Enormer Aufwand

Stadtjubiläum: BGV stampft Buchprojekt ein

Ist bitter enttäuscht, dass aus den großen Plänen nichts wurde: Volker Ernst. Archivfoto: Peter Klohs
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Ist bitter enttäuscht, dass aus den großen Plänen nichts wurde: Volker Ernst. Archivfoto: Peter Klohs
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Geschichtsverein muss vor dem enormen Aufwand kapitulieren

Wermelskirchen. Volker Ernst findet klare Worte, wenn er seine momentane Verfassung beschreibt: „Es ist gelinde gesagt ein Trauerspiel“, bringt er es auf den Punkt. Denn er und seine Mitstreiter vom Geschichtsverein mussten vor einem Projekt kapitulieren, das sie sich fest für das 150. Stadtjubiläum Wermelskirchens im Jahr 2023 vorgenommen hatten: Das große Buch über die Stadtgeschichte wird es nicht geben. Das teilte Ernst am Dienstagabend öffentlich mit. „Über zwei Jahre Forschungsarbeit haben uns die Unzulänglichkeiten erkennen lassen“, sagt Ernst. „Das Einzige, was uns bleibt, ist das erworbene Wissen.“

Offenbar stellte sich während der Arbeit der insgesamt fünf Geschichtsvereinsmitglieder, die als feste Gruppe an dem Buch arbeiteten, heraus, dass es einfach nicht machbar war, das historische Mammut-Werk in der vorgegebenen Zeit zu verfassen.

Ernst nennt Gründe: „Die vielfältigen notwendigen Recherchen und Vorarbeiten für das geplante Buch haben uns vor Augen geführt, dass viele Themen, die eine Forschungsarbeit zwingend notwendig machen, aus der Konzeption des Buches gestrichen werden mussten.“

„Der Verwaltungsaufwand hat unsere Kapazitäten überstiegen.“

Volker Ernst, Geschichtsverein

Das habe teils an mangelnder Zeit von Ehrenamtlern, teils an mangelnden Kompetenzen sowie an anderen fehlenden Ressourcen gelegen. Ernst: „Erschwerend kommt hinzu, dass durch die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie seit etwa eineinhalb Jahren Archivarbeit weder im vereinseigenen noch in anderen Archiven möglich war; direkte Kontakte zu manchen für die Recherche wichtigen Privatpersonen konnten nicht persönlich gepflegt werden, zumal einige dieser Menschen zur besonders gefährdeten Gruppe der betagten Senioren gehören.“ Die bisherigen Vorarbeiten hätten indes „eine Vielfalt an möglichen Geschichtsthemen“ ergeben, die sich der BGV Wermelskirchen jetzt zumindest als Aufgabe weiterer Untersuchungen und vertiefender Arbeiten über den Zeitpunkt des Stadtjubiläums hinaus vornehme.

Möglich sei deshalb auch weiterhin, dass die Mitglieder gemäß ihrer Vereinssatzung im Hinblick auf das erarbeitete Wissen in diversen Themengebieten weiter forschen und zu einem späteren Zeitpunkt Einzelveröffentlichungen herausgeben, „die auch einer wissenschaftlichen Kritik standhalten. Mit der zur Verfügung stehenden Personalkapazität und in der verbleibenden Zeit können wir all diese Themen nicht im Schnellverfahren und somit nur qualitativ unzureichend bearbeiten“, sagt Ernst. Ein qualitativ unzureichendes Ergebnis, da sei sich die Gruppe einig gewesen, hätte man nicht veröffentlichen wollen.

„Der Verwaltungsaufwand zur Organisation des Buch-Projektes habe die vorhandenen Personalkapazitäten völlig überstiegen“, versichert der Vorsitzende.

Dazu hätte etwa die Quellenarbeit gehört, die Durchführung der Korrekturläufe und der redaktionellen Bearbeitung der Textbeiträge, sowie die Auswahl der Illustrationen und die dazugehörige Klärung der Veröffentlichungsrechte, die digitale Aufbereitung des Bildmaterials und die Abstimmung der themenbezogenen Layouts mit dem Verlag. Ernst: „Die Organisation konnte unserer Meinung nach nur durch die Kernmannschaft des BGV durchgeführt werden, weil dazu neben organisatorischen Kompetenzen auch historische Kenntnisse notwendig waren, um eine inhaltliche Prüfung der Textbeiträge zu gewährleisten. Wir sind sicher, dass in der zur Verfügung stehenden restlichen Zeit bis zur notwendigen Drucklegung die notwendigen Arbeiten nicht mehr erledigt werden können.“ Eineinhalb Jahre hätte es noch gedauert, bis das geplante Buch hätte erscheinen sollen.

Buch-Idee

In zwei Jahren steht ein besonderes Jubiläum an: 150 Jahre Verleihung der Stadtrechte. Anlässlich des Jubiläums sollte die Stadtgeschichte in Form eines Buches zusammengefasst werden. „Seit über 30 Jahren ist kein neues Buch über unsere Stadt mehr erschienen“, begründete Ernst einst seinen Entschluss, aktiv zu werden. Inzwischen sei aber hier viel Neues passiert. Auch sollte der Zusammenschluss von Dhünn, Dabringhausen und Wermelskirchen als eine zusammengewachsene Gemeinschaft thematisiert werden.

Standpunkt

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Es ist eine bittere Pille, die die Mitglieder des Geschichtsvereins jetzt schlucken müssen. Aber auch die vielen Interessierten, die sicher gern in dem großen Wermelskirchen-Buch geblättert hätten. Vor allem aber – selbstverständlich – die Ehrenamtler, die sich inzwischen mehr als zwei Jahre mit Planung und Umsetzung beschäftigt hatten. Die Arbeit ist zwar wohl nicht komplett umsonst gewesen, weil das angeeignete Wissen ja auch für weitere Recherchearbeiten verwendet werden kann. Dennoch ist aber viel Zeit und Mühe schlicht in den Sand gesetzt. Verständlich ist die Entscheidung trotzdem. Denn wie bei vielen Vereinen ist es wohl auch beim Geschichtsverein so, dass nur ein Bruchteil der Mitglieder die Kapazitäten frei hat, sich um ein solch großes Projekt, das sich ja letztlich über Jahre hingezogen hätte, zu kümmern. Am Ende bleibt eben doch immer nur eine handvoll Menschen übrig, die es machen. Und die haben erst im Laufe der Zeit bemerkt, dass das einfach nicht zu stemmen ist. Auch das ist verständlich und zu akzeptieren. Sicher wird man noch viel anderes Interessantes vom Geschichtsverein hören.

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