Telegrafenstraße

Standortwechsel gibt dem Wochenmarkt neue Impulse

Händler Rudi Niepenberg und Enkel Ben haben auf dem Wochernmarkt alle Hände voll zu zun. Die Nachfrage ist ungebrochen.
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Händler Rudi Niepenberg und Enkel Ben haben auf dem Wochernmarkt alle Hände voll zu zun. Die Nachfrage ist ungebrochen.

Trotz höherer Preise: Händler können die Wermelskirchener mit Qualitätsprodukten überzeugen.

Von Arnd Janssen

Wermelskirchen. Der Wochenmarkt pulsiert, erst recht seit dem Umzug vom Loches-Platz an die Telegrafenstraße. Daran ändert auch die aktuelle Lage nichts, die Verbraucher mit hoher Inflation und enormen Energiepreisen regelrecht zum Sparen zwingt. In Wermelskirchen ist die Nachfrage ungebrochen hoch, die meisten Verkaufsstände haben alle Hände voll zu tun – ein Umstand, der sich nicht überall abzeichnet.

„Remscheid ist eine Katastrophe“, sagt Elke Lattner von der gleichnamigen Landmetzgerei. Das Angebot an den fünf Marktstandorte der Nachbarstadt ist stark rückläufig. Über die Gründe kann Lattner nur spekulieren: Vielleicht sei es den Menschen zu teuer, vielleicht liege es aber auch an den Strukturen Remscheids. „Die Stände stehen so weit auseinander, vielleicht sollte man sie alle näher zusammenstellen“, schlägt sie vor. In Wermelskirchen liefe es besser, hier würden die Stände an der Telegrafenstraße auch alle enger zusammenstehen. Hier sei es auch viel besser als am früheren Standort am Loches-Platz, der im März 2020 verlassen wurde, sagt die Landmetzgerin.

Die Telegrafenstraße hat sich etabliert, sowohl Händler als auch Kunden wünschen sich den alten Standort größtenteils gar nicht mehr zurück. Und von einer schwächeren Nachfrage in Zeiten von allerorts verordnetem Spardruck ist bei Lattner wenig zu spüren. „Wenn man Qualitätsprodukte hat, dann kommen die Leute“, sagt Lattners Kollege Detlef Wirths. „Die Nachfrage ist weiter da“, sagt Elke Lattner. „Manche Kunden kaufen allerdings bei der Menge weniger“, räumt sie ein. Nicht nur in Wermelskirchen, auch in Lennep, Radevormwald und in Wuppertal-Cronenberg liefe das Geschäft gut. 

Doch ganz sorgenfrei sind die Händler nicht. Der Nachwuchs fehlt, Marktbeschicker finden keine Nachfolger. „Da muss eine neue Generation kommen“, sagt Rudi Niepenberg von Früchte Niepenberg. Die Händlerfamilie ist aber ebenfalls mit dem Standort Wermelskirchen zufrieden. „Ich würde mir wünschen, dass er hier bleibt. Es kommen viele Kunden mit dem Rollator, das ist hier besser für sie zu erreichen“, sagt Niepenberg. Auch für ihn laufen die Geschäfte besser als in Remscheid, wo man immerhin seit knapp 70 Jahren mit einem Stand vertreten ist. „In der Hauptsaison ist es in Remscheid auch besser, aber jetzt zum Winter schwächt es ab“, sagt sein Enkel Ben. Zumindest in Wermelskirchen können die Niepenbergs bei den Kunden „keine Zurückhaltung beobachten. Die Kunden wollen keine fremden Waren mehr und bezahlen für die Qualität“, glaubt er.

Zu einem aussterbenden Handwerk gehört der Scherenschleifer Paul Grommes. Der Solinger verkauft Messer und Scheren. „Allgemein ist die Begeisterung nicht mehr da. Das will keiner mehr machen. Ich verkaufe aber immer noch gerne auf dem Markt mit 78 Jahren“, sagt Grommes, der auch regelmäßig in Haan, Leichlingen und Opladen anbietet. Er vermutet, dass die gestiegenen Lebenskosten noch keinen so großen Einfluss auf seinen Kunden hätten. „Die kaufen weiter ein Messer, wenn sie ein Messer brauchen“, sagt er.

Für Marktkundin Monika Bauer ist zwar Sparen angesagt, doch „was mir schmeckt, hole ich mir“, sagt sie. Bauer geht gerne auf den Markt, auch um Leute zu treffen. Verzicht ist für sie bisher keine Option. „Ich muss auch rechnen, aber man muss sich mal was gönnen“, sagt die Rentnerin.

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