Gas

Stadt will Energie einsparen

Die Technik im Quellenbad: alt und nicht wirklich energieeffizient. Die Stadt wartet auf Bundesvorgaben für ihre Gebäude.oto: Max Hütten
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Die Technik im Quellenbad: alt und nicht wirklich energieeffizient. Die Stadt wartet auf Bundesvorgaben für ihre Gebäude.

Im Rathaus wird das Heizen optimiert – Vorerst keine Änderungen bei Hallenbad und Sporthallen.

Von Stephan Singer

Wermelskirchen. Durch die Pipeline Nord Stream I fließt wieder Gas. Diese Nachricht hat bei der Stadtverwaltung Wermelskirchen erst einmal Erleichterung ausgelöst. Aber, so schätzen die Verantwortlichen ein: „Die Möglichkeit einer Mangellage ist nicht vom Tisch.“ Weil zuletzt nur etwa 40 Prozent der maximalen Auslastung geliefert wurden und Gazprom nun auch noch ankündigte, lediglich noch 20 Prozent zu gewährleisten. Dieses Hin und Her dokumentiert gleich den zweiten Grund, den die Stadt sieht: Es bleibt eine Rest-Unsicherheit. „Aktuell ist nichts wirklich planbar, weil die Situation nicht gut einzuschätzen ist“, sagt Bürgermeisterin Marion Lück auf Anfrage: „Wir können für große Maßnahmen nur abwarten, was die Bundesregierung entscheidet und die Bundesnetzagentur vorgibt oder empfiehlt.“ Darauf bereite sich die Stadtverwaltung vor, um kurzfristig reagieren zu können.

Es ist eklatant wichtig, Energie zu sparen, um einer Gasmangellage entgegenzuwirken.

Appell der Stadtverwaltung

Bereits Anfang Juli hatte Bürgermeisterin Marion Lück den Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) Energie eingesetzt, um die Stadt auf die steigenden Energiekosten und die Gasmangellage einzustellen. Eine entsprechende Umfrage unter den Mitarbeitenden der Verwaltung hat bereits dafür gesorgt, dass Ideen gesammelt wurden, die nun schnell und unkompliziert umgesetzt werden – denn auch die Stadt muss auf den Energiekostenanstieg reagieren. Dieser macht mittlerweile schon rund 30 Prozent aus. Das heißt, wer bisher 500 Euro an Energiekosten monatlich bezahlt hat, wird nun mit 650 Euro zur Kasse gebeten. „Es ist deshalb eklatant wichtig, Energie zu sparen. Um einer Gasmangellage entgegenzuwirken und um den Geldbeutel zu schonen“, appelliert die Stadtverwaltung genauso in Richtung der Bürgerschaft.

Die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung fassen sich „an die eigene Nase“ und achten darauf, dass konsequent die Lichter auf Fluren, Waschräumen oder Küchen nach Verlassen ausgeschaltet werden. Außerdem werden gerade weitere Bewegungsmelder bestellt und in Fluren installiert sowie Mehrfachsteckdosen mit Kippschaltern angeschafft, um nach Dienstschluss alle Geräte auf „Aus“ zu stellen. Weiterhin hält die Verwaltung alle Mitarbeitenden an, möglichst auf zusätzliche Kleingeräte wie Heizlüfter, Ventilatoren, mobile Klimaanlagen, Kaffeemaschinen und Wasserkocher zu verzichten. Geplant ist nach Angaben der Stadt eine weitere Schulung für die Hausmeister der städtischen Gebäude. Das Ziel: Potenziale für die Einsparung von Energiekosten nutzen.

Eine Dienstanweisung wie in der Stadtverwaltung von Bergisch Gladbach, wonach die Büros auf maximal 21 Grad Celsius geheizt werden dürfen, gibt es in Wermelskirchen bislang nicht. Was die „größeren“ Maßnahmen für die städtischen Gebäude betreffe, sei derzeit in der Prüfung durch das Amt für Gebäudemanagement, stellt die Stadtverwaltung dar und kündigt damit an, dass das „Ende der Fahnenstange“ in Sachen Energiesparen noch nicht erreicht ist.

Zur Zeit sind die Heizungen und die Warmwasserzufuhr in allen städtischen Gebäuden, in denen es möglich ist, bis zum 15. September abgeschaltet worden. Bezüglich der Raumtemperatur in den Büros des Rathauses stellt Lück klar: „Die Heizungsanlage im Rathaus ist ebenfalls in die Jahre gekommen, so dass eine Steuerung der Raumtemperatur über die einzelnen Thermostate in den Büros nicht möglich ist. Wir werden aber die Vorlauftemperatur der Heizung deutlich absenken, so dass wir darüber eine nennenswerte Einsparung erzielen.“

Für das Hallenbad, die Schulen und die Sporthallen wartet die Stadt die Vorgaben des Bundes ab. Sollte die nächste Notfallstufe ausgerufen werden, wird die Stadt darauf reagieren, sagt die Bürgermeisterin: „Die Situation ist im Moment ziemlich unbefriedigend, weil wir abwarten müssen, was auf höherer Ebene entschieden wird.“

Eine Einschätzung, wie viel Geld insgesamt durch die eingeleiteten und geplanten Maßnahmen eingespart werde, kann die Stadt aktuell noch nicht geben, heißt es von Hartwig Schüngel, Leiter des Amtes für Gebäudemanagement. Damit sei frühestens im Januar 2023 zu rechnen.

 Fakt ist jedoch, dass bereits im neuen Doppelhaushalt für 2022/23 mehr Geld für Energiekosten bereitgestellt werden musste. Der Ansatz für Strom, Heizung und Wasser ist von 1,94 Millionen Euro in 2021 auf 2,53 Millionen Euro in 2022 erhöht worden. In den Folgejahren sind jeweils rund weitere 250 000 Euro an Kostensteigerung für Energie eingeplant.

Hintergrund

Die 93 Abnahmestellen haben in 2021 15,66 Millionen Kilowattstunden verbraucht. Darunter sind 1,6 Millionen Kilowattstunden, die das Quellenbad benötigt hat. Das Hallenbad ist ein „Energiefresser“, was sich im Haushalt zeigt: In der Gebäudekostenverrechnung für das Hallenbad sind unter anderem knapp 82 000 Euro für Heizung, 163 500 Euro für Strom sowie rund 50 000 Euro für Wasser berücksichtigt.

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