete dort in den Hallen zum Beispiel Basketballtraining an“, erzählt er. Es sei allerdings mitunter schwer, Jugendliche anzutreffen, weil sie sich an verschiedenen Orten aufhielten. „Nicht alle treiben Sport, aber auch die will ich ja erreichen“, sagt er.

Gerichtsurteil

Am späten Donnerstagabend voriger Woche wurde die Stadt über das Urteil zu der Klage eines Anwohners informiert. „Dieser zweite Eilantrag ist wieder zu unseren Gunsten ausgegangen“, erklärte der Technische Beigeordnete Thomas Marner, „am Donnerstag haben wir das fünfseitige Urteil noch durchgelesen und vom Rechtsanwalt prüfen lassen – der hat uns dann das Okay zur Nutzung gegeben.“ Der Bürgermeisterin sei es dann wichtig gewesen, schon das vergangene, sommerliche Wochenende zur Nutzung freizugeben.

Standpunkt: Ein guter Typ

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Marc Spies ist wohl das, was man generationenübergreifend als „guter Typ“ bezeichnen würde. Er ist präsent, er kümmert sich – und das nicht nur dort, wo offensichtlich Jugendliche zusammenkommen, wie im Jugendfreizeitpark, sondern auch an entlegeneren Stellen wie in Dabringhausen und Dhünn oder an anderen Orten der Innenstadt. Die Corona-Pandemie hat die aufsuchende Jugendarbeit sicher sehr erschwert. Öffentlich durften sich Freunde nicht miteinander treffen, und Marc Spies erzählt, dass viele eher das Weite gesucht haben, wenn er mit seinem Auto angefahren kam. Verständlich, denn für illegale Treffen von mehr als zwei Haushalten hagelte es zur Lockdown-Zeit nicht selten saftige Geldstrafen. Und weil Marc Spies als Streetworker noch nicht so bekannt war bei seiner Zielgruppe, konnten ihn die Jugendlichen noch nicht zuordnen. Bleibt zu hoffen, dass die Jugendarbeit jetzt nach und nach unbeschwerter werden und Marc Spies so richtig einsteigen kann in seinen Job. Der mit Sicherheit auch in Zukunft eine echte Bereicherung sein wird für die Jugendlichen dieser Stadt.

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